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Schornsteinfeger - vom schwarzen Mann zum Energiecoach

Abgasmessung Das Bild vom Schornsteinfeger als Glücksbringer muss inzwischen modifiziert werden. Wurde der Schornstein früher, als die Menschen mit Holz oder Kohle heizten und nicht selten Funken aus dem Kamin flogen, regelmäßig gefegt, so brachte das den Hausbesitzern Glück – die Gefahr, dass ein Haus abbrannte, war geringer, als wenn nicht gekehrt worden wäre. Die Sache stellt sich inzwischen anders dar. Stellen Sie sich vor, Sie müssten bei jedem Tanken noch die Autowäsche mitbezahlen, obwohl nichts gemacht wurde! Genauso geht es vielen Hausbesitzern jedes Jahr beim Besuch des Schornsteinfegers. Weil moderne Heizungsanlagen nicht mehr rußen dürfen und dementsprechend auch kein Ruß mehr anfällt, ist der Kaminkehrer eigentlich überflüssig. Er kommt aber dennoch und misst, wo es nichts zu messen gibt. Dafür lässt er sich natürlich auch kräftig entlohnen.

Der Schornsteinfeger erscheint auch dann zur Abgasmessung und Abgaswegüberprüfung, wenn der Hausbesitzer einen Wartungsvertrag mit einer Fachfirma hat. Von dieser hat er es dann zwar dann Schwarz auf Weiß, dass mit seiner Heizung alles in Ordnung ist. Der „schwarze Mann“ kommt jedoch trotzdem und kassiert ebenfalls. Das alles geschieht sogar mit staatlicher Unterstützung, schließlich gibt es das Kehrmonopol, das im „Dritten Reich“ erlassen worden war. Noch muss man allerdings sagen, denn ab 2013 wird das Kehrmonopol abgeschafft. Auch jetzt ist es bereits möglich, seinen Kamin oder Schornstein von einem "freien" Schornsteinfeger anstelle des „Bezirksschornsteinfegermeisters“ kontrollieren zu lassen. Das muss auch künftig mindestens einmal im Jahr geschehen, doch wird es um einiges günstiger, da dann die freie Marktwirtschaft gilt.

Schornsteinfeger darf künftig frei gewählt werden



Die Zeiten, in denen der Kaminkehrer nach dem Reinigen des Schornsteins rußgeschwärzt vom Dach hinabkletterte, sind sowieso vorbei. Zusätzlich zu ihren traditionellen Aufgaben, der Kontrolle der Feuerstätten und Prüfung der Abgaswerte, erschließen sich die rund 20.000 deutschen Schornsteinfeger derzeit neue Betätigungsfelder. Grund ist das reformierte Schornsteinfegergesetz, das nach einer fünfjährigen Übergangsphase 2013 in Kraft tritt. Dann dürfen Heizungsbetreiber ihren Kaminkehrer frei wählen und Anbieter aus der Nachbarschaft oder dem Ausland anheuern. Mit der Konkurrenz fallen auch die Preise, und Verbraucher zahlen für eine Routinekontrolle schätzungsweise bis zu 30 Prozent weniger. Der Wettbewerb stellt die Branche vor neue Herausforderungen.

Bereits seit Anfang 2009 gilt für Deutschland eine Übergangsfrist. Belgische, polnische oder französische Schornsteinfeger dürfen bereits jetzt ohne eigenen Bezirk als Schornsteinfeger in Deutschland tätig sein. Deutsche Schornsteinfeger brauchen bis 2013 noch einen zugeteilten Bezirk. Trotzdem tummeln sich bereits viele "freie" deutsche Schornsteinfeger rund um die Kamine. Sie lassen sich einfach bei einem Betrieb im EU-Ausland anstellen und dürfen jetzt ihre Dienste frei und überall anbieten. Den Bezirksschornsteinfegern ist dies natürlich ein Dorn im Auge und sie versuchen alles, um ihre Monopolstellung so lange wie möglich zu verteidigen. So ordnen sie beispielsweise an, dass der Kamin nun zweimal im Jahr gefegt werden muss, obwohl bisher nur einmal im Jahr gekehrt wurde. Und das ist nicht einmal verboten, aber für Hausbesitzer und Mieter natürlich sehr ärgerlich, weil dadurch natürlich kein Geld eingespart werden kann. Andere Bezirksschornsteinfeger pfeifen auf die Arbeit ihrer ausländischen Kollegen und steigen dennoch aufs Dach. Und kommen damit sogar durch, weil die zuständige Behörde die zusätzliche Rechnung nicht beanstandet. Es scheint, dass unsere Bezirksschornsteinfeger bis 2013 noch einiges lernen müssen, um im Wettbewerb bestehen zu können.

Weiterbildung zum Energiecoach



Um in einem der 7.800 Kehrbezirke nicht den Anschluss zu verlieren, dürfen Schornsteinfeger laut neuem Gesetz künftig zusätzliche Aufgaben wie etwa die Installation und Wartung von Heizungsanlagen wahrnehmen. Damit kommen sie natürlich mit den Heizungsbauern in Konflikt. Die Zunft hofft, die Zukunft des Kaminkehrers durch Energieberatung zu retten. Nach einer Weiterbildung darf der Mann mit dem Zylinder Vor-Ort-Beratungen anbieten, Heizungs-Checks durchführen und Modernisierungsempfehlungen geben. Ob der Hausbesitzer das goutiert, ist die Frage, haben sich doch schon zehntausende Elektriker, Heizungsbauer und sonstige Personen vom Fach zu Energieberatern ausbilden lassen. Man kann geradezu von einem Modeberuf sprechen.

Einige Schornsteinfeger sind dabei, mit anderen Fachleuten Beratungsnetzwerke zu bilden. Zusammenschlüsse wie zum Beispiel die Energie Effizienz Agentur "Eneffa", die Schornsteinfeger, Handwerksbetriebe und Finanzdienstleister unter ihrem Dach versammelt, bieten Modernisierern maßgeschneiderte Beratung aus einer Hand. Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass sich im Internet zahlreiche Blogs gebildet haben, in denen frustrierte Hausbesitzer gegen die Männer mit den Zylindern rebellieren. Man darf gespannt sein, wie sich die Dinge 2013 entwickeln.
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