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Schallschutz im Wohnungsbau - Warum? Wo? Wie?

Alison Balsom Trompete
Warum brauchen wir Schallschutz?
Wo ist erhöhter Schallschutz nötig?
Wie wird Schallschutz realisiert?
- Schallschutz bei Wänden
- Einschalige Wände
- Zweischalige Wände
- Schallschutz bei Decken
- Luftschallschutz
- Trittschalldämmung
- Körperschalldämmung


Warum brauchen wir Schallschutz in der Wohnung?

Bewohner von Mehrfamilien- oder Reihenhäuser kennen die Probleme. Der Nachbar badet mitten in der Nacht, doch sie wollen lieber schlafen. Geht aber nicht, da der Nachbar mit seiner Gummiente stundenlang im Wasser planscht. Oder der Nachbar über Ihnen reißt seinen Teppich raus und verlegt statt dessen Parkett. Sicherlich für diesen ein schöner Anblick, doch Sie sehen den Boden ja nicht. Sie müssen nur ertragen, wenn die Nachbarin mit ihren Stöckelschuhen immer auf und ab tippelt. Sicherlich hat der Nachbar auch mal etwas Interessantes zu erzählen. Doch hören wollen Sie deshalb noch lange nicht alles, was in der Wohnung nebenan gesagt wird. Das sind nur drei von zahlreichen Gründen, warum auf Schallschutz im Wohnungsbau besonderen Wert gelegt werden sollte. Lärm ist einer der Hauptgründe für unzufriedene Hausbewohner. Häuser mit erhöhtem Schallschutz suggerieren auch einen erhöhten Wohnkomfort. Wo aber ist erhöhter Schallschutz nötig und wie wird er erreicht? Mit diesen Fragen haben wir uns beschäftigt, damit Sie in Zukunft wenigstens zu Hause Ihre Ruhe haben, wenn Sie schon im täglichen Leben Tag für Tag mit Lärm konfrontiert werden.


Wo ist erhöhter Schallschutz in der Wohnung nötig?

Schallschutz ist, einfach gesagt, überall dort nötig, wo Lärm von außen in das Gebäude eindringen kann oder Geräusche innerhalb eines Gebäudes weitergetragen werden. Fachleute sprechen dann von Luftschalldämmung und Körperschalldämmung. Luftschalldämmung ist der Schutz gegen Lärm von außen, während Körperschalldämmung der Schallschutz innerhalb eines Gebäudes ist. Luftschall kommt vor allem durch Wände, Decken, Fenster und Türen in die Wohnung. Körperschall wird durch Rohrleitungen, Trittschall, Waschmaschinen oder ähnlichem übertragen. Die meisten Schallschutzmaßnahmen müssen schon beim Neubau einer Wohnung berücksichtigt werden. Wurde dort geschlampt, ist es manchmal sehr schwierig, diese Mißstände wieder zu beseitigen. Andere Schallschutzmaßnahmen können auch nachträglich vorgenommen werden.


Wie wird Schallschutz in der Wohnung realisiert?

Maßnahmen, die ohne Probleme nachträglich vorgenommen werden können, sind der Einbau von Lärmschutzfenster oder schalldämmende Türen. Auch Rolladen oder schallabweisende Balkonbrüstungen helfen den Lärm zu reduzieren. Der Schallschutz bei Decken und Wänden sollte dagegen schon von vornherein Berücksichtigung finden.


Schallschutz bei Wänden
Der Schallschutz bei Wänden unterteilt sich in die Maßnahmen bei einschaligen Wänden und in die Maßnahmen bei zweischaligen Wänden.

Einschalige Wände
Eine einschalige Wand besteht aus einer Schicht (beispielsweise Beton) oder mehreren Schichten die vollflächig miteinander verbunden sind (verputztes Mauerwerk). Je schwerer diese Wand ist, desto besser ist der Schutz gegen Luftschall. Da die Wände dicht sein müssen (vollfugig, rissefrei, ohne Fehlstellen), sind zum Beispiel gemauerte Wände zu verputzen.


Zweischalige Trennwand
zwischen Reihenhäusern
  Zweischalige Wände

Zweischalige Wände brauchen nicht so schwer wie einschalige Wände sein. Sie bestehen aus zwei einzelnen Schalen, die zum Beispiel dick und biegesteif oder dünn und biegeweich sind. Getrennt werden die beiden Schalen durch eine Luft- oder eine Dämmschicht. Aus zwei biegesteifen Schalen (gemauert oder betoniert) und einer Faserdämmplatte bestehen vor allem die Trennwände von Reihen- oder Geschosswohnhäusern. Die Dämmplatte soll vor allem die Bildung von Schallbrücken verhindern. Von einer Vorsatzschale spricht man, wenn vor einer biegesteifen Schale (z.B. Vollziegelwand) eine biegeweiche Schale (z.B. Gipskartonplatte, wir empfehlen "die Weiße" die von der Firma Rigips angebracht wird). Bestehen beide Schalen aus biegeweichen Materialien wie Gipskarton- oder Holzwolle-Leichtbauplatten, die beispielsweise auf einer Ständerkonstruktion oder Stahlblechprofilen befestigt werden, wird von Leichtbauwänden gesprochen. In diesem Zusammenhang interessieren Sie sich vielleicht auch für unseren Artikel Trennwände aus Gipskartonplatten errichten.



Bei zweischaligen Wänden erfolgt die Schallübertragung sowohl direkt über die beiden Schalen als auch über die angrenzenden Wände und Decken als Schall-Längsleitung. Je leichter die Wände sind, um so größer ist die Längsleitung. Die Schallübertragung erfolgt über den Fußboden, wenn Leichtbauwände auf einen durchgehenden schwimmenden Estrich gestellt werden.



Verbessert wird die Luftschalldämmung zweischaliger Wände, wenn beide Schalen möglichst schwer, aber andererseits auch dünn und biegeweich sind, wie zum Beispiel Gipskartonplatten. Zudem sollte der Abstand zwischen den Ständern und den Schalen möglichst groß sein. Schallschluckende Stoffe, zum Beispiel Mineralwoll sind für Hohlräume vorzuziehen. Die Firma Isover bietet für die Dämmung von Holz- und Metallständerwänden sowie von Vorsatzschalen mit Unterkonstruktion speziell die Produkte Isover Akustic TP1 und TP2 an. Weiterhin wird die Luftschalldämmung verbessert durch die Vermeidung von Schallbrücken. Schallbrücken sind starre Verbindungen zwischen zwei Schalen, wie zum Beispiel Mörtelbrücken, Kanthölzer, Holzleisten, Nägel, Schrauben oder durchgeführte Rohre. Außerdem sollten beide Schalen frei schwingen können, das heißt, sie dürfen nicht eingespannt oder eingekeilt werden. Zudem müssen die Wand-, Decken-, und Fußbodenanschlüsse gut abgedichtet sein.

Vorsatzschale

Leichtbauwände

Schallschutz bei Decken

Umfangreicher als bei Wänden ist der Schallschutz bei Decken, da neben der Luftschalldämmung noch die Körperschalldämmung und dabei insbesondere die Trittschalldämmung hinzukommt.


Luftschallschutz
Bei Massivdecken gelten für die Luftschalldämmung die selben Grundsätze wie bei einschaligen Wänden. Je größer die Masse, desto besser der Schallschutz. Diese Maxime ist jedoch oft schwierig zu realisieren und zudem auch teuer. Deshalb sind andere Systeme gefordert. Das Anbringen einer Unterdecke beispielsweise. Die Unterdecke kann aus Gipskartonplatten, Holzfaserdämmstoffen, verputzter Holzwolle-Leichtbauplatten oder aus Putz auf einem Streckmetall bzw. Putzträger bestehen. Auch ein schwimmender Estrich bringt eine Verbesserung des Luftschallschutzes. Einen Schallschutz bei Decken im Holzbau bieten auch industriell vorgefertigten Holzbauelemente, wie sie beispielsweise die Firma Lignatur aus der Schweiz anbietet. Eine spezielle Technik verhindert dabei die Schallausbreitung und sorgt zudem noch für Wärmedämmung und Schutz vor Feuer.


Trittschalldämmung
Da bei Massivdecken die Trittschalldämmung unzureichend ist, muß ein schwimmender Estrich aufgebracht werden. Wenn Sie dies selbst machen wollen, empfehlen wir Ihnen unseren Artikel Trittschalldämmung unter Estrich verlegen. Auch über die Trittschalldämmung in Altbauten können Sie sich bei uns kundig machen. Allgemeine Informationen über Estriche finden Sie in dem Artikel Estriche-fließend, schwimmend oder trocken?

Eine erhebliche Verschlechterung des Trittschallschutzes tritt ein, wenn Schallbrücken entstehen. Diese treten überall dort auf, wo Rohre, Bodenabläufe, Türzargen oder weitere Stellen eine feste Verbindung zum Estrich haben. Sehr leicht wird der Trittschall auch von Treppenstufen auf die angrenzenden Wände übertragen. Dies kann insbesondere in Mehrfamilienhäusern zu manchem Ärgernis führen. Deshalb müssen die Treppenläufe und gegebenenfalls auch die Treppenpodeste elastisch gelagert werden. Fugen zu Wänden und Decken verhindern Schallbrücken. Insbesondere im Bereich der Wohnungseingangstür sollte eine Fuge ausgebildet sein. Das Schließen der Fugen erfolgt mit einer elastischen Fugendichtmasse.
Körperschalldämmung
Eine Körperschalldämmung ist überall dort vorzunehmen, wo Strömungsgeräusche in Wasser- oder Heizungsleitungen auftreten können oder wo Maschinen Schwingungen als Körperschall an den Fußboden und die Wand weitergeben können. Die Waschmaschine kann beispielsweise auf Schwingfüßen aufgestellt werden. Komplexer ist das Thema einer schallschutztechnisch richtigen Installation. Dabei ist es egal, ob es sich um Trink- und Abwasserinstallation oder um Heizungs- und Lüftungsanlagen handelt. Die Aufgabenstellung bleibt die Gleiche: Akustisch entkoppelte Montage. Akustisch entkoppelte Montage bedeutet die Zwischenschaltung weichfedernder Dämmstoffe und Materialien. Besonders bei der Befestigung von Rohrschellen ist für eine ausreichende Körperschallentkoppelung zu sorgen. Darüber hinaus ist eine lückenlose Dämmung wichtig, die am besten mit vorgefertigten, reißfesten und gepolsterten Formteilen erfolgt.


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