Bei der Verarbeitung von Gipskartonplatten (z.B. von Rigips) entstehen an den Plattenstößen immer Fugen. Beim Trockenbau-Handwerker gilt die ordnungsgemäße
Verspachtelung dieser Fugen als krönender Abschluss und Handschrift seiner Arbeit. Aber auch der Selbermacher sollte darauf achten, dass die Fugen richtig verspachtelt sind,
denn falsch ausgeführte Spachtel arbeiten können bei den Folgearbeiten wie Tapeten, Anstrichen oder Putzen zu Schäden in Form von Rissen führen und die optische Qualität der geleisteten Arbeit negativ beeinflussen.
Wichtigster Grundsatz sollte daher sein: Die Verspachtelung der Fugen nur mit den dafür vorgesehenen Fugenspachteln von Rigips durchführen. Niemals Ansetzbinder, Haftputz oder andere Materialien verwenden.
Nur entsprechend abgestimmte Fugenspachtel garantieren eine rissfreie und dauerhaft glatte Verbindung der verarbeiteten Gipsplatten.
Die Rigips Fugenspachtel sind auf die jeweiligen Plattentypen abgestimmt und garantieren eine sichere Verspachtelung auch ohne Bewehrungsstreifen.
Wichtig für die richtige Verspachtelung der eingesetzten Gipsplatten ist die Ausbildung der Plattenkante.
Für jeden Plattentyp der richtige Fugenspachtel
* für höchste Ansprüche in Profi-Qualität
** nur in Verbindung mit Rigips Glasfaserbewehrungsstreifen
Die Längskanten dieser Rigips-Platten sind so ausgebildet, dass sie mit dem entsprechenden Fugenspachtel ohne einen Bewehrungsstreifen verspachtelt werden können und trotzdem die geforderte Fugensicherheit erreichen. Quer- und Schnittkanten müssen dabei angefast sein.
Alle Rigips-Platten werden auf Stoß verlegt.
Offene Schnittkanten, die beim Einpassen der Rigips-Platten entstehen bzw. nicht angefaste Plattenquerkanten müssen vor der Verspachtelung mit einem
Klingenmesser gleichmäßig angefast werden. Unsere Empfehlung hierzu:
Durch den Einsatz des VARIO Kantenhobels wird eine gleichmäßige Spachtelfuge erzielt.
Um eine Fuge dauerhaft und sicher zu verspachteln, sind drei Arbeitsschritte nötig.
1. Anrühren:
Das Anrühren der Spachtelmasse hat einen großen Einfluss auf das spätere Verhalten bei der Verarbeitung.
- Zum Anrühren grundsätzlich nur saubere Gefäße und sauberes Leitungswasser verwenden.
- Nur soviel Spachtelmasse anrühren, wie auch innerhalb der angegebenen Verarbeitungszeit verarbeitet werden kann.
- Wenn Sie zum ersten Mal spachteln, sollten Sie max. 2,5 kg Spachtelmasse anrühren, um festzustellen, wie der Spachtelvorgang verläuft.
- Bei komplizierten Spachtelflächen sollte zunächst ebenfalls weniger Spachtelmasse angerührt werden.
Das Einstreuen des Trockenmaterials in das Wasser erfolgt solange locker per Hand oder aus dem Beutel, bis sich auf der Oberfläche kleine Pulverinseln bilden. Hierdurch wird die Entstehung von Klumpen vermieden und die richtige Konsistenz erreicht. Zu steif angesetzte Masse kann mit Wasser verdünnt werden. Nachstreuen kann zu Klumpenbildung führen.
Tipp: Die Konsistenz des angerührten Fugenspachtels sollte so sein, dass das Material bei umgedrehter Kelle nicht abrutscht.
2. Vorspachteln:
Nach dem Anrühren des Fugenspachtels kann mit dem ersten Spachtelgang, dem Vorspachteln der Fugen, begonnen werden. Um eine vollständige Verfüllung der Fuge zu gewährleisten, wird der Fugenspachtel mit der Glättekelle unter leichtem Druck in die Fuge eingebracht. Anschließend wird die Spachtelmasse in möglichst langen Zügen von oben nach unten oder umgekehrt glatt abgezogen.
Hierdurch werden unnötige Spachtelansätze bzw. Spachtelgrate vermieden.
- Um höchste Fugenfestigkeiten zu erreichen, sind die offenen Kanten vorher mit einem leicht feuchten Pinsel von Gips- und Baustaub zu befreien.
- Beim Vorspachteln sollten immer zuerst die Querfugen verspachtelt werden.
- Erst quer zur Fuge füllen, dann parallel zur Fuge abziehen.
3. Nachspachteln:
Die Nachspachtelung erfolgt sobald das Vorspachteln beendet und das Material
erhärtet ist. Um eine übergangslose, glatte Fläche zu erhalten, sind vor
Beginn der Nachspachtelung evtl. vorhandene Spachtelgrate abzustoßen.
Zum Nachspachteln kann der gleiche Fugenspachtel eingesetzt werden wie für die Vorspachtelung. Er kann in einer etwas dünneren Konsistenz angerührt werden, um das sog. Ausziehen zu erleichtern. Alternativ kann auch die gebrauchsfertige
Spachtelmasse Rigiplast verwendet werden. Der Fugenspachtel wird dann ebenfalls in möglichst langen gleichmäßigen Zügen mit der Glättekelle auf die vorgespachtelte
Fuge aufgetragen. Die Spachtelfläche sollte zu einem planebenen Übergang mit der Platte ausgezogen werden. Nach dem vollständigen Aushärten der Nachverspachtelung können evtl. entstandene Unebenheiten oder Grate geschliffen
werden, um eine planebene Oberfläche zu erhalten.
Achtung: Den Plattenkarton nicht anschleifen!
Verspachtelung von Innen- und Außenecken
Neben der Verspachtelung der Fugen auf der ebenen Wand oder einer Dachschräge, gibt es auch Spachtelpunkte,
die im Bereich von Ecken oder Anschlüssen an andere Bauteile liegen.
Eckanschlüsse Längskante an Längskante (kartonummantelt)*
Bei Inneneckanschlüssen werden die Längskanten der Rigips-Platten ohne Fugenabstand fest aneinander (stumpf) gestoßen und dann verspachtelt.
Eckanschlüsse bei geschnittenen Kanten*
Hier werden die Platten-Kanten nicht angefast, sondern mit einem Fugenabstand von ca. 5 mm verlegt.
Diese Fuge wird an schließend mit Fugenspachtel ausgedrückt und glattgezogen.
Eckanschlüsse an Mauerwerk, Putz, Beton etc.*
Beim Anschluss einer Gipsplatte an Putz oder Beton sollte zwischen Plattenkante und Wand ein selbstklebendes Malerband (Kreppband) geklebt werden, das für eine Trennung der unterschiedlichen Materialien sorgt.
Der sichtbare Teil des Klebestreifens wird nach der Verspachtelung entfernt.
Wand-Außenecken mit Kantenschutzprofil
Bei stärker beanspruchten vorspringenden Wandecken wird zweckmäßigerweise ein Kantenschutzprofil eingespachtelt.
* Bei Einsatz des SUPER Fugenfüllers muss immer ein Rigips Glasfaserbewehrungsstreifen verwendet werden.
Dieser muss im Gipsbett eingebettet und stumpf gegen die andere Platte bzw. das andere Bauteil geführt werden.
Diese Grundregeln sollten bei der Fugenverspachtelung beachtet werden:
- Bei erhöhter Luftfeuchtigkeit wird nicht nur die Trocknung der Spachtelmasse verzögert, es können auch Fugenquellungen entstehen, d.h. vor der Verspachtelung auf die Luftfeuchtigkeit achten und z. B. noch anstehende Putz- oder Estricharbeiten vorher abschließen und trocknen lassen.
- Bereits eingebaute Platten, die durch Wetter- oder Baueinflüsse feucht geworden sind, dürfen erst nach dem vollständigen Austrocknen verspachtelt werden.
- Starke Wärmeeinwirkung kann zu Fugenrissen führen, deshalb sollte z. B. Gussasphalt in jedem Fall vor der Verspachtelung eingebracht werden.
- Werden Räume im Winter schockartig aufgeheizt, kann es zu Längenveränderungen der Platten und damit zu Spannungsrissen kommen.
- Bei Temperaturen unter 5 °C (Raum- und Plattentemperatur) oder Frost dürfen keine Spachtelarbeiten ausgeführt werden.
- Werden Rigips-Platten im Trockenputzverfahren mit Ansetzbinder angebracht, darf ebenfalls nicht sofort verspachtelt werden. Das völlige Austrocknen des Binders muss abgewartet werden, um Spannungen und dadurch entstehende Risse zu vermeiden.