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Altes Fertighaus in Eigenleistung komplett saniert

Zwischen den Fertighäusern "der ersten Stunde", wie sie in den späten 60-er und frühen 70-er Jahren gebaut wurden, und den Fertighäusern, wie sie heute gebaut werden, liegen über 35 Jahre Erfahrung und damit Welten. Fertighäuser aus diesen Perioden sind oft "problembelastet", weil Baustoffe und Holzschutzmittel verwendet wurden, die damals ausdrücklich bauamtlich genehmigt waren, sich später aber als gefährlich herausstellten. Hier berichtet ein engagierter Heimwerker, wie er mit seinem Schwiegervater ein solches Haus in Eigenleistung total saniert hat. Überraschend stellte sich heraus, dass der permanente muffige Geruch keineswegs etwas mit Schadstoffen zu tun hatte, denn dieser Oldtimer war - wie sich herausstellte - im Innenbereich schadstofffrei. Der Geruch hatte vielmehr andere Ursachen.

Verfolgen Sie bitte die Sanierung selbst, doch Achtung, das hier vorgestellte Verfahren stellt die Vorgehensweise eines einzelnen Heimwerkers dar. Sollten Sie ähnliches planen, ist der Gang zum Statiker unbedingt anzuraten. Schließlich wollen Sie ja, dass ihr Haus die Belastung durch die zusätzlichen Mauern auch tragen kann.

Sanierung der Fertighaus-Fassade



Mit der Sanierung begonnen hat Thomas Schmidt bei der Fassade. Nicht, dass er dadurch den muffigen Geruch in Griff bekommen konnte, doch die asbesthaltige Eternitfassade hatte an der Wetterseite schwarze Algenstreifen, die das Haus nicht schöner machten. Diese Veralgung ist das Problem bei vielen eternitverkleideten Fassaden da Eternit kein Wasser aufnimmt und sich bei Änderung von Luftfeuchtigkeit und Temperatur Kondensat bildet. Zu dem Schönheitsproblem kam ein Wärmeproblem, die Fassade war einfach zu wenig gedämmt. So kamen als erstes die Fassadenplatten runter. Diese mussten fachgerecht entsorgt werden. Das heißt entweder, dass man eine Fachfirma beauftragt, die das alles erledigt. Günstiger wird es, wenn man es selbst macht. Dazu werden die zugelassenen Polyesterfasersäcke für Asbestentsorgung, ein Container und eine Sondermülldeponie benötigt. Thomas Schmidt hat sich für diesen Weg entschieden.
Bevor die neue Fassade dran kam, bekam das Haus noch neue Kunststoff-Isolierfenster spendiert. Bei der neuen Fassadenbekleidung entschied sich Thomas Schmidt, auf der vorhandenen Lattung, auf die vorher noch wasserfest verleimte Sperrholzplatten geschraubt wurden, eine Isolierklinkerfassade zu montieren. Isolierklinker bestehen aus einem Verbund aus Hartschaum und Klinker, die nach der Montage mit Zementmörtel verfugt werden. Das Verbundsystem aus Dämmstoff und Klinker wird hinterlüftet montiert, wobei der Taupunkt in der Hinterlüftung liegt, so dass der Dämmstoff nicht feucht werden kann.

Muffigen Geruch entfernen



Nachdem die Fassade soweit in Ordnung war, ging es dem muffigen Geruch an den Kragen. Das heißt, Thomas Schmidt war auf der Suche nach der Ursache und wurde zunächst nicht fündig. Sogar eine Formaldehyduntersuchung ließ er durchführen, das Ergebnis war eigentlich erfreulich, denn die Werte lagen weit unter dem tolerierbaren Grenzwert. Die Lösung für das Geruchsproblem brachte die Untersuchung jedoch nicht. Nun waren die Schnüffelqualitäten des Sanierers gefragt, denn es sollte die Quelle allen Übels gefunden werden. Und siehe da - nach Ausbau diverser Steckdosen, Aufschneiden der Dampfbremse und Entnahme von Proben der eingebauten Mineralwolle, war der Übeltäter entlarvt. Der Geruch kam aus den Steckdosenlöchern, d.h. er hatte sich in der Mineralwolle eingenistet. Dazu muss gesagt werden, dass dieses Geruchsproblem nur bei alten Fertighäusern auftritt und da auch nur in einer kleinen Zahl von Fällen. Bei neueren Fertighäusern ist das Problem nicht zu befürchten.
Thomas Schmidt blieb also nichts anderes übrig, als die Innenbeplankung der Außenwände rauszusägen bzw. rauszubrechen und die gesamte Mineralwolle zu entfernen. Die war im Übrigen weder feucht noch schimmelig, sondern hatte nur, woher auch immer, den modrigen Geruch angenommen. Ob die Mineralwolle oder der Wandaufbau für die Geruchsentwicklung zuständig war, ließ sich nicht mehr einwandfrei feststellen. Das Entfernen der Beplankung war keine schöne Arbeit, nur mit Brecheisen und Gewalt konnten die störrischen und von vielen Schraubnägeln gehaltenen Platten entfernt werden. Zum Glück mussten nur die Außenwände dran glauben, da die Innenwände nicht mit Mineralwolle gedämmt waren. Nach der Plackerei stellte sich dann die Frage, womit das freigelegte Ständerwerk wieder gefüllt werden sollte.

Ausmauern der Gefache mit Porenbetonsteinen



Thomas Schmidt entschied sich für Porenbeton. Porenbeton ist leicht, lässt sich auch vom Selbermacher gut verarbeiten und besitzt gute U-Werte - ist aber eigentlich kein Material, das in Fertighäusern zum Einsatz kommt. Thomas Schmidt war das egal und so legten er und sein Schwiegervater los. Da das Holz aber auch noch einen üblen Geruch verbreitete, muss dieser erst einmal neutralisiert werden. Dies geschah mit so genannter "Kalkmilch". Damit pinselten Bauern früher ihre Ställe gegen Fliegen und Gerüche ein. Kalziumhydroxyd ist der chemische Name für Kalkmilch, das normalerweise zur Wasseraufbereitung verwendet wird. Aber auch gegen den Mief im Holz leistete es wertvolle Hilfe, wie sich nach Einpinseln der Gefache und der dünnen Pressspanplatte dahinter herausstellte.
Nun, da das Geruchsproblem endgültig beseitigt war, ging es ans Ausmauern der Gefache. Dies geschah mit 10 cm breiten Porenbetonsteinen. Damit die Steine ihre Isolierwirkung auch voll entfalten können, mussten sie ziemlich genau angepasst werden. Unter den untersten Stein verlegte Thomas Schmidt zum Holz hin jeweils eine Dampfsperre. Mit Ankerblechen wurde jede Steinreihe seitlich an den Holzständern verankert. Eines musste vor dem Vermauern der Porenbetonsteine jedoch bedacht werden. Diese werden ab Werk mit einem Wassergehalt von 20 Prozent geliefert. Sie müssen vorher unbedingt getrocknet werden, sonst kann sich das ganze Haus verziehen. Zum Trocknen wird die Folienverpackung geöffnet und die Steine auf Spalt neu gestapelt, bis sie trocken sind. Zum Schneiden der Porenbetonsteine empfiehlt es sich, eine Bandsäge zu leihen. Die bekommt man in der Regel vom Steinelieferanten.


Nach dem Ausmauern der Gefache ging es an die Elektroinstallation. Hier hatte man die seltene Chance, mit wenig Aufwand in jedem Raum genügend Steckdosen nachzurüsten. Die Arbeit sollte aber unbedingt von einem Fachmann erledigt werden. Nachdem genügend Leitungen verlegt waren, wurde vor den ausgemauerten Gefachen noch eine weitere Porenbetonwand gestellt. Damit sie genügend dämmt, sollte sie mindestens 17,5 cm dick sein. Zwischen der Gefachmauer und Vormauer muss zwecks Hinterlüftung ein Luftspalt gelassen werden. Damit das Vormauerwerk nicht umkippt, wurde es mit rostfreien Blechankern an den Holzständern befestigt. Dies geschah etwa jede dritte Steinreihe.

Vormauerwerk für dei Fertighaus-Wände



Das Vormauerwerk braucht ein stabiles Fundament. Thomas Schmidt entfernte daher mit einer Flex den dünnen Asphaltestrich auf einer Breite von ca. 20 cm (Luftspalt, Vormauerstärke und 1,5 cm Trittschalldämmung berücksichtigen) vor den Ständern. Diese staubige Arbeit sollte nur mit einem Atemschutz erledigt werden. Nun wurde aus Beton ein Streifenfundament gegossen. Unter den Beton unbedingt eine Feuchtigkeitssperrfolie oder Teerpappe legen, die zum Holz hin bis zum unteren Stein der Gefachmauer hoch reicht. Auch der senkrechte Isolierstreifen zwischen altem Estrich und neuem Betonstreifenfundament darf wegen der Trittschalldämmung nicht vergessen werden. Thomas Schmidt verwendete hierfür gelbe PU-Schaumstreifen aus dem Fußbodenheizungsbau.
Das Fundament sollte ein bis zwei Zentimeter höher als der Fußboden ausfallen. Somit ist gewährleistet, dass das Wasser nicht gleich die Wand hochzieht, wenn später aus Versehen ein Eimer Wasser umgekippt wird. Die zur Trittschalldämmung verlegten PU-Streifen können auch gut als Schalung für das Betonfundament verwendet werden. Die ein, zwei Zentimeter Betondruck halten sie locker aus. Der Streifen wird nach dem Verputzen an der Fußbodenoberfläche glatt abgeschnitten. Bevor das Vormauerwerk hochzogen wird, muss man sich nochmals Gedanken um die Elektroinstallation machen. Alle Leitungen zu Verteilern und Steckdosen müssen mindesten 10-15 cm aus der neuen Wand reichen. Hier sollte mit einer Elektrofachfirma geredet werden, denn ist eine Leitung erst mal zugemauert, ist nur sehr schwer wieder an sie ranzukommen.
Ist das geklärt, kann mit dem Mauern begonnen werden. Thomas Schmidt machte das selbst, doch wer nicht selbst mauern kann oder will, sollte sich am besten ein Angebot mit Verputz einholen. Auf gut gemauertem Porenbeton reicht ein Dünnbettputz, eine Aufbrennsperre sorgt dafür, dass der Putz auf dem stark saugenden Porenbeton auch hält. Bevor verputzt wird, muss die Elektroinstallation allerdings endgültig zum Abschluss gebracht und Schalter, Steckdosen usw. montiert werden. Auch haben alte Häuser keine FI-Schutzschalter. Nachrüsten ist empfehlenswert oder Vorschrift. Eventuell ist auch eine neue Abnahme erforderlich. Spätestens hier muss also ein Meister ran. Nach dem Verputzen bekamen die neuen Wände, die ganz schön viel Platz beanspruchten (was sich auf die Breite der Fensterbänke und vieles mehr auswirkte), noch einen neuen Anstrich verpasst. Aus einem müffelndem Fertighaus wurde somit (fast) ein wohlriechendes Massivhaus, allerdings mit deutlich geringerer Wohnfläche. Aus 90 Quadratmetern wurden somit mal eben 82,50 Quadratmeter. Man sollte sich also ganz genau überlegen, ob man zu einem solchen Opfer bereit ist. Mit moderner Dämmtechnik lassen sich weitaus raumsparendere Lösungen finden - ohne dass dabei ein Geruchsproblem entsteht.

Durch die neuen Fenster und die anderen Maßnahmen war das Haus völlig winddicht. So soll es nach der Energieeinsparverordnung zwar auch sein, doch für genügend Belüftung muss gesorgt werden, sonst kommt der Schimmel. Das muss verhindert werden. Thomas Schmidt löste das Problem, indem er drei 100 mm Deckenlüftungsgitter im Flurbereich einbaute und diese im Dachbereich darüber mit 100er Abwasserrohren zu einem verband und als ein Rohr zum Dach rausführte. Dadurch ist eine zugfreie, energiesparende Dauerentlüftung möglich. Besonders wenn man tagsüber arbeitet und die Fenster nicht geöffnet lassen will, ist dies sicher eine gute Lösung.
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