Wie jeder Balkon in Deutschland die Mieten verteuert

Balkone, das weiß jedermann, bedeuten eine Wertsteigerung beim Bau oder Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung und ziehen bei Mietwohnungen eine höhere Miete nach sich. Denn Balkone werden als Wohnraum mit gerechnet. Die Sache hat jedoch sehr oft eine negative Begleiterscheinung. Die meisten Balkone an Mietshäusern sind zu klein, kaum sinnvoll zu nutzen, stoßen an den Nachbarbalkon oder haben nur einen geringen Abstand zu diesem und liegen auch noch zur Straßenseite wie auf einem Präsentierteller.

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Natürlich gibt es „Traumbalkone“ in Traumlagen an einem Seegrundstück wie auf dem Foto links oben des US-Hausherstellers © Method Homes. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwar 1.000 Seen, ob man aber da eine Baugenehmigung erhält, ist fraglich. Der krasse Gegensatz ist das Foto rechts aus einer westdeutschen Großstadt: Die Balkone sind hässlich, zu schmal und unten fahren LKWs und die Straßenbahn vorbei und gegenüber befindet sich womöglich noch ein alter Luftschutzbunker. Wer möchte auf einem solchen Balkon die Freizeit „genießen“? Deshalb sollte man, wenn man vor der Frage steht „mit oder ohne Balkon“, unsere Checkliste über Balkone zu Rate ziehen.

Mag der Balkon noch so hässlich sein — er steigert die Miete

Generell freuen sich die Makler, wenn sie Häuser oder Wohnungen mit Balkon anbieten und mit geschwollenem Maklerlatein anpreisen können, denn bei Käufern oder neuen Mietern hat sich einzementiert, dass ein Balkon das Wohngefühl steigert. Das ist in Deutschland jedoch in der großen Mehrzahl der Fälle nicht so. Aber ganz egal: der BGH hat höchstrichterlich entschieden, dass bei Mietverträgen, die vor 2004 abgeschlossen worden sind, die Nutzfläche zu 50 % als Wohnfläche anzusehen ist und diese 50 % auf den Mietpreis aufgeschlagen werden können.

Wurde der Mietvertrag nach 2004 abgeschlossen, ist nur noch ein Aufschlag von 25 % angemessen. Diesen juristischen Unsinn kann keiner verstehen, aber „so isses“. Aber halt! Hat der Balkon einen „überragenden Wert“, kann auch bei nach 2004 abgeschlossenen Mietverträgen 50 % angesetzt werden. Und über die Frage, was denn nun „überragend“ ist, lässt sich dann zur Freude der Rechtsanwälte vor Gericht trefflich streiten.

Falls Sie, lieber User von baumarkt.de, eine Wohnung mieten wollen, die ansonsten recht ordentlich ist, aber einen hässlichen Balkon hat, so verhandeln Sie doch mit dem Vermieter über eine optische Verjüngungskur von Balkonen.

Wie groß muss denn ein Balkon mindestens ein?

Man glaubt es kaum, aber im reglementierungswütigen Deutschland ist nicht festgelegt, wie groß ein Balkon mindestens sein muss. In der architektonischen Fachliteratur findet man nur vage Angaben, wonach sich die Mindestgröße aus der Wohnform, der Haushaltsgröße und dem Gebrauchszweck ableitet. Ach nee! Die Abmessungen sollen sich demnach ableiten aus dem Platzbedarf für eine Sitzgruppe, für Liegestühle und dergleichen. Ach nee! Hinzu soll auch ein Mindestmaß an „Bewegungsfläche“ kommen. Ach nee!

Balkone sollen auch nicht unmittelbar neben Nachbarbalkonen liegen. Das leuchtet ein, hat eine Großzahl der Architekten aber nicht verinnerlicht. Und Balkone sollen gegen die Einsicht von Nachbarn geschützt sein. Ach nee! Das alles sind schöne Vorstellungen, die in der Praxis überwiegend nicht beherzigt wurden und werden.

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Hunderttausende Fotos könnte man zeigen, um den Missstand zu dokumentieren. Wir begnügen uns mit diesen beiden Fotos. Und wir beantworten auch die Frage, wo groß ein Balkon mindestens sein sollte. Für ein Paar, dass auf seinem Balkon Kaffee trinken oder sonnenbaden will, sind eine Breite von 140 cm und eine Länge von 400 cm das Mindeste. Da kann man auf dem Balkon ein schmales Tischchen und an den Schmalseiten zwei Stühle oder statt Tischchen und Stühlen zwei Sonnenstühle (und ev. ein Katzenklo) aufstellen.

Es gibt aber auch Musterbeispiele für Wohnhäuser mit Balkonen

Architekten beschäftigen sich während ihres Studiums kaum mit der Einbindung von Balkonen in eine Hausfront. Balkone sind für die meisten von ihnen notwendige Übel und werden nur deshalb eingeplant, da der Bauherr es verlangt, weil er sich davon eine Wertsteigerung und höhere Mieten verspricht. Dabei können Balkone, richtig geplant, ein Wohnobjekt verschönern. In den neuen Bundesländern hat man das erkannt und Vorbaubalkone vor triste Plattenbauten gesetzt.

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Schaut man die Fotos hier oben an, registriert man, dass auch Architekten unserer Zeit durchaus sehr creativ Balkone in einen Baukörper einbeziehen können. Eine Investmentgesellschaft hat in Kaarst bei Düsseldorf nicht nur eine mustergültige Wohnanlage entstehen lassen, sondern gleich dazu einen Park mit künstlich angelegtem See. Wer hier wohnt, schaut von seinem Balkon ins Grüne und nicht auf Häuserblocks auf der anderen Straßenseite. Viele Balkone sind auch über Eck gebaut, so dass der Mieter ein Optimum an Sonnenstrahlen genießen kann. Und man hat die Häuser mit ihren Balkonen auch weitgehend gegen die „Einsicht“ von Nachbarbalkonen gebaut.

Den Architektur-Professoren können wir nur raten, Exkursionen einmal nicht zu den schiefen Bürotürmen aus Stahl und Glas wie etwa im Düsseldorfer Hafengelände zu unternehmen, sondern 15 km weiter zu fahren nach Kaarst. Die dortigen Wohnbauten schließen an das Rathaus und an ein Einkaufscenter an, ohne dass das eine Bauobjekt das andere stört.

Foto(s): © Method Homes (1), www.fotoatelier-schumacher.de (7)