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Satire des Monats November 1997

Wolfram Dübbel's (un)maßgebliche Erkenntnisse beschäftigen sich heute mit der Eröffnungssucht der Baumarkt-Betreiber in den neuen Bundesländern. Kein noch so kleines Dorf, als daß dort nicht ein Baumarkt entstehen müßte. In vielen Großstädten nehmen sich die Baumärkte gegenseitig die Kunden weg – und die Verkäufer stehen sich solange die Beine in den Bauch, bis unrentable Märkte geschlossen werden. Dann kommen sie wieder ans Laufen – zum Arbeitsamt. Mitschuldig an der Baumarkt-Schwemme sind die Kommunen, aber lesen Sie bitte selbst...

Tourismus-Boom in Magdeburg

Es ist mir gelungen, mit dem neuen "Beauftragten für die Entwicklung des Baumarktwesens und des Tourismus in Magdeburg", Herrn Dr. Walter Rappel, ein Exklusiv- interview zu führen.

Frage: "Herr Dr. Rappel, wie ist der aktuelle Stand der Baumarktgenehmigungen für Magdeburg - 87 oder 91?"

Dr. Rappel: "Sie sind nicht auf dem Laufenden! Gerade haben wir den 106. Baumarkt für diese schöne Stadt genehmigt!"

Frage: "Glauben Sie nicht, daß der Raum Magdeburg schon jetzt rettungslos überbesetzt ist mit Baumärkten?"

Dr. Rappel: "Das ist alles eine Frage der Planung, wie ich aus meiner Zeit als Referent für Planwirtschaft beim Zentralkomitee der SED ja bestens weiß!"

Frage: "Aber wenn bald auf 100 Bürger ein Baumarkt kommt, dann nützt doch keine Planwirtschaft mehr!"

Dr. Rappel: "Es geht darum, die Erkenntnisse der Markt- wirtschaft mit den Erfahrungen der Planwirtschaft zu kombinieren. Wenn ein Baumarkt nur Schrauben und Nägel führt, der andere nur WC-Sitze, der nächste nur Bohrhammer und wieder ein anderer nur Fallrohre, was glauben Sie, wie das belebend wirkt!"

Frage: "Wie das?"

Dr. Rappel: "Die Käufer fahren von einem Baumarkt zum anderen, bis sie alles zusammengekauft haben, was man so braucht. Folglich haben alle Baumärkte gut zu tun!"

Frage: "Auf 5.000 qm Verkaufsfläche nur WC-Sitze, wie soll man da noch etwas verdienen?"

Dr. Rappel: "Wofür haben wir denn die Marktwirtschaft? Machen Sie doch die WC-Sitze einfach teurer oder überreden Sie die Leute zum Zweit- oder Dritt-WC-Sitz!"

Frage: "Ach so, ja! Ein verblüffender Gedanke! Aber verraten Sie doch unseren Lesern, wieso Sie für die Baumarkt- u n d die Tourismus-Entwicklung verant- wortlich sind? Das ist doch eine ungewöhnliche Kombination!"

Dr. Rappel: "Finden Sie? Und dabei ist bei uns das eine mit dem anderen untrennbar verbunden. Sehen Sie, lieber Herr Dübbel, im Endstadium sind für Magdeburg 250 Baumärkte vorgesehen. Es werden Touristen aus aller Welt einfliegen, um sich dieses Ereignis anzuschauen. Käufer werden mit Sonderbussen aus Berlin, Duisburg oder München nach Magdeburg kommen, es wird ein Kaufrausch ausbrechen..."

Frage: "Ihre Euphorie in Ehren, aber sagen Sie mal, Herr Dr. Rappel, was werden Sie denn machen, wenn das Planziel der 250 Baumärkte erreicht ist?"

Dr. Rappel: "Ich werde Hotelneubauten genehmigen und noch mal Hotelneubauten, denn die Millionen Käufer aus aller Welt müssen doch irgendwo übernachten, oder?"

Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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