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Satire des Monats August 1999

Die Bundesländer unterhalten in der Bundeshauptstadt Berlin – genauso wie ehemals in Bonn – eine "Landesvertretung". Das Bundesland Niedersachsen hat sich – immerhin – mit dem Bundesland Schleswig-Holstein zusammengetan und aus Sparsamkeitsgründen eine gemeinsame Ländervertretung gebaut. Na, sagen wir mal: Man ist noch im Bauen begriffen. Doch lesen Sie selbst:

Gräulich und greulich

Wie ist die Wirtschaftslage vor allem im Baugewerbe? Greulich. Wie sieht der Himmel über Föhr aus, als ich diese Zeilen zu Papier bringe (22. Juli 1999)? Gräulich. Wie ist die Stimmung meiner Ehefrau, nachdem sie die modische Ausrichtung der küstennahen niedersächsischen Boutiquen geprüft hat? Greulich. Und wie heißt der niedersächsische Ministerpräsident? Gräulich? Nein, so heißt er nicht. Er heißt irgendwie-irgendwas wie "Gollodingsbums". Seinen Namen wird man sich nicht merken müssen. Es sei denn, er wird eines Tages Bundeskanzler. Man weiß ja nie.

Herr Gollodingsbums wird bald in seiner Berliner Ländervertretung tafeln können. Denn was anderes als getarnte Freß- und Sauflokale sind diese Ländervertretungen nicht, wie unisono alle Bonner Auslandskorrespondenten zu berichten wissen. Man erinnere sich: Oskar leistete sich in seiner Saarländischen Ländervertretung zu Bonn seinerzeit einen Sternekoch. Und von der Bayerischen Landesvertretung zu Bonn wurde nichts anderes gerühmt, als der Bierkeller. Jo mei, ist ja auch was.

Auch die Niedersächsisch-Schleswig-Holsteinische Landesvertretung ist was. Sie macht was daher. Mit ihrer Fassade aus grauem Toskana-Sandstein. W-u-n-d-e-r-s-c-h-ö-n gräulich, wahrscheinlich von der SPD-Toskana-Fraktion persönlich ausgesucht.

Das einzige noch verbliebene niedersächsische Sandsteinwerk hätte die Fassadenplatten liebend gern geliefert, zumal es kurz vor dem "Aus" steht, seit Sandstein aus Polen in den deutschen Markt gelangt – zu polnischen Preisen, versteht sich. Nix da! Herr Gollodingsbums beruft sich auf den Architekten, der schon wisse, was er da tue. Und der Herr Architekt? Der ist, man sieht's sofort an seinem Outfit, ein Designer. Dunkles Tuch, eher schwarz als gräulich, dunkles Hemd ohne Kragen, offenbar eine Designer-Spezialanfertigung, denn ein Designer in einem Hemd  m i t  Kragen kann gar kein Designer sein.

Und dieser Designer-Architekt erklärt nun, man habe sich deshalb für den grauen Sandstein aus Italien entschieden, weil die Fassaden rundum mit rötlichem Sandstein bekleidet seien. Hätte man den rötlichen niedersächsischen Sandstein verwendet, dann würde doch die wunderschöne Landesvertretung gar keinen Kontrast bilden. Ei-jei, jei, jei – wie schrecklich!

Man hätte natürlich auch in Deutschland etwas Gräuliches finden können. Rheinischen Schiefer zum Beispiel. Dazu Herr Gollodingsbums nach dem siebten niedersächsischen Pils (genossen in der "Fischerstube" seiner Landesvertretung): "Dieser Schiefer wird doch ein paar Meter südlich von Bonn abgebaut. Und Sie wissen doch, was mein Vorgänger Gerhard Schröder von Bonn im allgemeinen und vom Rheinland im besonderen hält. Greulich, kann ich Ihnen nur sagen, greulich !"

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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