Wolfram Dübbel's (un)maßgebliche Erkenntnisse
beschäftigen sich heute mit der Eröffnungssucht
der Baumarkt-Betreiber in den neuen Bundesländern.
Kein noch so kleines Dorf, als daß dort nicht ein
Baumarkt entstehen müßte. In vielen Großstädten
nehmen sich die Baumärkte gegenseitig die Kunden
weg – und die Verkäufer stehen sich solange die
Beine in den Bauch, bis unrentable Märkte geschlossen
werden. Dann kommen sie wieder ans Laufen – zum
Arbeitsamt. Mitschuldig an der Baumarkt-Schwemme
sind die Kommunen, aber lesen Sie bitte selbst...
Tourismus-Boom in Magdeburg
Es ist mir gelungen, mit dem neuen "Beauftragten für
die Entwicklung des Baumarktwesens und des Tourismus
in Magdeburg", Herrn Dr. Walter Rappel, ein Exklusiv-
interview zu führen.
Frage: "Herr Dr. Rappel, wie ist der aktuelle Stand der
Baumarktgenehmigungen für Magdeburg - 87 oder 91?"
Dr. Rappel: "Sie sind nicht auf dem Laufenden! Gerade
haben wir den 106. Baumarkt für diese schöne Stadt
genehmigt!"
Frage: "Glauben Sie nicht, daß der Raum Magdeburg
schon jetzt rettungslos überbesetzt ist mit Baumärkten?"
Dr. Rappel: "Das ist alles eine Frage der Planung, wie
ich aus meiner Zeit als Referent für Planwirtschaft beim
Zentralkomitee der SED ja bestens weiß!"
Frage: "Aber wenn bald auf 100 Bürger ein Baumarkt
kommt, dann nützt doch keine Planwirtschaft mehr!"
Dr. Rappel: "Es geht darum, die Erkenntnisse der Markt-
wirtschaft mit den Erfahrungen der Planwirtschaft zu
kombinieren. Wenn ein Baumarkt nur Schrauben und
Nägel führt, der andere nur WC-Sitze, der nächste nur
Bohrhammer und wieder ein anderer nur Fallrohre,
was glauben Sie, wie das belebend wirkt!"
Frage: "Wie das?"
Dr. Rappel: "Die Käufer fahren von einem Baumarkt
zum anderen, bis sie alles zusammengekauft haben,
was man so braucht. Folglich haben alle Baumärkte gut
zu tun!"
Frage: "Auf 5.000 qm Verkaufsfläche nur WC-Sitze,
wie soll man da noch etwas verdienen?"
Dr. Rappel: "Wofür haben wir denn die Marktwirtschaft?
Machen Sie doch die WC-Sitze einfach teurer oder
überreden Sie die Leute zum Zweit- oder Dritt-WC-Sitz!"
Frage: "Ach so, ja! Ein verblüffender Gedanke! Aber
verraten Sie doch unseren Lesern, wieso Sie für die
Baumarkt- u n d die Tourismus-Entwicklung verant-
wortlich sind? Das ist doch eine ungewöhnliche
Kombination!"
Dr. Rappel: "Finden Sie? Und dabei ist bei uns das eine
mit dem anderen untrennbar verbunden. Sehen Sie,
lieber Herr Dübbel, im Endstadium sind für Magdeburg
250 Baumärkte vorgesehen. Es werden Touristen aus
aller Welt einfliegen, um sich dieses Ereignis anzuschauen.
Käufer werden mit Sonderbussen aus Berlin, Duisburg oder
München nach Magdeburg kommen, es wird ein Kaufrausch
ausbrechen..."
Frage: "Ihre Euphorie in Ehren, aber sagen Sie mal, Herr
Dr. Rappel, was werden Sie denn machen, wenn das Planziel
der 250 Baumärkte erreicht ist?"
Dr. Rappel: "Ich werde Hotelneubauten genehmigen und
noch mal Hotelneubauten, denn die Millionen Käufer aus
aller Welt müssen doch irgendwo übernachten, oder?"
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