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Satire des Monats Oktober 1999

Unser Autor Wolfram Dübbel ist dazu übergegangen, deutsche Gedenk- und Promotionstage zu inszenieren sowie produktbezogene Misswahlen. Nach dem überwältigen Erfolg seines "Tages des deutschen Bratapfels" (14. September) und der Wahl zur "Miss Entschlackungstee" (am 23. September in Wasserburg) hat er seine Tätigkeit in den Baubereich verlagert. Doch lesen Sie bitte selbst.

Der Tag des deutschen Bibers

Kennen Sie Maine? Das ist der nordöstlichste Bundesstaat der USA. Im Winter friert man sich dort den Arsch ab, im Sommer läuft man Gefahr, eine der vielen Klippen hinabzustürzen. Ansonsten gibt es über Maine zu berichten: Nichts als Kartoffelfelder und an der Küste eine Lobster-Bude neben der anderen, deren Gäste in Bussen anreisen, um gruppenweise Hummer zu vertilgen.

Ach ja – und dann gibt es dort noch ein Gesellschaftsereignis der besonderen Art: Die Wahl zur "Miss Potatoe-Blossem", an der der Herr Gouverneur persönlich teilnimmt. Was will ich damit sagen? Es ist kein Blütelein zu schäbig, als dass man es nicht durch eine Miss aufmendeln könnte. Hat man diese Erkenntnis erst einmal verinnerlicht, dann könnte auch Ihnen gelingen, wofür mir nun das Bundesverdienstkreuz verliehen wird:

Für meine erfolgreichen Gedenktage zum Wohle der deutschen Bauwirtschaft!

Der "Tag des deutschen Fallrohres" wurde von mir erfunden und umgesetzt. Desgleichen der "Tag des deutschen Fließestrichs", der "Tag der deutschen Rauhfasertapete", der "Tag des deutschen Porenbetonsteins" und der "Tag der Bitumen-Dickbeschichtung". Die Wahl zur "Miss Frischbeton" ist mir gut gelungen, auch die "Miss Spindeltreppe" erhielt viel Beifall, zumal sie keineswegs spindeldürr, sondern an den richtigen Stellen ordentlich gewendelt war. Die kleine Panne mit der "Miss Baugrube", die vor laufenden Kameras in dieselbe hineinplumpste, fällt da nicht weiter ins Gewicht, zumal das Trösten von Missen auch seine angenehmen Seiten hat.

Nur beim "Tag des deutschen Bibers" gab es gewisse Blessuren. Während die Veranstalter und ich natürlich den Biberschwanz-Dachziegel meinten, jenen tradionsreichen deutschen Dachziegel, denn jedermann vom Bau nur "Biber" nennt, erwarteten die zur Großkundgebung angereisten 24.300 Öko-Freaks und Naturschützer eine Aktion zugunsten des schwimmenden Nagetiers. Als sich der Irrtum aufklärte, konnte ich gottlob hinter dem Rednerpult in Deckung gehen.

Wegen Platzwunden mussten behandelt werden: der Umweltminister (der sich versehentlich eingefunden hatte), der Präsident des deutschen Dachziegelverbandes, die Justitiarin des Naturschutzbundes (ebenfalls versehentlich anwesend), drei Herren des Vorstandes der Fachgruppe Biberziegel e.V., eine Dame und zwei Herren eines Streicher-Quartetts, das die Veranstaltung musikalisch umrahmen sollte und der Beleuchter, der den Suchscheinwerfer schwenkte.

Als Wurfgeschosse dienten die zu Ausstellungszwecken bereitgelegten Biberschwanzziegel. Keine ging zu Bruch. Alles deutsche Qualität. Und solche Qualität muss hochgehalten werden. Durch eine Miss-Wahl.

Falls Sie Mitglied der Jury werden wollen, melden Sie sich bitte unter dem Stichwort "Miss Biberschwanz" unter Beifügung einer Schwindelfrei-Bescheinigung. Die Wahl wird aus PR-Gründen auf dem Dach des neuen Wohnhauses von Bodo Hombach durchgeführt.

Die Biber erhält der Bauherr zum Vorzugspreis, versteht sich.

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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