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Satire des Monats Oktober 1998

Im Monat Oktober beschäftigt sich unser Autor Wolfram Dübbel mit einer hochaktuellen Form der Arbeitsbeschaffung: Dem Bau eines Baumarktes und dem Totalabriß desselben drei Tage vor seiner Eröffnung. Der Leser mag es nicht glauben und auch Wolfram Dübbel hat sich verwundert seine Äuglein gerieben – aber so geschehen in Bayreuth.

ABM-Maßnahme Baumarkt-Abriß

Das beschauliche Bayreuth wurde bislang einmal im Jahr mobilisiert – just zur Festspielzeit, wenn Lohengrin schmetternd verkündet, daß Parzival sein Vater ist (was ohnehin niemand bezweifelt). Doch die wagnerschen Winterstürme sind noch keineswegs dem "Wonnemon't" gewichen, ja, sie stehen eigentlich noch bevor – da bemerkten die Bayreuther Hoteliers eine erhebliche Steigerung der Übernachtungskapazitäten.

Wohin wollen all die Fremden? Nein, nicht zum "Grünen Hügel", dem weltberühmten, sondern in ein profanes Gewerbegebiet, dort, wo es einen wunderschönen, neuen Baumarkt zu besichtigen gibt, der drei Tage vor der Eröffnung wieder abgerissen wird.

Das ist ja die wahre Freude, wenn sich das, was man im Akkord und mit vielen Überstunden hochgezogen hat, erst einmal "wunderwebend wiegt" (um es mit Wagner zu sagen), ehe es von der Abrißbirne erneut getroffen wird und ruckzuck zusammenfällt.

Und was ist der Grund des merkwürdigen Tuns? Zu einem Baumarkt wie zu jedem Gebäude gehört eine Bodenplatte, gemeinhin Fundament genannt. Und darunter befindet sich nun Füllmaterial, das PCB und PAK belastet ist. Wie man das gemerkt hat? Vom verseuchten Klärschlamm des Bayreuther Klärwerks konnte der Weg des PCB's zurückverfolgt werden – bis zu dem schönen, neuen Baumarkt. Wums!

Wolfram Dübbel sieht die Sache positiv und gründet hiermit den Arbeitskreis ENDA – Erst Neubau, Dann Abriß. Der designierte Bauminister im Kabinett Schröder hat Interesse an der Idee bekundet, mehrere Kommissionen haben sich schon an der Abbruchstelle eingefunden. Vorläufiges Resultat: "Mindestens 700.000 Langzeitarbeitsplätze können geschaffen werden, wenn man dieses Verfahren konsequent anwendet!"

Natürlich gibt es auch Widerstand gegen ENDA. Wieland Tannhäuser, Inhaber des neueröffneten Hotels "Morgenröt" zu Bayreuth, wehrt sich entschieden gegen den Abriß seines Hauses. "Nun kommen die Neugierigen aus aller Welt, ich bin bis zur letzten Badewanne ausgebucht – und ausgerechnet ich soll nun mit gutem Beispiel vorangehen und mein Hotel abreißen lassen. Nee, ich werde mich mit Siegfried's Schwert und bis zum letzten Blutstropfen verteidigen!"
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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