Abwassergebühren bei der Flächenversiegelung

Täglich verschwinden dutzende Fußballfelder unter einer Beton-, Asphalt- oder Ziegelfläche - an diesen Stellen wächst buchstäblich kein Gras mehr. Und wo kein Gras wächst, hat es auch das Wasser schwer, seinen Weg ins Boden zu finden. Das ist schlecht - sowohl für den Wasserhaushalt, als auch auf den Naturhaushalt des betroffenen Gebietes. Immerhin ist Deutschland schon zu etwa 12 Prozent mit Gebäuden, Straßen oder anderen Verkehrsflächen versiegelt. In Ballungsgebieten kann der Anteil der versiegelten Fläche sogar bis zu 80 Prozent betragen.

Dort versickert das Regenwasser nicht mehr in den Untergrund, sondern sucht sich seinen Weg in die Kanalisation. Nach heftigen Regenfällen ist die Kanalisation hoffnungslos überfordert, was zu Rückstaus und überschwemmten Kellern führen kann. Auch die Kläranlage kann zu viel Wasser auf einmal nicht bewältigen. Die Wassermengen können nicht mehr gereinigt werden und gelangen mehr oder weniger verschmutzt in die Fließgewässer. Aufgrund der Bodenversiegelung fließt nicht nur mehr Wasser in die Flüsse und Bäche, sondern es gelangt auch schneller dorthin. Für die Bewohner heißt es dann nur noch: Sandsäcke raus und Schotten dicht - die Flut kommt.

Abwassergebühr auch für Niederschlagswasser

Die Städte und Gemeinden versuchen, der Flächenversiegelung auch dadurch entgegen zu wirken, dass sie das Niederschlagswasser in einem Abwassergebührenbescheid sozusagen in den Säckel der Stadtkasse umleiten. Niederschlagswasser ist alles Wasser, was auf ein Dach nieder geht (ganz besonders bei einem Flachdach) und in der Kanalisation verschwindet. Bei einer Dachfläche von 190 qm setzen die Städte einen Faktor von beispielsweise 0,9 an — das heißt also, dass 171 qm Fläche gebührenpflichtig werden. Handelt es sich um ein Gründdach, so sinkt der Faktor je nach Art des Gründachs auf 0,3 oder 0,5.

Nun geht es aber um die Kanaleinleitung von Niederschlagswasser auf befestigte Flächen. Sind diese sehr stark versiegelt, ist der Faktor wie bei der Dachentwässerung — im Beispielfall also 0,9. Bein stark versiegelten Flächen kann er bei 0,5 oder 0,45 liegen und bei gering versiegelten nur bei 0,2 liegen

Was irgendwo zuviel ist, fehlt an anderer Stelle. So ist das auch beim Wasser. In Großstädten ist das Wasser schneller weg, als es verdunsten kann. Das hat leider negativen Einfluss auf das Klima der Stadt, denn es wird dort immer wärmer. Durch fehlende Luftfeuchtigkeit, fehlenden Luftaustausch und zunehmende Luftverschmutzung bilden sich regelrechte "Dunstglocken" über den Städten. Mangelndes Regenwasser bedeutet aber auch sinkendes Grundwasser. Dies ist schlecht, da doch in Ballungsgebieten das Trinkwasser meist aus dem Grundwasser gewonnen wird. In regenarmen Jahren wird häufig mehr Trinkwasser verbraucht, als neues Grundwasser gebildet wird.

Auch Pflanzen und Tiere fühlen sich auf versiegeltem Boden nicht wirklich wohl und ziehen sich zurück. Besonders Kleinstlebewesen wissen nicht mehr wohin, wenn Flora und Fauna voneinander getrennt sind, denn sie brauchen beides. Gründe gibt es daher ausreichend, der zunehmenden Versiegelung entgegenzuwirken und geeignete Maßnahmen zur Entsiegelung zu treffen. Das kann man sogar als Besitzer eines Einfamilienhauses tun. Technisch ist das häufig kein großer Aufwand und der Komfort wird dadurch auch nicht geschmälert. Sogar Geld vom Staat gibt es für die Rückhaltung und gezielte Versickerung von Regenwasser. Über die Regenwassernutzung haben wir bereits einen Beitrag veröffentlicht.

Entsiegelung von Flächen


Manchmal sind es die ganz einfachen Dinge, die große Wirkung zeigen. Ist es beispielsweise nötig, den Vorgarten mit Waschbetonplatten zuzupflastern? Eine Wiese oder ein Beet sehen doch auch ganz schön aus. Ein wenig Arbeit muss man allerdings investieren. Und ob es dem Wagen etwas ausmacht, auf einem wasserdurchlässigen Untergrund zu stehen, darf ebenfalls bezweifelt werden. Auch bei Gartenwegen kann man auf dichte Pflaster- oder Plattenbeläge verzichten und statt dessen beispielsweise Rasengittersteine, Schotterrasen, Kies, Holzpflaster oder Rindenmulch verwenden.
 

Porenpflaster

entsiegel01.jpg Porenpflaster bestehen aus großporigen, wasser- und luftdurchlässigen Betonsteinen, die zum Teil sogar Benzin- oder Ölreste aus dem Oberflächenwasser filtern können. Es gibt Porenpflaster in verschiedenen Farben und Größen. In Verbindung mit einer wasserdurchlässigen Fugenfüllung beträgt die Versickerungsleistung von Porenpflaster nahezu 100 Prozent. Geeignet sind die Pflaster für Fußwege, Zufahrten oderStellplätze.
 

Rasengittersteine

entsiegel02.jpg Diese Betonsteine besitzen rechteckige oder wabenförmige Öffnungen, die mit Mutterboden befüllt und mit Gräsern bewachsen sind. Der Grünflächenanteil von Rasengittersteinen beträgt über 40 Prozent, 50 bis 60 Prozent des Regenwassers kann dabei versickern. Für Hauptfußwege sind die Steine weniger, für Zufahrten und Stellplätze eher geeignet.
 

Holzpflaster

entsiegel03.jpg Holzpflaster bestehen aus imprägnierten Hölzern, die auf einem wasserdurchlässigen Untergrund ausgelegt und mit Splitt oder Sand ausgefugt werden. Gartenwege aus Holzpflaster haben eine warme Ausstrahlung, es gibt Pflaster aus Kantholz und Rundholz sowie in verschiedenen Größen und Durchmessern. Bei Nässe kann die Oberfläche von Holzpflastern rutschig werden. Die Versickerungsleistung beträgt etwa 50 Prozent.
 

Kies-/Splittdecken

entsiegel04.jpg Hier besteht die Oberfläche aus Kies und Splitt mit einer mittleren Körnung. Aufgebracht werden Kies- und Splittdecken auf einem durchlässigen Unterbau. Gartenbesitzer mit kleinen Kindern sollten auf die scharfkantigen und Splittdecken verzichten, da man sich bei einem Sturz leicht verletzen kann. Alternativ können runde Flußkiesel ausgebracht werden. Kies- und Splittdecken eignen sich für Stellplätze, Zufahrten und Gartenwege. Die Regenversickerungsleistung dieser wassergebundenen Decken liegt bei 50 bis 60 Prozent.
 

Schotterrasen

entsiegel05.jpg Beim Schotterrasen wird Rasen in ein Gemisch aus Humus, Sand und Schotter eingesät. Dadurch ist diese Fläche strapazierfähiger, als ein normaler Rasen. Er ist für nicht allzu häufig befahrene Zufahrten und Stellplätze sowie für Gartenwege geeignet. Die Versickerungsleistung von Schotterrasen beträgt zwischen 70 und 100 Prozent.
 

Rasenfugenpflaster

entsiegel06.jpg Rasenfugenpflaster wird aus Pflastersteinen mit 1-2 cm breiten Fugen verlegt. Die Fugen werden mit Muttererde verfüllt und mit Rasen besät. Der mit Gras und Pflanzen bewachsene Fugenanteil beträgt bis zu 35 Prozent. Etwa 50 Prozent des Regenwassers versickert bei Rasenfugenpflaster in den Untergrund. Verwendet werden die Pflaster für Gehwege, Stellflächen, Parkplätze und stärker frequentierte Fahrwege.
 

Splittfugenpflaster

entsiegel07.jpg Das Splittfugenpflaster funktioniert so ähnlich wie das Rasenfugenpflaster. Es besteht aus Pflastersteinen mit schmalen Zwischenräumen. Die Fugen werden mit Splitt oder Kies verfüllt. Verwendung findet das Pflaster für Gehwege, Parkplätze, Stellflächen und stärker frequentierte Fahrwege. Die Versickerungsleistung beträgt etwa 50 Prozent.
 

Rindenmulch

entsiegel08.jpg Rindenmulch bzw. Rindenschrot ist zerkleinerte Baumrinde. Dieser weiche, sehr natürliche und zudem nach Holz duftende Bodenbelag ist nur für Gartenwege geeignet. Die Wege sollten wenige Zentimeter höher als die angrenzenden Rasenflächen und Beete angelegt werden, damit das Wasser ablaufen kann. Zur Mitte hin sollte der Weg leicht erhöht sein, so trocknet er nach einem Regen schneller ab. Die Regenwasserversickerung ist auf Rindenmulchflächen sehr gut, sie beträgt zwischen 80 und 90 Prozent.