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Satire des Monats März 1999

Unser Autor Wolfram Dübbel muß sich erholen. Von seiner hochgeistigen Arbeit. Ab und zu. Deshalb geht er in den Wald. Wenn es nicht regnet. Regnet es, geht er ins Museum. Dort ist es meistens so still wie im Wald. Im Museum freut er sich jedesmal, wenn er sieht, mit welchen Abfallstücken guter deutscher Heimwerkerei sich moderne Kunst herstellen läßt. Aber lesen Sie selbst.

Die Wassereimer-Installation

Wie nennt man das, was aus zusammengebogenen Wasserrohren mit angeschweißten Mauerankern besteht und in einem Museum mit zeitgenössischer Kunst ausgestellt ist? Ein Kunstwerk? Eine Skulptur? Na ja, alles nicht falsch. Aber was der rechte Kunstbeflissene unserer Zeit ist, der mit Fliege um den Hals und Katalog in der Hand ergriffen vor dem Kunstwerk steht und steht und steht und sinniert und sinniert und das Gesehene dann mental verarbeitet, der weiß natürlich den richtigen Namen.

Es handelt sich um eine "Installation".

Wohin mit dem Abfall aus Hausabbrüchen und Heimwerkergaragen, aus Schlosserwerkstätten und Spenglereien? Zu einem zeitgenössischen Künstler natürlich, der den Schrott kostenneutral in Form von "Installationen" entsorgt. Solches erfreut jeden Schrottverursacher ungemein, wenn er sich auch insgeheim die Frage stellt, warum man um diesen zusammengeschraubten oder verschweißten Schrott herum 50 Millionen Mark teure Museen bauen muß.

In solch einem Museum zeitgenössischer Kunst entspannte sich dieser Tage kein geringerer als Wolfram Dübbel. Hier eine Fahrradfelge auf Natursteinblock, dort ein Scheunentor aus einem Hofabbruch. Ganz hinten ein "Ensemble" aus Felsbröckchen, malerisch auf dem Museumsboden drapiert. Und am Ende des Ganges links eine angerostete Eisenplatte, künstlerisch gegen einen angerosteten Eisenbalken gelehnt. Die Wirkung auf unseren Autor war ergreifend.

Und als er dachte, nun könne kein Höhepunkt mehr kommen – da kam er doch, der Höhepunkt: in einem der Säle stand ein roter Plastikputzeimer auf einem mausgrauen Aufnehmer. Von der Decke tröpfelte es in den Eimer. Und von der Decke strahlte die Museumsbeleuchtung.

Ein Kunstwerk von ungeheuerlicher Symbolkraft! Vier japanische Touristen lauschten achtungsvoll einem deutschen Psychologen, der das tröpfelnde Wasser als rituelles Reinigungszeremoniell, den roten Eimer als Vulva und den grauen Putzlappen als Zeichen sexueller Erniedrigung deutete und seiner Gattin eine eigene Urteilsfindung netterweise gleich vorwegnahm: "Ganz außergewöhnliche Symbolkraft, nicht wahr, Schatzi?"

Schatzi, offenbar eine Frau von der wißbegierigen Art, versuchte im Katalog herauszufinden, wer denn der Schöpfer des Kunstwerks sei. Die Saalaufsicht, offenbar eine an moderner Kunst desinteressierte Aushilfe, wußte es nicht. Und der Psychologe wurde sogar ärgerlich: "Da hat wohl jemand die Beschriftung von der Wand entfernt!"

Aber da kam schon die Oberaufsicht, eine resolute Dame um die 50: "Das ist kein Kunstwerk, den Eimer stellen wir immer bei Regen auf. Irgendwo regnet es rein. Aber keiner weiß wo. Wasser sucht sich ja oft einen langen Weg!"

Wolfram Dübbel fordert, daß das Dach schadhaft bleibt, damit noch viele Besucher das Kunstwerk bewundern können.

Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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