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Die Satire des Monats Juli 2008 in unserem Online-Baumarkt

Die Zeiten sind schlecht. Auch für die Sargtischler. Immer mehr Verstorbene werden eingeäschert und in einer Urne bestattet oder die Asche wird auf dem offenen Meer ausgestreut. Zu einem Sarg gehören aber auch Griffe. Was tun, wenn ein Sargbeschlagfabrikant pleite geht und der Insolvenzverwalter auf über 4.000 Sarggriffen sitzen bleibt, die keiner haben will?

Wie man alte englische Türdrücker an den Mann bringt

Mein Schulfreund Clemens handelt mit allem. Und als sich ihm die Gelegenheit bot, aus der Insolvenzmasse eines pleite gegangenen Sargbeschlagherstellers 4.000 Messing-Sarggriffe günstig zu erwerben, schlug er zu. Nur 4,24 € für einen solchen Griff, der normalerweise um die 17 € kostet, das ist doch wahrhaftig ein Schnäppchen.

Clemens war in der Schule immer schläfrig. Als er aber nach mühsam bestandenem Abitur in die freie Wirtschaft einstieg, wurde er hellwach. Er begann mit einem Kleinhandel von Fahrrad-Ersatzteilen in der elterlichen Garage. Dann verlegte er sich auf Gartenschläuche. Wer einen 30-m-Schlauch abnahm, bekam noch 10 m gratis dazu.

Mein Schulfreund konnte sich nicht halten vor lachen: „Da kaufen Leute, deren Garten gerade mal zwanzig Meter lang ist, einen Schlauch von dreißig Meter, nur weil es zehn Meter gratis dazu gibt.“

So ging es mit Clemens bergauf. Immer hat er was zu verkaufen gehabt. Wie bei den Sarggriffen. Die hat er aber keineswegs an Sargtischler verkauft, denn „die stecken alle in der Klemme!“

Unser gemeinsamer Klassenkamerad Manni, der Chemiker geworden ist, hat ihm eine Brühe angemischt. Und in diese Brühe kamen die goldglänzenden Sarggriffe. Und als sie aus der Brühe kamen, da hatten sie irgendwie eine antike Patina.

Um es kurz zu machen: Clemens hat die Sarggriffe als antike englische Türdrücker verkauft. Über ebay. Und im Spezialhandel für antike Bauteile. Stück für 38 €, bei Abnahme von vier Stück mit zehn Prozent Rabatt.

Besonders stolz ist Clemens darauf, dass er dem Konkursverwalter einen alten englischen Türdrücker verkaufen konnte. Für 123,70 € incl. Montage an die hochherrschaftliche Haustür.

„Der hat nicht die leiseste Ahnung, dass er einen Sarggriff an der Tür hat, den er mir für 4,24 € verkauft hat.“

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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