Aufbau einer Schallschutzwand

Delphine O.: "Ich möchte mir meinen eigenen Kinoraum bauen, ohne die Nachbarn zu belästigen. Dazu wollte ich an die "alte Wand" Noppenschaumstoff kleben und darüber Fermacellestrichelemente mit Vlies auf einer Vorsatzschale befestigen. Mein Gedanke: Doppelt schallisoliert. Ist der Gedanke ok? Besten Dank für Ideen und Tips ! PS.: Ich wollte ungern, dass die Noppenplatten zu sehen sind..."

Antwort von Martin St.: "Der Gedankenansatz ist falsch, das Ergebnis wäre aber richtig! Folgendes gilt auch bei Ihnen: 1.) Schallemission läßt sich am besten an der Lärmquelle (hier: Kinoraum) begrenzen. Nicht an den Immisionsorten ("bei den Nachbarn"). Dieser Ansatz war also korrekt! 2.) Lärm ist eine hochenergiereiche Emission. Lärm läßt sich nicht "schlucken" oder beseitigen, sondern nur in (minimale) andere Energie (hier: Wärme) umwandeln. Lärm läßt sich entgegen der volkstümlichen Meinung deshalb nicht durch massearme schaum-, watteartige und sonstige weiche und leichte Materialen (hier: Noppenschaumstoff) isolieren. Daraus folgt: Gedankengang war hier falsch! 3.) Für die Umwandlung von Lärm wird eins benötigt: MASSE (am Besten in Form von Stein, Beton, Blei, Quecksilber oder sonstigen schweren Materialen). Oder durch Ihre Estrichelemente (setze ich jetzt mal mit "Beton" gleich). Hier war Ihr Gedankengang korrekt! So, das Problem ist nun aber: Wenn Sie massereiche Schallisolierung direkt an die Wand befestigen, tritt das Phänomen "Schallkopplung" auf (Schall wird in harten Gegenständen besser weitergereicht als in weichen). Aus diesem Grund war das mit dem Schaumstoff nicht GANZ falsch: Wenn Sie es schaffen, die Estrichelemente NICHT direkt an der alten Wand/Decke zu befestigen (und das ist sehr wichtig!), sondern an dem Schaumstoff großflächig aufkleben (wie auch immer das klappen soll - ich kann´s mir noch nicht so ganz vorstellen), so haben Sie eine lärmentkoppelte und gleichzeitig schwere Vorsatzschale vor der Nachbarschaftswand. Und das ist das Beste, was Sie machen können. Hier muss es aber kein Schaumstoff sein, hier wäre auch Sand, Styropor oder andere hohlraumreiche Materie geeignet. Wichtig ist nur: die Vorsatzschale darf keine direkte Verbindung zur "alten" Wand haben. Noppenschaumstoff alleine ist also kein geeigneter SchallSCHUTZ, aber ein hervorragender SchallBRECHER (es gibt kein Echo) und wird deswegen als sichtbares Wandelement in Studios eingesetzt. Leider verwechseln das Laien gerne und sind deswegen der Meinung, mit Schaumstoff LärmSCHUTZ betreiben zu können. Also Quintessenz: Sie haben in dem von Ihnen projektieren Wandaufau zwar keinen DOPPELTEN Schallschutz (sondern nur einen einfachen), aber der ist recht effektiv! Deswegen: Der Weg war (zum Teil) falsch, das Ziel aber erreicht. Glückwunsch!"