Aufzüge und Lifte sorgen für eine schnelle Beförderung

Aufzüge und Lifte dienen der senkrechten oder schrägen Beförderung von Personen und Lasten. So weit die Definition. Weiterhin werden sie nach der Art unterschieden in Seilaufzüge, Hydraulikaufzüge und Seilhydraulikaufzüge. Nach der Verwendung unterscheidet man Personenaufzüge, Lastenaufzüge oder Kleinlastenaufzüge, wobei in den einzelnen Bereichen weitere Unterscheidungen vorgenommen werden. Dabei ist die Bezeichnung „Lift“ vieldeutig. Man kann Müllttonnen per Lift in eine Art Kleinbunker versenken, aber auch Senioren und gehbehinderte Personen werden per Lift in höhere Geschosse befördern, wobei die Fachleute in diesem Fall von Sitzliften sprechen. Doch bleiben wir in diesem Beitrag zunächst einmal bei den klassischen Personen- und Lastenaufzügen.

Laut Landesbauordnungen müssen in Neubauten mit mehr als einer bestimmten Anzahl von Vollgeschossen oder einer bestimmten Gebäudehöhe Aufzüge eingebaut werden. Die Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen sagt unter anderem folgendes zum Thema Aufzüge: 

"In Gebäuden mit mehr als fünf Geschossen über der Geländeoberfläche müssen Aufzüge in ausreichender Zahl eingebaut werden, von denen einer auch zur Aufnahme von Kinderwagen, Rollstühlen, Krankentragen und Lasten geeignet sein muss; das oberste Geschoss ist nicht zu berücksichtigen, wenn seine Nutzung einen Aufzug nicht erfordert oder wenn durch den nachträglichen Ausbau des Dachgeschosses Wohnungen geschaffen werden. Fahrkörbe zur Aufnahme einer Krankentrage müssen eine nutzbare Grundfläche von mindestens 1,10 mx 2,10 m haben; ihre Türen müssen eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 0,90 m haben. Vor den Aufzügen muss eine ausreichende Bewegungsfläche vorhanden sein. Zur Aufnahme von Rollstühlen müssen bestimmte Aufzüge eine nutzbare Grundfläche von mindestens 1,10 mx 1,40 m haben und von allen Wohnungen in dem Gebäude und von der öffentlichen Verkehrsfläche stufenlos erreichbar sein; ihre Türen müssen eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 0,90 m haben". 

Wenn Sie wissen wollen, welche Vorgaben in Ihrem Bundesland gemacht werden, so können Sie das hier in den Landesbauordnungen nachlesen.

Funktionsweise eines Seilaufzuges

Beim Seilaufzug hängt der Fahrkorb an Tragseilen, die über einer Treibscheibe einer Winde geführt werden. Die Treibscheibe wird von einem Elektromotor (Drehstrom- oder Gleichstrommotor) angetrieben. Die über die Treibscheibe laufenden Tragseile heben den Fahrkorb an und senken das Gegengewicht ab. Das Gegengewicht des Fahrkorbes entspricht meist dem Gewicht des Fahrkorbes und der Hälfte der zulässigen Nutzlast. So ist maximal die halbe Nutzlast und die Reibung durch den Antrieb zu überwinden. Die Winde sollte möglichst über dem Schachtkopf angeordnet werden. Es ist zwar auch möglich, die Winde oben oder unten neben dem Schacht anzubringen, die Tragseile werden dann allerdings sehr lang und die Umlenkung wird dadurch sehr stark beansprucht. Der Fahrkorb gleitet an den Führungsschienen nach oben. Mit gleicher Geschwindigkeit gleitet das Gegengewicht an separaten Führungsschienen nach unten.

aufzug01.gif Die Auslegung der Führungsschienen eines Aufzuges ist ebenso ausschlaggebend für den Komfort einer Aufzugsfahrt wie die Eisenbahnschienen die Reisequalität in einem Zug beeinflussen. Die Aufzugssteuerung überwacht und bestimmt die Position des Fahrkorbes, seine Fahrtrichtung, Beschleunigungs- und Verzögerungsvorgänge, die Geschwindigkeit, die Fahrkorbkommando- und Etagenrufbearbeitung, sowie alle Türbewegungen. Bei Abwärtsfahrt verhindert zusätzlich der Geschwindigkeitsregler ein unkontrolliertes Absenken des Fahrkorbes. Bei Überschreitung der Sollgeschwindigkeit wird automatisch eine Notbremsung ausgelöst.

Die Vorteile eines Seilaufzuges gegenüber einem Hydraulikaufzug sind hohe Geschwindigkeit, hohe Förderungsleistung und größere Höhen. Als Nachteile sind der Triebwerksraum über dem Schacht sowie das schwierige Anfahren der Stationen (Seildehnung bei unterschiedlichen Lasten) anzusehen.

Zeichnung:
Aufzug- und Fördertechnik Niggemeier und Leurs

Funktionsweise eines Hydraulikaufzuges

aufzug02.jpg Ein hydraulischer Aufzug wird nur aufwärts mit einem Motor betrieben. Die Abwärtsfahrt erfolgt motorlos über hydraulische Ventile. Eine Pumpe fördert das Hydrauliköl über ein Rückschlagventil in den Hydraulikzylinder. Die Haltestelle wird meist um einige Zentimeter überfahren und die Kabine sinkt dann auf exaktes Niveau ab. Es ist durch eine hydraulische Steuerung aber auch ein direktes Anfahren der Stockwerke möglich. Hydraulikaufzüge zeichnen sich durch eine besonders hohe Tragfähigkeit aus. Sie benötigen keinen Dachaufbau und können die ganze Schachtgrundfläche in Anspruch nehmen, da sie kein Gegengewicht benötigen.

Die Standardlösung stellt der Aufzug mit einem zentral angeordneten Druckkolben dar (Direkthydraulik). Der Zylinder befindet sich in einer Brunnenbohrung unterhalb der Schachtgrube. Die Förderhöhe beträgt dabei maximal 20 m. Das Gesamtgewicht beträgt maximal 30 Tonnen, was einer Nutzlast von 10 bis 20 Tonnen entspricht. Keine Brunnenbohrung ist notwendig, wenn sich ein oder zwei Druckkolben mit Zylindern neben dem Fahrkorb befinden. Allerdings ist dann ein größerer Schacht notwendig. Eine weitere Lösung besteht mit einem oder zwei Zugkolben neben dem Fahrkorb, die diesen nach oben ziehen. Dadurch können die Abmessungen von Kolbenstange und Zylinder kleiner gewählt werden. Allerdings ist die Förderhöhe bei diesem System nicht sehr hoch und die maximale Nutzlast beträgt 1.200 kg.

Hydraulikaufzüge eignen sich sehr gut für einen nachträglichen Einbau. Zudem müssen die Triebwerksräume nicht unbedingt in der Schachtumgebung sein. Als Nachteile gegenüber Seilaufzügen sind geringe Geschwindigkeit, geringe Höhen und hoher Energieverbrauch anzusehen. Zudem sind Hydraulikaufzüge ungeeignet für stark frequentierte Aufzüge.

Funktionsweise eines Seilhydraulikaufzuges

Aufzüge mit einem seilhydraulischen bzw. indirekt hydraulischem Antrieb stellen eine Mischung zwischen Seilaufzug und Hydraulikaufzug dar. Dabei kommen verschiedene Systeme zum Einsatz.

Zum einen können sich neben dem Fahrkorb Druckkolben befinden. Der Fahrkorb wird von den Druckkolben mittelbar über Seile bewegt. Am Kolbenfuß befindet sich eine Umlenkrolle, über die die Seile laufen. Ein Seilende ist am Kolbenfuß, das andere am Fahrkorbgerüst befestigt. Der Fahrkorb besitzt wie alle Seilaufzüge eine Fangvorrichtung. Dieses System eignet sich bis Förderhöhen von 35 m mit einer Nutzlast von 4 - 8 Tonnen.

Zum anderen können sich neben dem Fahrkorb Zugkolben befinden. Der Korb wird über die Zugkolben und Seile nach oben gezogen. Aufgrund des Konstruktionsprinzips als Zugkolben kann kein Schlaffseil entstehen. Die maximale Förderhöhe beträgt bei diesem System 19 m.

Schließlich kann auch mit Zugkolben und Ausgleichsgewicht gearbeitet werden. Da die Abwärtsfahrt ohne Motorleistung, nur durch das Eigengewicht, erfolgt, ist bei hoher Tragkraft manchmal zusätzliches Gewicht notwendig. Es wird daher ein Ausgleichsgewicht angeordnet, das sich am Kopf der Kolbenstange befindet.

Personenaufzüge

aufzug03.jpg Personenaufzüge dienen der Beförderung von Personen oder von Personen und Gütern. Ihre Aufzugskabinen müssen immer mit einer Abschlußtür versehen sein. Personenaufzüge befinden sich meist in bauseits erstellten Beton- oder Mauerwerkschächten. Neben den rein funktionellen Personenaufzügen, die in jedem Kaufhaus und höheren Wohnhaus zu finden sind, wird in den vergangenen Jahren vermehrt auf die Optik geschaut. In diese Rubrik fallen zum Beispiel Glas- und Panoramaaufzüge. Eine Besonderheit stellen Behindertenaufzüge dar, die aufgrund ihrer Bauweise ausschließlich zur Beförderung behinderter Personen bestimmt sind und deren Tragfähigkeit 300 kg nicht übersteigt. Dabei ist immer zu beachten, dass auch behinderte Menschen im Rollstuhl in einem Aufzug Platz haben müssen — und zwar nicht nur für sich und den Rollstuhl, sondern mindestens für eine Begleitperson. Bei älteren Personenaufzügen speziell im Ausland ist das nicht immer der Fall. Was nützt die ganze Diskussion um behindertengerechtes Wohnen, wenn der Weg zur eigenen Etagenwohnung mühsam ist.

In diesem Zusammenhang sollen die „Paternoster“-Aufzüge erwähnt werden, das sind karusselähnliche Personen-Umlaufaufzüge, die man bis in die 60-er Jahre in Behörden und Bürohäuser einbaute, die auch noch vereinzelt anzutreffen sind, deren Neubau aber verboten ist, denn das Besteigen und Heraustreten aus diesen Umlaufkäfigen ist für Behinderte sehr schwer, wenn nicht unmöglich und stellt auch für gesunde Menschen häufig ein Problem dar.

Panorama- und Glasaufzüge

aufzug04.jpg Panoramaaufzüge und Glasaufzüge bestehen aus Glas und fahren in Schächten aus Glas. Durch ihre Transparenz ist auch der Einbau in denkmalgeschütztem Ambiente möglich. Panorama- und Glasaufzüge stellen eine Verbindung zwischen Technik und Architektur dar. Panoramaaufzüge sind Personenaufzüge mit teil- oder ganzverglasten Fahrkörben. Sie gelten als ein repräsentatives, gestalterisches Gebäudeelement. Funktionalität und Design werden hier verbunden. Allerdings sind bei Panorama- und Glasaufzügen neben den hohen Investitionskosten die laufenden Reinigungskosten zu beachten, die unter Umständen einen erheblichen Kostenfaktor darstellen

Behindertenaufzüge

aufzug05.jpg Bei Behindertenaufzügen wird zwischen Senkrecht- und Schrägaufzügen unterschieden. Damit "normale" Personenaufzüge behinderten- bzw. rollstuhlgerecht sind, muss der Fahrkorb eine Breite von 110 cm, eine Tiefe von 140 cm und eine Türbreite von 90 cm besitzen. Zudem müssen sich im Fahrkorb Haltegriffe befinden. Vor den Aufzugszugängen ist eine Mindestbewegungsfläche von 150 x 150 cm für das Drehen des Rollstuhlfahrers vor oder nach der Aufzugsbenutzung erforderlich. Um kleine Höhenunterschiede zu überwinden, eignen sich Hebebühnen. Diese besitzen einen kleinen Motor und kommen ohne Hydraulik oder Seile aus.

Um größere Treppen zu überwinden, sind mehrere Systeme an Schrägaufzügen (Treppenliften) auf dem Markt:

aufzug06.jpgBeim Hängelift wird die Führungsschiene über der Treppe verlegt. Der Fußgängerbereich wird nicht eingeschränkt. Er eignet sich deshalb insbesondere bei schmalen Treppenhäusern. Der Rollstuhl wird samt seinem Benutzer in Schlaufen in das System gehängt.



aufzug07.jpgDer Stehlift, der Treppenaufzug mit Stehplattform, auch als rollende Stufe bezeichnet, ist für Gehbehinderte geeignet. Er kann auch mit einem zusätzlichen Klappsitz ausgestattet sein.

Der Sitzlift ist ein Schrägaufzug mit Stuhlplattform und Fußstütze. Er wird für Schwerbehinderte ohne Rollstuhl gebaut. Gepolsterte Sitzfläche und Rückenlehne, Armlehne, Trittbrett und Sitzfläche sind oft einzeln hochklappbar. Der Sitzlift eignet sich sowohl für gerade Treppen als auch für Treppen mit Kurven.


aufzug08.jpgDer Rollstuhl- bzw. Plattformlift ist der Schrägaufzug für behinderte Rollstuhlfahrer. Die Aufzugsplattform hat ausklappbare Übergleitteile zum Verlassen der Plattform auf die Fahrbahn und umgekehrt. Der Plattformlift ist sowohl für den Innen- als auch für den Außenbereich geeignet und kann sowohl bei geraden Treppen und bei Treppen mit Kurven oder Podesten eingesetzt werden.

Alle Fotos zum Thema Behindertenaufzüge stammen von der Le o Ba GmbH Mössingen.

Aufzüge für Bau, Industrie und Gewerbe

Lastenaufzüge

Lastenaufzüge sind Aufzüge, die vorwiegend zur Beförderung von Waren bestimmt sind. Man findet sie zum Beispiel in Kaufhäusern, Lagerhallen und Industrieanlagen. Sie sind in aller Regel als Seilaufzüge ausgeführt. Im Normalfall dürfen nur Personen mit dem Aufzug fahren, die vom Betreiber beschäftigt werden. Wenn der Aufzug von einem Aufzugführer bedient wird oder die Fahrkorbzugänge mit Türen versehen sind, dürfen auch andere Personen befördert werden. Bei Betriebsgeschwindigkeiten ab 1,25 m/s müssen Lastenaufzüge ohnehin eine Tür erhalten.

Güteraufzüge

In Güteraufzügen dürfen, im Gegensatz zu Lastenaufzügen, keine Personen befördert werden. In Bezug auf Fahrschacht, Fahrkorb und Triebwerksraum sowie Fahrkorbgrundflächen und Mindesttragflächen entsprechen sie im wesentlichen den Personen- und Lastenaufzügen.

Unterfluraufzüge sind vereinfachte Güteraufzüge oder Behälteraufzüge, deren Fahrschacht in Höhe des Niveaus der obersten Haltestelle endet. Die Aufzüge werden gerne zum senkrechten Transport von Abfallbehältern zwischen Keller- und Erdgeschossniveau eingeplant. Der Fahrschacht ist dabei in der Regel durch eine bewegliche Schachtabdeckung abgesichert.

Behälteraufzüge sind Güteraufzüge, die ausschließlich zur Beförderung von für die jeweilige Aufzugsanlage bestimmten Sammelbehältern zwischen höchstens drei Haltestellen dienen; die Tragfähigkeit darf 1000 kg und die Betriebsgeschwindigkeit darf 0,3 m/s nicht übersteigen.

Lagerhausaufzüge sind Güteraufzüge in landwirtschaftlichen Lagerhäusern, deren Tragfähigkeit 1000 kg, deren Fahrkorbgrundfläche 2,5 m² und deren Betriebsgeschwindigkeit 0,3 m/s nicht übersteigen.

Kleingüteraufzüge

Kleingüteraufzüge sind nicht betretbare Aufzugsanlagen, die ausschließlich dazu bestimmt sind, Güter über eine nicht begrenzte Förderhöhe zu transportieren. Sie werden als Aktenaufzüge in Bürogebäuden, Büchereien und Krankenhäusern oder als Speiseaufzüge in Hotel- und Restaurantbetrieben eingesetzt.

Fassadenaufzüge

Fassadenaufzüge sind Aufzugsanlagen, die Gebäuden zugeordnet und dazu bestimmt sind, Personen mit und ohne Arbeitsgerät und Material aufzunehmen und deren an Tragmitteln hängende Arbeitsbühnen durch Hubwerke oder durch Hubwerke und Fahrwerke bewegt werden. Fassadenaufzüge werden zum Beispiel bei Reparaturarbeiten oder zur Fensterreinigung in luftiger Höhe benötigt.

Bauaufzüge

aufzug09.jpg Bauaufzüge sind vorübergehend errichtete Aufzugsanlagen, die ausschließlich zur Beförderung von Gütern bei Bauarbeiten bestimmt sind. Sie können sowohl zu einer senkrechten als auch einer schrägen Beförderung (siehe Foto Zarges) dienen. Bauaufzüge müssen standsicher aufgestellt und an tragfähigen Bauwerksteilen oder ausreichend verankerten Gerüsten befestigt werden bzw. durch Gewichte gegen Kippen und Verschieben gesichert sein. Hierbei ist die Montageanleitung des Herstellers zu beachten. Elektrisch betriebene Bauaufzüge dürfen nur über einen besonderen Speisepunkt mit Strom versorgt werden (z. B. Baustromverteiler mit FI-Schutzschalter). An der unteren Ladestelle des Aufzuges ist der gefährdete Raum abzusperren und nur von einer Seite zugänglich zu machen. Bei Gefahr durch herabfallende Gegenstände ist ein Schutzdach anzubringen. Liegt die obere Ladestelle höher als 2,00 m, so sind Absturzsicherungen vorzusehen.

Mit dem Bedienen und Warten von Bauaufzügen dürfen nur Personen betraut werden, die

  • das 18. Lebensjahr vollendet haben
  • mit dem Bedienen und Warten des Aufzuges vertraut sind
  • vom Unternehmer zum Bedienen und Warten des Aufzuges bestimmt sind.