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Satire des Monats Dezember 1997

Unser Autor Wolfram Dübbel muß ausgerechnet zur Weihnachtszeit 1997 von einem tragischen Ereignis berichten, das den jungen Physiker Dr. Harald Formeltreu zum Mörder werden ließ und den Glasermeister Robert Spiegel eines Mitarbeiters beraubte, den er eigens eingestellt hatte, um Bauherren in die Geheimnisse der diversen k-Werte einzuweihen.

Der äquivalente k-Wert-Mord

Frage an Herrn Spiegel: "Wieso haben Sie denn einen promovierten Physiker ausgerechnet in einer Glaserei eingestellt?"

Herr Spiegel: "Wenn ich früher auf eine Baustelle ging, hatte ich eine bis zwei Stunden damit zu tun, die Fenster auszumessen. Fragen nach dem k-Wert der Fenster habe ich mehr beiläufig beantwortet. Wenn ich den Kunden gesagt habe, ich montiere Ihnen Fenster ein mit einer Top-Isolierverglasung, dann hat das denen genügt. Ganz wenige wollten auch mal was über den k-Wert hören. Aber die Zeiten sind leider vorbei!"

"Ja wie das denn?"

Herr Spiegel: "Wie das denn, wie das denn!? Früher hatten wir nur den k-Wert als Meßwert nach DIN. Dann kam der k-Wert als sogenannter amtlicher Rechenwert hinzu. Da konnte man schon verrückt werden, wenn man einem hartnäckigen Kunden den Unterschied erklären sollte. Und seit es nach der beschi............. Dritten Wärmeschutzverordnung den Bilanz-k-Wert gibt, ist mein Betrieb mehr und mehr den Bach runtergegangen!"

"Ja wie das denn?"

Herr Spiegel: "Wie das denn, wie das denn!? Herr Dübbel, die Bauherren wollten auf einmal von mir erklärt haben, was der sogenannte äquivalente k-Wert ist!"

"Ja was ist denn das?"

Herr Spiegel: "Was ist denn das, was ist denn das!? Das ist der sogenannte Bilanz-k-Wert. Ich bin gar nicht mehr dazu gekommen, das Aufmaß von Fenstern zu nehmen oder Angebote zu schreiben. Stundenlang habe ich versucht, den Leuten den beschi....... Bilanz-k-Wert zu erklären. Es hat ihn doch keiner begriffen."

"Begreifen Sie das denn?"

Herr Spiegel: "Begreifen tu' ich das - aber ich glaube nicht daran! Und da lief mir dieser arbeitslose junge Physiker Dr. Formeltreu über den Weg. Ich hab' ihn eingestellt, damit er den Kunden den beschi.......äquivalenten k-Wert erklärt und ich wieder dazu komme, mich um mein Geschäft zu kümmern."

"Haben Sie denn eine Erklärung dafür, wieso der junge Mann gleich am ersten Tag Ihren Kunden Hans Beiermann erwürgt hat?"

Herr Spiegel: "Es ist wohl so gewesen, daß sich Herr Beiermann neunmal die Errechnung des gemittelten äquivalenten k-Wertes eines Fensters unter Berücksichtigung des Strahlungsgewinnkoeffizienten S = 2,40 W/m²K für Fenster in Südlagen hat erklären lassen, aber immer noch nichts verstanden hatte. Und als dann auch noch der mittlere Durchlaßfaktor "b" nach VDI 2078 bei einer Sonnenschutz-Isolierverglasung hinzukam und Herr Beiermann den Sinn der ganzen Bilanz-k-Wert-Rechnerei in Zweifel zog, da ist Herr Dr. Formeltreu leider durchgedreht und hat meinen Kunden erwürgt."

"Tragisch, tragisch, lieber Herr Spiegel!"

Herr Spiegel: "Das eigentlich Tragische ist, daß Herr Dr. Formeltreu den Falschen um die Ecke gebracht hat. Der hätte den Vorsitzenden der Kommission erwürgen sollen, die diesen beschi......... äquivalenten k-Wert erfunden hat!"

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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