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Satire des Monats Januar 1998

Unser Satiriker Wolfram Dübbel, der in seinem Leben viel gebaut hat, berichtet hier über ein Phänomen, das den Berufsstand der "Gas- und Wasserinstallateure" und der "Zentralheizungs- und Lüftungsbauer" betrifft, wobei die Redaktion darauf hinweist, daß beide Berufe zusammengeführt werden sollen zu einem einheitlichen "Haustechniker". Ob das Phänomen dann nicht mehr auftaucht?

Rohrbrüche, nix als Rohrbrüche

Deutschland geht unter. Nicht, weil Herr Waigel seinen Staatshaushalt und Herr Blüm seine Renten nicht finanziert bekommt. Auch dem Hochwasser, das uns nun schon ziemlich regelmäßig an Rhein und Elbe sowie etlichen Nebenflüssen heimsucht, darf keine Schuld gegeben werden.

Nein, die wasserführenden Rohre, die in und unter den Häusern Ost wie West verlegt sind, platzen. Tagtäglich und überall. Rohrbrüche, wohin man schaut. Rohrbrüche, nix als Rohrbrüche! Das wollen Sie nicht glauben? Bitte sehr:

Wolfram Dübbel am Telefon zur Firma Heizungsbau Fitting: "Wo bleiben denn Ihre Leute? Ich warte schon seit zwei Stunden!"

Meisterin Fitting: "Ach, der ganze Trupp mußte zu einem Rohrbruch!"

Zur Firma Sanitär-Heizung Kreisel-Pump: "Wo bleiben denn Ihre Leute, ich warte seit 8.00 Uhr!"

Meisterin Kreisel-Pump: "Alle unterwegs zu Rohrbrüchen, die gehen ja immer vor!"

Zur Firma Heizung- und Klimatechnik Löteweich: "Wo bleiben denn Ihre Leute?"

Meisterin Löteweich: "Schrecklich, alles so traurig..."

Wolfram Dübbel: "Um Gottes willen, ist jemand verstorben?"

Meisterin Löteweich: "Fast, fast wäre die arme, alte Frau Meyer ertrunken. Rohrbruch!!! Schrecklich! Aber mein Mann und alle Gesellen helfen ihr jetzt. Aber die Möbel sind hin und der alte Seiden-Keshan auch und die arme Frau Meyer mit ihren 76 Jahren, die ist ganz verzweifelt."

Wolfram Dübbel (von Rührung überwältigt, schluchzend: "Ja, wenn das so ist...dann warte ich gern....schluchz...noch ein paar Tage oder Wochen..."

Derartig anrührende Geschichten sind dem deutschen Haus- und Wohnungsbesitzer emotional natürlich nicht zuzumuten. Weshalb Wolfram Dübbel nun einige sehr pausible Ausreden vorschlägt, die Abwechslung in die eintönige Rohrbruch-Stereotypie bringen werden:

"Mein Mann ist bei Reparaturen auf einem Bauernhof vom Pferd getreten worden."

"Im Altersheim riecht es nach Gas, das müssen wir überprüfen."

"Unser Altgeselle ist von seiner Frau rausgeschmissen worden. Jetzt sind alle unterwegs, um die Frau zu beruhigen."

"Unserem Auszubildenden ist bei der Montage ein Klosettsitz auf den Kopf gefallen, nun müssen alle Leute zur Berufsgenossenschaft, um den Hergang zu schildern."

Eine Fachzeitschrift des SHK-Handwerks (Sanitär-Heizung-Klima) veranstaltet, wie Wolfram Dübbel erfahren hat, nun schon zum 4. Mal ein Golfturnier um die "Deutsche SI-Golf-Trophy". Was meinen Sie, wie beglückt die Kunden sein werden, wenn die Frau Meisterin am Telefon wahrheitsgemäß erklären kann:

"Unsere Leute sind noch nicht eingetroffen? Ja, das ist gut möglich. Die nehmen nämlich heute und morgen an unserem Branchen-Golfturnier teil!"


Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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