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Satire des Monats Dezember 1998

In Wuppertal geht nicht der Klabautermann, sondern der Staatsanwalt um. Er ermittelt seit Jahren, klagt an und verhilft immer wieder: dem einen hinter Gitter, dem anderen zu einer dicken Geldstrafe. Nun ist das ja für einen Staatsanwalt nicht ungewöhnlich - aber in Wuppertal geht es um das Bauwesen, präziser gesagt um die städtische Bauverwaltung. Wolfram Dübbel nimmt sich der Wuppertaler Situation liebevoll an.

KG oder EK, das ist die Frage!

Was ist über Wuppertal zu sagen? Da gibt es das weltberühmte Tanztheater der Pina Bausch und das Dauer-Drama in der städtischen Bauverwaltung mit dem Titel "Wie, Du läufst noch frei herum?"

Ja, es laufen - man höre und staune - tatsächlich noch einige Bedienstete der Bauverwaltung frei herum und erscheinen tatsächlich zum Dienst, andere haben eine Dauerkarte in der Schwebebahn gebucht, fahren ziellos herum und versuchen so, einem schwebenden Verfahren zu entgehen. Und was erzählen sich so die Bauamtsinspektoren, Sachgebietsleiter, Amtmänner und technischen Angestellten, wenn sie sich auf dem Flur begegnen. Wolfram Dübbel hat es erlauscht:

"Tach Herr Kollege, habe den Hömpckens seit Tagen nicht gesehen. Ist er KG oder oder EK?"

"Tja, der Hömpckens ist, soweit ich das rausgekriegt habe, EK!"

"Ach, der auch! Ja die Reihen, die werden immer lichter!"

Nun will Wolfram Dübbel Sie nicht auf die Folter spannen, was sich hinter den seltsamen Kürzeln verbirgt. Die Sache ist einfach: KG bedeutet krankgeschrieben, EK bedeutet keineswegs, daß jemand das Eiserne Kreuz erhalten hat, sondern einkassiert worden ist. Derzeit sind viele Wuppertaler EK, andere sind EK-verdächtig. Und wer nicht verdächtig ist, der ist erst recht verdächtig.

Was das Schmieren städtischer Baubediensteter betrifft, so gehören ja immer zwei dazu: Der eine entstammt dem Bau- oder Baunebengewerbe und zückt die Brieftasche, der andere entstammt der Bauverwaltung und zückt die offene Hand. Nicht gerade selten, daß sich die beiden Schmierfinken in ein und derselben Haftanstalt wiederfinden, wo sie den Gefangenenchor verstärken und durch eifriges Absingen des "Bergischen Heimatliedes", wo von wonnigen Mädchen und von Liebe und Treue (!) die Rede ist, eine Haftverkürzung erhoffen, zumal sie bei "Treue" das "T" weglassen.

Die "wonnigen Mädchen" nehmen die Abwesenheit der Ehemänner bergisch-gelassen hin. Heidegunde Schmidt, Ehefrau eines Handwerksmeisters: "Unser Geselle Jupp vertritt den Meister in jeder Beziehung!"

Sybille Heckenstich, Ehefrau eines Diplom-Ingenieurs aus dem Bauamt: "Meinem Karl tut das gut, daß er jetzt mal abspecken kann. Und auf dumme Gedanken kommt er auch nicht - (kichernd) aber ich!", wobei sie einen langaufgeschossenen jungen Mann anstrahlte, der sich als (noch nicht vorbestrafter) Zimmermeister entpuppte.

Anni Schieferdings: "Mein Mann hat ja nur eine kleine Strafe gekriegt, er muß am Wochenende für eine wohltätige Sache arbeiten. Er sammelt zur Zeit in unserem Zoo die Elefantenköttel ein. Das tut ihm gut, da ist er viel an der frischen Luft. Und wenn so ein Elefant mal aus Versehen zutritt, dann habe ich doch noch die schöne Beamtenpension!"

Wie man sieht, hat man sich zwischen Elberfeld und Barmen im Tal der Wupper gut arrangiert. Die verbliebenen Bauamtsbediensteten sind natürlich unbestechlich. Falls Sie es doch versuchen wollen: Risikozuschlag nicht vergessen.

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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