Das hat unser Autor nun davon, dass er sich wegen seiner Französischkenntnisse so gebrüstet hat. Auf der Baumesse in Rennes in der Bretagne sollte er am Aufbau des baumarkt.de-Standes helfen und im übrigen französischen Messebesuchern in der Landessprache Rede und Antwort stehen. Was er da erlebt hat, könnte aus einem Film von Mr. Bean stammen.
Die verdammte französische Mehrfachsteckdose
Ich kann ja sehr leicht beweisen, dass ich in Französisch immer - ich betone: immer! - eine Zwei hatte. Mir steckt eben die französische Lebensart irgendwie im Blut, was mir im Laufe meines langen Lebens auch die eine oder andere Dame bestätigt hat, obwohl sich mein Vorname auf Französisch etwas merkwürdig anhört: "wölfroooh", das "oooh" sehr nasal ausgesprochen.
Dass mein Chef die Idee hatte, seinen baumarkt.de auf einer Fachmesse in Frankreich zu präsentieren, war an sich nicht schlecht. Ich betone: an sich! Da aber das Team, dass für den Aufbau verantwortlich war, keine Steckdosenleiste mitgenommen hatte, lag unser Messestand weitgehend im Dunkeln. Um PC, Beamer, Drucker und die Leuchtreklame anzuschließen, braucht man eben nicht nur einen Stromzugang, sondern naturgemäß für jeden "Verbraucher" einen eigenen, wobei der Elektriker unter einem Verbraucher jede Einrichtung versteht, die Strom verbraucht.
Tja, und so richteten sich alle Blicke auf mich: "Herr Dübbel, nun sausen Sie mal los und besorgen uns irgendwo eine Steckdosenleiste!"
Nun hat man mir zwar in der Schule beigebracht, Texte von Maupassant zu übersetzen, aber in keiner Novelle kam ein Stecker, geschweige denn eine Steckdosenleiste vor. Napoleon schrieb tausende Briefe, aber über Stecker hat er sich nicht ausgelassen, dieser Mistkerl.
Mein Taschenlexikon kannte zwar Worte wie "Tannenzapfen" oder "Fußgängerzone", aber eben keine Steckdosenleiste. Der Kollege vom Nachbarstand war aber hilfreich: Er erkannte das Problem und schrieb mir auf: "plaque à gateaux". Und so sauste ich morgens um 8.30 Uhr durch Rennes auf der Suche nach einem Geschäft für Elektrobedarf. Aber mit der Elektrizität haben es die Franzosen nicht so, jedenfalls nicht vor 9.00 Uhr.
Ich will es kurz machen: Ich bin in mehrere Geschäfte gestürmt. Man hat mich angeblickt wie einen Irrsinnigen. In einem Haushaltswarenhandel hat man mir mit freudigem Gesicht ein .... Kuchenblech übergeben. Und da schwante es mir: Der Kollege vom Nachbarstand hatte mich angeschmiert.
Er hätte aufschreiben müssen "prise multiple", was soviel heißt wie Mehrfachstecker. Stattdessen hat er "plaque à gateaux" (= Kuchenblech) zu Papier und mich an den Rand des Wahnsinns gebracht. Irgendwie habe ich dann doch noch den "prise multiple" ergattern und gegen 10.15 Uhr unsere Geräte anschließen können.
Was ich mit dem Kollegen vom Nachbarstand gemacht habe? Der gehörte zum Aufbauteam und ist morgens wieder abgerückt. Ich habe ihn nie wieder gesehen und konnte ihm deshalb auch kein Kuchenblech um die Ohren hauen.
Die Stromzufuhr seiner Firma habe ich jedoch heimlich, aber kurz entschlossen kurz geschlossen. Nur zwei kleine Äderchen vertauscht. Da gab es einen "Kurzen" und aus dem Rechner quoll der Rauch.
Die drei Herren auf dem Nachbarstand haben geflucht wie die Gascogner, was zu einer deutlichen Verbesserung meines Repertoires an französischen Schimpfwörtern beigetragen hat. Man lernt eben nie aus.
Wolfram Dübbel |