Arbeitsschutz ist auch für Heimwerker wichtig

In den 90er Jahren lief die beliebte Sitcom „Hör mal, wer da hämmert“ mit Tim Allen. Running Gag der Sendung war die konsequente Umsetzung von Murphy’s Law — was schiefgehen konnte, ging schief. Doch wer ein wahrer (und selbsternannter) Heimwerkerkönig und ein echter Mann wie Tim ist, der braucht keinen Arbeitsschutz.

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Nach diesem Motto scheinen immer noch viele Heimwerker zu verfahren. Dabei sollte die Volksweisheit, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren, Warnung genug sein. Heimwerkerunfälle machen einen nicht unbedeutenden Teil der Unfall-Statistik aus. Anfang Januar 2014 begann das Jahr für eine Familie in NRW tragisch. Die Familie errichtete ihr Haus weitgehend in Eigenregie. Eine frisch gemauerte Giebelwand wurde von starkem Wind eingedrückt. Die herunterstürzenden Steine erschlugen eine junge Frau. So schlimme Folgen hat mangelnder Arbeitsschutz zum Glück nur selten, doch auch kleineren Verletzungen kann man vorbeugen.

Ob es nun eine etwas schräge Bauarbeiter-Redensart ist („Handschuhe sind was für Mädchen“) oder man „nur mal eben kurz“ etwas erledigen will: Vorsicht ist immer besser als Nachsicht. Der Wortbedeutung nach heißt „Vorsicht“, dass man etwas vorhersehen sollte. Und damit ist auch auf großen Baustellen nicht nur der griffbreite Schutzhelm für den Fall einer Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft gemeint. Tatsächlich obliegt es dem Bauherrn, für Sicherheit auf der Baustelle zu sorgen. Da man als Laie aber nicht jede Vorschrift kennen kann, überträgt man diese Pflicht in der Regel an Architektur- oder Planungsbüros. Diese wissen wie man Baustellen sichert und Baustellen fachgerecht organisiert. Doch auch im Kleinen lassen sich Risiken minimieren.

Ordnung ist das halbe Leben

Viele Gefahren lassen sich schon reduzieren, indem man Ordnung hält. Das benötigte Werkzeug sollte man an einer zentralen Stelle lagern und unmittelbar nach Gebrauch wieder zurückräumen. Damit ist nicht nur die heimische Werkbank, der Keller oder das Gartenhaus gemeint. Wenn Hammer, Schraubenzieher und Co. auch auf der heimischen Baustelle ihren Platz haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man darüber stolpert deutlich geringer, als wenn man alles da liegen lässt, wo man es zuletzt gebraucht hat. Die Zeit, die man sonst benötigt, das passende Werkzeug zu suchen, übersteigt zudem locker den minimalen Mehraufwand beim Zurückräumen. Weitere Zeit lässt sich dadurch sparen, dass man kleineres Werkzeug, das man ständig braucht, immer „am Mann“ bzw. „der Frau“ hat. Bleistift, Zollstock, Cutter und Bitset, lassen sich leicht in Gürteltaschen platzieren.

Sicherheit vom Kopf bis Fuß

Dass es auf einer Baustelle nicht darum geht, einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen, erkennt man schon daran, dass für viele Heimwerker schlabbernde Jogginghosen und ausgetretene Turnschuhe die favorisierten Kleidungsstücke sind. Dagegen ist für simple Tapezier- und Streicharbeiten auch gar nichts einzuwenden. Dennoch sollte man daran denken, dass jede Arbeit ihren spezifischen Arbeitsschutz erfordert. Im Folgenden werden wir uns von den Füßen zum Kopf hocharbeiten und verschiedene Arbeitsschutzmaßnahmen vorstellen, die je nach Tätigkeit sinnvoll sind.

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Füße: Sicherheitsschuhe sollte eigentlich jeder Heimwerker besitzen. Zum einen sind sie in simplen Ausführungen bereits zum kleinen Preis zu haben, zum anderen schützen sie effektiv vor schmerzhaften Ungeschicken und ermöglichen einen sicheren Stand. Gerade wenn man mit Abriss- oder Maurer-Arbeiten beschäftigt ist, werden die Zehen effektiv vor herabfallenden Steinen und Schutt geschützt. Liegen spitze Gegenstände wie Nägel oder Schrott auf dem Boden, bewahren einen die dicken Sohlen vor unangenehmen Verletzungen. Wer über unebene Holzstapel oder durch Schutt läuft, wird hohe Sicherheitsschuhe mit Knöchelschutz zu schätzen wissen. Ist man häufig bei Wind und Wetter mit Forstarbeiten beschäftigt, sind Gummistiefel mit Schutzkappe die richtige Wahl.

Knie: Manche Arbeiten machen ein Arbeiten auf Knien nötig. Gerade bei Pflasterarbeiten oder beim Verlegen von Bodenfliesen schmerzen die Knie schnell. Liegen auch noch feine Steinchen auf dem Boden, drücken diese sich auf unangenehmste Weise durch die Hose. Erträglicher wird die Arbeit mit Knieschonern. Doch auch in Arbeitshosen lassen sich Kniepolster einlegen.

Beine: Bei den meisten Heimwerkern scheint die Bequemlichkeit das wichtigste Kriterium zu sein. Natürlich sollte man sich in der Hose gut bewegen können, dennoch sind einige Punkte zu beachten. Wie bereits erwähnt, gibt es Hosen mit Fächern für Kniepolster. Auch lohnt es sich, die eine oder andere zusätzliche Tasche zu haben, um Kleinwerkzeug zu verstauen. Gerade wenn man mit Sägearbeiten beschäftigt ist, sollte man keine zu lockere Kleidung tragen. Je geringer die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Kleidung in die Säge gerät und den Körper mit sich zieht, desto sicherer ist die Arbeit. Gerade für den Umgang mit Kettensägen gibt es spezielle Schnittschutzhosen oder Beinlinge, die bei Berührung schnell zerfasern und den Motor der Säge blockieren, bevor die Sägekette das Bein aufschlitzt.

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Hände: Handschuhe haben den entscheidenden Nachteil, dass mit ihnen das Fingerspitzengefühl leidet und man deswegen häufig auf ihren Einsatz verzichtet. Auch Schrauben und Nägel lassen sich mit Handschuhen schwerer greifen. Für diesen Fall gibt es aber spezielle Mechanikerhandschuhe, die zwei bis fünf Fingerkuppen frei lassen. Zudem beugen Handschuhe der Blasenbildung vor und schützen vor Schnitten und Splittern. Das sollte man nicht unterschätzen, denn wer aufgrund von Verletzungen seine Hände nicht richtig einsetzen kann, wird schnell die Freude an der Arbeit verlieren. Auch für Sägearbeiten gibt es spezielle Schutzhandschuhe

Atemwege: Der Schutz der Atemwege wird von Heimwerkern wohl am häufigsten vernachlässigt. Zugegeben: Feinstaubmasken sind einfach nur nervig. Hinter ihnen staut sich die Feuchtigkeit und wirklich erleichtert wird das Atmen damit nicht. Mit einem Verzicht darauf tut man sich dennoch keinen Gefallen. Gerade bei Schleif- und Abrissarbeitarbeiten kann feiner Staub tief in die Atemwege eindringen und langfristig Schäden hervorrufen. Auch schädliche Schimmelsporen finden häufig bei Renovierungsarbeiten den Weg in die Lunge. Man weiß ja in den seltensten Fällen, was sich hinter einer Putzschicht oder Abdeckung verbirgt. Feinstaubmasken schützen jedoch nicht vor schädlichen Gasen. Ist man häufig mit Lackierarbeiten beschäftigt oder werden diese in einem geschlossenen Raum erledigt, sollte man auf Filtermasken zurückgreifen.

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Augen: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und manche davon können durchaus ins Auge gehen. Schutzbrillen sind immer angesagt, wenn mit Splittern zu rechnen ist. Auch Sägespäne können bei kleinen Stichsägearbeiten ins Auge springen und so den Blick behindern. Beim bohren in Beton und Stein können kleine Partikel die Netzhaut beschädigen. Doch nicht nur Holz und Steine können unkontrolliert ins Auge springen - auch Metallsplitter, Funken und Drähte stellen eine Gefahr dar. Man schaut ja auch nicht ohne Schutzbrille in den Lichtbogen des Schweißgeräts.

Ohren: Über den Lärm vieler Baugeräte macht man sich kaum Gedanken. Häufig sind Säge, Presslufthammer oder Schleifmaschine ja nur kurz im Einsatz und wenn es generell etwas lauter zugeht, fällt eine weitere Steigerung des Lärms nicht unbedingt auf. Nichtsdestotrotz sollten gerade bei schwereren Arbeiten die Lautstärke und ihre Folgen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Also: Stöpsel in die Ohren oder die auch „Micky Maus“ genannten Kapsel-Gehörschützer aufsetzen.

Kopf: Besteht die Möglichkeit, dass einem was auf den Kopf fällt, weil in den Etagen über einem gearbeitet wird, oder dass ein Balken oder Stein abrutscht, gehört ein Helm auf den Kopf — ohne Wenn und Aber! Auch wenn man mit Querbalken oder niedrigen Decken zu kämpfen hat, lohnt sich dieser klassische Kopfschutz.

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Was man noch machen kann: Unfälle mit Leitern sind nicht nur regelmäßiger Gast in irgendwelchen Heimvideo-Pannen-Shows, sie sind häufig auch in schwere Unfällen im Haushalt involviert. Deswegen gilt auch hier: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Achten Sie auf einen sicheren Stand der Leiter und holen Sie sich ggf. eine helfende Hand zur Seite. Informieren Sie sich im Vorfeld über die zu erledigenden Arbeitschritte. Dazu gehört gegebenenfalls auch die Sicherung der Baustelle für die Zeit, in der man nicht selber arbeitet oder etwas trocknen muss.

Fazit

Dass Arbeitsschutz sinnvoll ist, steht außer Frage. Welcher Arbeitsschutz wann sinnvoll ist, bemisst vor allem an der zu erledigenden Arbeit. Knieschoner oder Werkzeuggürtel erhöhen vor allem den Komfort, Helme oder Sicherheitsschuhe mindern das Verletzungsrisiko. Denn auch auf kleinen Baustellen sollte man keine falsch verstandene Eitelkeit an den Tag legen. Schon kleine Verletzungen können den ganzen Zeitplan durcheinander wirbeln. Es lohnt sich neben gutem Werkzeug auch ein paar Euro in den Arbeitsschutz zu investieren und diesen auch zu benutzen. Falls trotz allem mal etwas schief geht, schadet es nicht, einen Verbandskasten bereit stehen sollte.

Foto 1: © Petra Bork / pixelio.de
Foto 2: epr/Isover
Foto 3: epr/Remmers
Foto 4: www.3marbeitsschutz.de
Foto 5: www.fotoatelier-schumacher.de