Heuer (österreichisch für: heute) also schweift der Blick in unser Nachbarland Österreich, speziell in dessen Metropole Wien, wo es leibhaftige Kommerzialräte gibt und jeder Gefahr läuft, mit einem Professorentitel beehrt zu werden, der dreimal eine Feuerwehrkapelle dirigiert hat. Den Wiener Bällen wird sich Wolfram Dübbel heuer widmen. Was das mit dem Baumarkt zu tun hat? Warten Sie's ab!
Der Ball der Preisabsprachler
An die einhundert Bälle (oder mehr) werden im "Jänner" (österreichisch für Januar)
allein in Wien gefeiert. Das ist dann die Gelegenheit, wo die Wienerin ihr neues Ballkleid ausführen kann und den vom feschen Herrn Gemahl (alle Wiener sind fesch) zu Weihnachten geschenkten Schmuck gleich mit dazu. Diesen erhält eine herzige Wienerin (alle Wienerinnen sind herzig) schon allein deshalb, weil sie solch einen "wunderboaren" Topfenstrudl zu backen versteht.
Es gibt einen Polizeiball, einen Offiziersball, einen Unteroffiziersball, einen Ball der Pharmacie, einen Ball der Wiener Kindergärten, einen Ball Chemie und Wirtschaft,
einen Technikerball, einen Ball der Veterinärmediziner (Wau!), einen Ball der Bäderbediensteten, einen Ball der Wiener Pfadfinder (Abendkleidung Pflicht, kein Einlaß in kurzen Hosen), einen Bonbonball, einen Finanzball, einen Niederösterreichischen Bauernbundball usw., usf., usw., usf. Kurzum: Es gibt mehr
Bälle, als Deutschland Wurstsorten hat. Und das will was heißen!
Sie haben es natürlich erraten, getreue Leserinnen und Leser! Es gibt auch einen Hafner- und Fliesenlegerball, einen Schlosserball, einen Ball der Installateure
usw., usf., usw., usf. Da ist die Baubranche ganz unter sich, kann die Töchter und Söhne verkuppeln und zwanglos zu den Klängen der "Tritsch-Tratsch-Polka" nicht nur a bisserl tratschen, sondern auch a bisserl was Preise abstimmen.
Franz Josef Hirnreissl (53), Chef einer großen Wiener Spenglerei (zu deutsch:
Dachdeckerei), zog mich auf dem diesjährigen Spenglerball leutselig an die Seite
und ließ mich wissen: "Ihr Deitschen seid scho a bisserl bleed! Ihr trefft Euch in
abgelegenen Hotels und wundert Euch hinterher, daß Ihr in einem verwanzten Saal gesessen seid und das Bundeskartellamt wunderschöne Tonaufnahmen gemacht hat. Passens auf – gleich geht er los, der Radetzky-Marsch. Und dann machen wir unsere Absprachen und kein Richtmikrofon und keine Wanze wird was mitkriegen, haha! Die Kapelle weiß natürlich Bescheid. Sie spielt den Marsch so laut sie kann.
Und wenn wir mit den Absprachen noch nicht zu Ende sind – no, do mochen's a
Zuagoben oder zwei oder drei!"
Wolfram Dübbel |