Wer kennt sie nicht, die viereckigen Kastenbetten, deren Ecken spitz in die Gegend ragen und die sich schon in mancher Hochzeitsnacht als schmerzhaftes Element erwiesen haben. In mitteleuropäischen Hotels sind solche Ecken abgerundet - wenn man sich dran stößt, dann nicht so schmerzhaft. In osteuropäischen Ländern herrscht allerdings noch das scharfkantige Kastenbett vor. Unser Autor weiß davon ein Lied zu singen - aber er hat auch für Abhilfe gesorgt.
Die Manikürfeile als Heimwerker-Instrument
In Jurmala an der lettischen Sandküste liegt das Fünf-Sterne-Hotel "Baltic Beach". Hier urlauben vor allem Russen, die auch am Wochenende anreisen, um Seeluft zu genießen. Es sei ihnen gegönnt.
In diese Russen-Hochburg traut sich sonst fast keiner rein - außer mir natürlich. Die Russen haben mich nicht gestört, ich sie auch nicht. Was mich aber gestört hat, das war das Kastenbett aus massivem Holz. Das Bett als solches war in Ordnung, aber die spitzen Kanten hatten schon nach drei Tagen sechs schmerzhafte Beulen an meinen edlen Schienbeinen verursacht.
Der Hotelchef zuckte die Achseln. War schon immer scharfkantig. Bleibt scharfkantig. Runde Ecke sind was für verweichlichte Westler, dachte er wohl.
Ich habe aber nicht gedacht, sondern gehandelt. Denn im Bad lag eine Nagelfeile aus Hartkarton bereit. Und damit habe ich die Ecken rund gefeilt. Das glauben Sie nicht? Dann quartieren Sie sich mal im Zimmer 418 ein und sie werden sehen, was ein Heimwerker mit einer Nagelfeile zu schaffen vermag.
Ich war solo in dem Zimmer. Also hätte ich nur eine Kante des Doppelbetts abzuschleifen brauchen. Aber wenn schon, denn schon. Und wer weiß, ob sich nicht in die andere Hälfte meines Doppelbetts eine hübsche Russin verirrt, die gleich wieder verschwindet, wenn sie sich das Beinchen aufgeschlagen hat?
Im Doppelzimmer neben mir schnarchte tief und fest ein gewisser Tolja, dessen Frau Lilja sich die Hochzeitsnacht wohl auch etwas anders vorgestellt hatte. Ja ja, der Wodka, der haut irgendwann auch den stärksten Russen von den Beinen.
Ich habe um Mitternacht von Balkon zu Balkon noch ein anregendes Gespräch mit Lilja geführt, die einigermaßen Englisch sprach. Ich habe ihr angeboten, den Part des Ehemanns zu übernehmen, damit es doch noch eine Hochzeitsnacht wird. Ich habe ihr mein Doppelbett mit den abgerundeten Bettkanten wärmstens empfohlen.
Bitte fragen Sie nicht weiter! Meine Ehefrau hält zwar nichts von meinen Satiren, aber ausgerechnet diese könnte sie zufälligerweise ja mal lesen.
Wolfram Dübbel |