Heute lesen Sie die Realsatire über einen Herrn Mösecke, der bei einem Bauportal angestellt war und als Angestellter die "Bauplanung" für eine Bretterbunde - von ihm vornehm "Gartenhaus" genannt - gefertigt hatte. Nachdem er die Firma verlassen hatte bzw. verlassen hatte müssen, wollte er für diese Planung über 25.000 € einkassieren. Doch lesen Sie selbst.
Die Bretterbude des Herrn Mösecke
Herr Mösecke war bei einem Bauportal in leitender Funktion angestellt und verstand es, seine Mitarbeiter weniger durch Können, als durch Demagogie zu beeinflussen. Er kopierte ohne Wissen seines Chefs alle Daten seiner Firma und schaffte die CD-Roms zu sich nach Hause - aus "Sicherheitsgründen, wenn es mal in der Firma brennt". Dabei verfügt diese Firma über zwei Tresore, einer davon feuergeschützt.
Mit dem Firmenhandy führte er ausufernde Privatgespräche, im Monat bis 250 € (!) - nachts bis vier Stunden mit einer Fischhändlerin. Seine Ehefrau, vor der er ansonsten einen Heidenschiß hat, muß derweil ahnungslos im Bettchen gelegen haben.
Es ergab sich, dass Herr Mösecke in seinem Garten eine simple rechteckige Bretterbunde aufstellte und die Arbeitsschritte fotografierte. Das diente er seinem Arbeitgeber - eben dem Bauportal - als Selbermacheranleitung an. Und der bezahlte ihm dafür auch noch 3.500 € zusätzlich zum Gehalt. Ein fürstlicher Preis, von seinem Chef gezahlt mehr aus sozialen Gründen. Denn zu allem Überfluß war (und ist) Herr Mösecke pleite wie eine Kirchenmaus.
Irgendwann flog Herr Mösecke aus der Firma. Das passiert gerne genau jenen, die sich für unersetzlich halten.
Und irgendwann kam dem Herrn Mösecke die Idee, aus seiner lächerlichen Bretterbude Kapital zu schlagen. Denn sein Arbeitgeber hatte diese Bauanleitung auch in die Portale von 22 Holzhändlern "geladen", deren Websites von ihm, also dem Bauportal, redaktionell betreut werden.
Schnell fand Herr Mösecke einen Anwalt, der daraufhin serienmäßige Abmahnungen losschickte. Jeder Holzhändler sollte für die angeblich unerlaubte Nutzung 1.050 € zahlen - und der ehemalige Arbeitgeber um die 4.000 €.
Herr Mösecke wollte also für seine Bretterbude, deren Materialwert er selbst als "unter 1.000 DM" ausgerechnet hatte, über 25.000 € kassieren. Das ist ihm nicht gelungen, er selbst hat vor dem Landgericht eine Unterlassenserklärung abgegeben.
Was ist aber nun so besonders satirisch an der Geschichte? Die Satire liegt darin, dass Sie - liebe User - die Herrn Mösecke bewilligte Prozesskostenhilfe aus den auch von Ihnen abgeführten Steuern bezahlen müssen. Denn Herr Mösecke ist nach eigenen Angaben nach wie vor mittellos. Der Staat zahlt also die Gerichts- und Anwaltskosten.
Was aber ist nun aus der Bretterbude geworden? Die dient inzwischen als Hühnerstall. Da lachen ja die Hühner.
Wolfram Dübbel |