Die jährliche Energieabrechnung treibt immer noch vielen Hausbesitzern die Schweißperlen auf die Stirn. Denn noch immer sind viele ältere Häuser unzureichend gedämmt, was zu Heizkostenabrechnungen führt, mit denen man locker einen Urlaub in der Karibik finanzieren könnte. Wie schön wäre es da, unabhängig von Öl und Gas zu sein. Schließlich zeichneten sich diese Brennstoffe in den vergangenen Jahren vor allem dadurch aus, dass sie stets teurer wurden. Die Lösung gibt es schon längst in Form eines Passivhauses. „Passiv“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der überwiegende Teil des Wärmebedarfs aus passiven Quellen gedeckt wird. Als da wären Sonneneinstrahlung oder Abwärme von Personen oder technischen Geräten. Ein Passivhaus benötigt also keine klassische Heizung. Dafür muss es besonders gut gedämmt sein und über eine Lüftungsanlage verfügen. Das Lüften über das offene Fenster ist damit vorbei, das würde viel zu viel Energie kosten. Die Energieeinsparung beim Heizen beträgt beim Passivhaus über 80 % gegenüber den gesetzlich vorgeschriebenen Neubau-Standards (Niedrigenergiehaus). Umgerechnet in Heizöl kommt ein Passivhaus im Jahr mit weniger als 1,5 l pro Quadratmeter aus. Die Heizkosten betragen nur 10 bis 25 € pro Monat - hohe Energiepreise machen also den Passivhausbewohnern nichts aus.
Foto: Passivhaus aus KS-Steinen
Passivhaus als Energiestandard
Das Passivhaus ist ein Energiestandard für Gebäude, hier die genaue Definition: "Ein Passivhaus ist ein Gebäude, in welchem die thermische Behaglichkeit (ISO 7730) allein durch Nachheizen oder Nachkühlen des Frischluftvolumenstroms, der für ausreichende Luftqualität (DIN 1946) erforderlich ist, gewährleistet werden kann - ohne dazu zusätzlich Umluft zu verwenden."
Übersetzt bedeutet das, dass ein Passivhaus ein Gebäude ist, in dem eine behagliche Temperatur sowohl im Winter als auch im Sommer ohne separates Heiz- bzw. Klimatisierungssystem zu erreichen ist. Das Passivhaus bietet erhöhten Wohnkomfort bei einem Heizwärmebedarf von weniger als 15 kWh/(m²a) und einen Primärenergiebedarf einschließlich Warmwasser und Haushaltsstrom von unter 120 kWh/(m²a). Diese Werte erreicht ein Passivhaus nur durch seine beiden Grundprinzipien: Wärmeverluste vermeiden und freie Wärmegewinne optimieren.
Funktionsprinzip eines Passivhauses
Grundsätzlich muss gesagt werden, dass ein Passivhaus nicht an eine bestimmte Bauweise gebunden ist. Es gibt Passivhäuser, die als Fertighaus oder Holzhaus, aber auch als Massivhaus konzipiert sind. Selbst Umbauten und Sanierungen wurden bereits in Passivbauweise realisiert. Eine kompakte Bauweise ist bei einem Passivhaus jedoch unabdingbar, um Wärmeverluste zu minimieren. Dazu gehören natürlich auch eine sehr gut gedämmte Gebäude-hülle (Außenwände, Dach, Kellerwände und Fundamente) mit Dämmstärken zwischen 25 und 40 cm und Fenster mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung. Zwar besitzen solche Fenster immer noch einen schlechteren Wärmedämmwert, als eine gut gedämmte Wand auf, doch ein wenig verschattetes Südfenster gleicht dieses Manko durch höhere solare Gewinne im Winter aus. Es gibt inzwischen auch spezielle Fensterkonstruktionen für Passiv-häuser. Diese bestehen zum Beispiel aus zwei hintereinander liegenden Fensterflügeln, die über eine noch bessere Wärmedämmung verfügen. Um Wärmebrücken im Rollladenbereich zu vermeiden, werden Sonnenschutzrollos im Zwischenraum zwischen beiden Flügeln integriert.
Neben einer guten Wärmedämmung, die es bei den EUROBAUSTOFF-Händlern zu kaufen gibt, ist die weitestgehende Vermeidung von Wärmebrücken wesentlicher Bestandteil eines jeden Passivhauses. Bei der Verringerung der Wärmeverluste helfen die folgenden vier Regeln:
- Vermeidungsregel: Wo möglich, die dämmende Hülle nicht durchbrechen.
- Durchstoßungsregel: Wenn eine unterbrochene Dämmschicht unvermeidbar ist, sollte der Wärmedurchgangswiderstand in der Dämmebene möglichst hoch sein; also z. B. Porenbeton oder noch besser Holz statt Normalbeton oder Kalksandstein verwenden.
- Anschlussregel: Dämmlagen an Bauteilanschlüssen lückenlos ineinander überführen. Die Dämmlagen in der vollen Fläche anschließen.
- Geometrieregel: Kanten mit möglichst stumpfen Winkeln wählen.
Werden sämtliche Details den genannten Grundregeln entsprechend ausgeführt, so
treten i. a. nur noch sehr kleine Wärmebrückenverluste auf. Dann kann man die thermische Hülle als „wärmebrückenfrei“ bezeichnen.
Für frische Luft im Passivhaus sorgt eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Wärmerückgewinnung bedeutet, dass die Wärme aus der Umluft dazu genutzt wird, die kalte Zuluft von draußen zu erwärmen. So wird z.B. bei 0°C Außentemperatur die kalte Frischluft allein durch die 20°C warme Abluft auf mindestens 16°C erwärmt. Die Frischluft kann über einen Erdwärmetauscher in das Haus geführt werden. Selbst an kalten Tagen wird die Luft so bis auf eine Temperatur von über 5°C vorerwärmt. Dies ist eine sinnvolle Option, aber nicht unbedingt bei jedem Passivhaus erforderlich. Die Lüftung erfolgt folgendermaßen: In Aufenthalts- und Schlafräumen wird frische Luft zugeführt und in Räumen mit erhöhter Luftbelastung abgesaugt. Zu letzteren zählen hauptsächlich Küche, Bad und WC, wo Feuchte und Gerüche entstehen. Zwischen diesen Bereichen liegen sogenannte Überströmzonen, zu denen und in denen für ausreichende Luftströmung gesorgt sein muss.
Die sehr geringe Heizlast eines Passivhauses erlaubt eine Beheizung ausschließlich über die Lüftungsanlage. Eine direkt integrierte Wärmepumpe, ein elektrisches Nachheizregister oder ein Wasser-Luft-Wärmeübertrager sorgen häufig für die benötigte Wärme. Auf ein separates Heizsystem kann verzichtet werden. Als Beispiel: Für einen 20 m² großen Raum beträgt die Heizlast an den kältesten Wintertagen 200 W. Das entspricht der Leistung von zwei 100 Watt-Glühbirnen. Den größeren Anteil am Energiebedarf eines Passivhauses hat daher die Bereitstellung von Warmwasser. Mit Solarkollektoren oder auch mit Wärmepumpen wird die Energie für die Warmwasserversorgung gewonnen. Durch den Einsatz von Wärmepumpen wird der Stromverbrauch insgesamt höher, doch dafür fallen keine gesonderten Heizungskosten an.
Schnittgrafik: proKlima Hannover © Passivhaus Institut
|
|