Sichtschutz wird immer wichtiger. Keiner will seinem Nachbar zeigen, was er so alles hat. Ob es nun die neue blutjunge Freundin beim Sonnenbad ist, Papas Gartenzwergsammlung oder aber Muttis Perlenkollier - entweder eine Hecke oder ein Holzzaun halten neugierige Blicke ab. Warum aber jetzt Gabionenzäune der neueste Renner sind, erklärt uns diesmal unser Redakteur aus seinem zwischennachbarschaftlichen Fundus.
Es geht nichts über eine Gabionenzaun
Der Holzzaun hat es schwer. Und der Maschendrahtzaun sowieso. Er wird verdrängt vom Gabionenzaun. "Wat sull dat dann sinn?", hat sich mein Nachbarn Jupp Drietenberg erkundigt, als Mattes (Matthias) Köhnen, ein anderer Hausbesitzer auf unserer Straße, rechteckige Drahtkörbe einbetoniert hat, die er dann mit dicken Flußsteinen verfüllen ließ.
Besagter Mattes hat dann dem Jupp in bestem Rheinisch die Sache erklärt: "Dat es sujätt (so etwas) wie en Müer (Mauer), ävver (aber) us Droht!" Ich will seinen Kommentar jetzt doch lieber auf Hochdeutsch fortsetzen: "Mein Holzzaun ist mir schon zweimal umgefahren worden, weil in der spitzen Kurve an meinem Eckgrundstück die Autos ins Schleudern kommen. Und zweimal sind die Kerle einfach abgehauen!"
Damit ihm das nicht noch mal passiert, hat er einen Gabionenzaun angelegt. Ein Meter sechzig hoch, 20 cm breit und alles schön verfüllt mit dicken Steinen. "Der Zaun ist tonnenschwer!", hat er gesagt. "Wer dagegen fährt, kann sich gleich ein neues Auto kaufen!"
Mattes hat nicht die wahre Freude an seinem Gabionenzaun. Denn zwei Rüden aus der Nachbarschaft haben den Zaun als Pinkelwand schätzen gelernt.
Immerhin hat Mattes jetzt ein funkelnagelneues Auto. Er ist in der spitzen Kurve vor seinem Grundstück auf feuchtem Herbstlaub ins Schleudern geraten. Und gegen seinen eigenen Gabionenzaun gedonnert. Der hat den Aufprall gut überstanden. Die Steine sehen aus wie neu. Das Auto nicht.
Wie hat es Mattes doch so schön seinem Nachbarn erklärt: "Wer dagegen fährt, kann sich gleich ein neues Auto kaufen!"
Wie wahr!
Wolfram Dübbel |