Gott gab uns die Nüsse; aber er knackt sie nicht auf - so heißt es in einem Sprichwort. In dieser Satire gerade jetzt zur Weihnachtszeit berichtet unser Autor über eine besonders gelungene Eigenproduktion einer Walnuss-Aufbewahrungskiste. Wie nicht gerade selten, ist wieder einmal der Herr Schwiegersohn derjenige, über den Spott und Hohn ausgegossen wird.
Die Walnuss-Aufbewahrungskiste der Marke Eigenbau
Der eine ist mit einer Schwiegermutter gestraft, ich mit einem Schwiegersohn im öffentlichen Dienst. Der hat zwei linke Hände, ist aber von dem Glauben beseelt, ein geschickter Heimwerker zu sein. Und als solcher hat er sich daran gemacht, eine Art Kartoffelkiste zu bauen, nur viel kleiner und nicht für Kartoffeln, sondern für Nüsse. In seinem Garten steht ein Nussbaum und dessen Früchte müssen, wie er mir erklärt hat, "ordentlich" aufbewahrt werden.
Was soll der Quatsch, werden Sie fragen. Habe ich mich auch gefragt. Aber mein Herr Schwiegersohn hat es mir des Langen und Breiten erklärt: "Die Nüsse sind ja alle feucht oder nass, wenn ich Sie auf der Wiese einsammele. Werfe ich Sie in einen Eimer oder einen Sack, schimmeln sie, weil die seitliche Belüftung fehlt!"
So so, seitliche Belüftung, dass ich nicht lache. Jedenfalls hat er im Schweiße seines Angesichts eine kubusförmige Kiste aus lauter Stäben gebaut. Mit Zwischenraum zwischen den Stäben. Wegen der seitlichen Belüftung. Den Zwischenraum hat er genau ausgemessen - etwas weniger, als der Durchmesser einer durchschnittlichen Nuss.
Die Walnuss-Aufbewahrungskiste ist ihm einigermaßen gelungen. Das Dumme ist nur, dass seine Walnüsse in diesem Jahr mickriger ausgefallen sind - sie fallen durch den Zwischenraum. Nicht alle, aber viele. Und wenn sie fallen, dann rollen sie auf dem Fußboden. Und wenn sie rollen, dann tritt man drauf. Meine Tochter hat eine Nuss zertreten. Das gab einen hässlichen Fleck auf dem hellen Hochflorteppich. Und ein ziemliches Gezeter.
Ich werde dazu beitragen, den Frieden in der Ehe meiner Tochter mit diesem Rindvieh wieder herzustellen. Ich bin dabei, einen Papageienkäfig vom Flohmarkt zu säubern und mit silbernem Metalllack aus der Spraydose zu veredeln. Den bekommt mein Schwiegersohn zu Weihnachten. "Und wo ist der Papagei?", wird er als erstes fragen.
Und ich werde ihm mit ernster Miene mitteilen: "Dieses ist kein Vogelkäfig, sondern ein Walnuss-Aufbewahrungskäfig!"
Wie ich ihn kenne, wird er rot anlaufen und nach Luft schnappen. Ich werde ihm keine Gelegenheit geben, mich anzubrüllen. Ich werde ihn anlächeln und ihm sagen: "Eine bessere seitliche Walnuss-Belüftung ist gar nicht möglich!"
Auf diese Bescherung freut sich schon heute Ihr
Wolfram Dübbel |