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Satire des Monats Mai 1999

Unser verehrter Mitarbeiter Wolfram Dübbel ist in Ausübung seines Berufes in eine gewisse körperliche Versehrtheit geraten, weil ein kräftiger Bauunternehmer sein Mütchen an ihm gekühlt hat. Die Redaktion enthält sich jeder Schadenfreude und läßt ihren Autor unzensiert zu Wort kommen. Schuld war (natürlich) eine Frau. Wie immer!

160 cm inklusive Stöckelschuhen

Ich liege zur Zeit in der Chirurgischen Abteilung des Klinikums Aachen. Ein sehr schmerzhaftes, Bowlingkugel-großes Hämatom an einer gewissen diskreten Stelle befindet sich im erfreulichen Zustand der permanenten Abschwellung und auch der Mittelknöchel meiner rechten Hand schmerzt nicht mehr, obwohl der Gips erst in drei Wochen abgenommen werden kann.

Wesentlich zur Besserung trägt bei, daß Bauunternehmer Siegfried Hefftich, dem ich meine Blessuren zu verdanken habe, immer noch nicht aus beiden Augen gucken kann, so zielgenau habe ich ihm mit dem vollen Gewicht meiner 103 kg zwei herrliche Veilchen verpaßt. Herr Hefftich liegt vier Zimmer weiter und trinkt mit dem Strohhalm, der Mistkerl.

Dabei hatte alles so harmlos begonnen. Ich hatte mich auf dem Baukongress mit Frau Marion Zettelstett verabredet, ihres Zeichens PR-Beraterin eines großen Baustoffherstellers. Frau Zettelstett meinte, wir könnten uns nicht verfehlen, denn sie sei mit Stöckelschuhen mal ganze 1,60 m groß, habe lange, schwarze Haare und außerdem ein Grübchen.

Meine Frage, wo sich dieses Grübchen befinde, wurde etwas indigniert beantwortet mit "Am Kinn natürlich!"

Der Kongress begann mit einer Coming-together-Party, wie es auf Neudeutsch so schön heißt. Und wer läuft mir – mit einem Sektglas in der Hand – über den Weg? Frau Zettelstett, unverkennbar mit Grübchen, langen Haaren und um die 1,60 m groß bzw. klein. Ich begrüße sie freudig, aber sie wehrt entschieden ab: "Blöde Anmache, ich bin nicht Frau Zettelstett!"

Offenbar waren auf diesem Baukongress alle schwarzhaarigen Frauen mit Grübchen und 160 Zentimeter Körpergröße versammelt, die es in Deutschland gibt. Jedenfalls begann sich schon eine gewisse Unruhe im Saal breitzumachen, als ich die 73. Schwarzhaarige als Frau Zettelstett angesprochen hatte.

Bei Nr. 74 war ich mir aber sicher. "Sie sind bestimmt Frau Zettelstett, das Grübchen ist aber auch zu reizend!", flötete ich wie Graf Poldi aus Wien. Es war aber nicht Frau Zettelstett, sondern – wie ich jetzt weiß – Frau Hefftich, deren Mann dem Freibier etwas zu stark zugesprochen haben mußte. Jedenfalls packte er mich am Arm und wollte mich des Saales verweisen, wobei er brüllte: "Die Grübchen meiner Frau gehen nur mich was an!"

Natürlich habe ich mich dezent gewehrt. Der Rest ist bekannt.

Im Klinikum ist es so übel gar nicht. Ich kann viel lesen, das Krankentagegeld von 250,- DM/Tag stimmt mich versöhnlich. Ja ich könnte sogar schon in einer ausgesprochen heiteren Gemütsverfassung sein, wenn da nicht die Krankenschwester wäre.

Sie ist um die 1,60 m groß, hat lange schwarze Haare und ein Grübchen.

Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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