Ist die Feststellung "Dein Reibeisen braucht mehr Hiebe" eine Beleidigung oder nur eine Tatsachenfeststellung über den Feinheitsgrad eines der Holzbearbeitung dienenden Werkzeugs?
Wie viele Hiebe braucht ein Reibeisen?
Vor dem Schiedsmann von Prengelskirchen erschienen die Eheleute Berta und Heinz Heppich sowie Herr Martin Scheulen, der von dem Ehepaar wegen Beleidigung angezeigt worden war.
Die Eheleute verlangten a) eine Geldbuße und b) eine schriftliche Entschuldigung, weil Herr Scheulen die Haus- und Ehefrau Berta Heppich erstens beleidigt habe, indem er sie als Reibeisen bezeichnet habe. Und zweitens verlangten sie ein Schmerzensgeld, weil Herr Scheulen dem Ehemann Heinz Heppich auch noch nahegelegt habe, "dass Dein Reibeisen ein paar Hiebe mehr gut gebrauchen kann", was eindeutig als Aufforderung zur Gewaltanwendung des Ehemannes Heinz zum Nachteil der Ehefrau Berta verstanden werden müsse.
Der Beschuldigte Martin Scheulen hingegen entgegnete, er habe keineswegs die Frau Berta Heppich als Reibeisen bezeichnet, sondern nur ganz allgemein von einem Reibeisen gesprochen und jenes aus der Werkstatt des Herrn Heppich gemeint, dessen Hiebe zu weit auseinanderstünden, so dass man damit keine feinen Raspelarbeiten erledigen könne. Denn "Hiebe", das sei nun einmal die Fachbezeichnung für die "Zähne" eines Reibeisens bzw. einer Raspel.
Besagte Erklärung brachte die Ehefrau Berta Heppich so in Wallung, dass sie ausrief: "Der krumme Hund will mich hier vergackeiern!"
Als der mit einem krummen Hund verglichene Herr Scheulen nun seinerseits verlangte, gegen Frau Berta müsse eine Strafe wegen Beleidigung verhängt werden, stürzte sich diese auf den "krummen Hund", um ihm das Toupet vom Kopf zu reißen, mit dem Herr Scheulen seine Glatze zu kaschieren pflegt. Dieser geriet daraufhin derart außer Rand und Band, dass er der Frau Heppich eine schallende Ohrfeige verpaßte.
In dem nun folgenden Handgemenge biß Frau Heppich Herrn Scheulen in die Hand, der daraufhin um sich trat und den Schiedsmann im Schritt traf, der ein lautes Geheul anstimmte, was den bisher eher still dabei sitzenden Ehemann Heinz Heppich aus seiner Lethargie dergestalt aufrüttelte, dass er um sich schlug und dem Schiedsmann einen Leberhaken verabreichte.
Die herbei gerufene Polizei vermochte zwar die körperliche Auseinandersetzung zu schlichten, brütet aber derzeit über der Frage, ob Hiebe in einem Reibeisen eine Beleidigung darstellen oder nicht.
Wolfram Dübbel |