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Satire des Monats November 1999

Bauland kann kein Mensch mehr bezahlen. Wo kein Bauland, da gibt es auch nichts zu bauen. Oder doch? Die Technische Hochschule Braunschweig bietet inzwischen einen Studiengang zum Diplom-Müllhäusl-Architekten an. Unser Autor Wolfram Dübbel hat mit Prof. Dr. Paul Trennemann ein interessantes Interview geführt.

Häusl-Kultur im Vorgarten

Dübbel: "Herr Prof. Trennemann, soviel ich der neuen Studienordnung entnehmen kann, bieten Sie eine Ausbildung zum Spezialisten für Müllhäusl an. Was ist darunter zu verstehen?"

Trennemann: "Früher hatten die Hausbesitzer im Garten oder Hof ein na-Sie-wissen-schon-Häusl. Diese Häusl-Kultur wollen wir neu beleben und jetzt Häusl im Vorgarten bauen!"

Dübbel: "Ja aber es scheißt, äh,äh `tschuldigung, es verrichtet doch niemand mehr außerhalb der Wohnung seine Notdurft!"

Trennemann: "Um solche Häusl geht es doch nicht! Es geht um Häusl, die um die vielen Müllcontainer gebaut werden sollen, die ein Hausbesitzer zwangsweise aufstellen muss. Einen gelben für die Kunststoffe, einen grünen für kompostierbare Küchenabfälle, einen blauen für Papier, einen braunen für Gartenabfälle und einen grauen für den Restmüll. Die stehen in den Vorgärten herum, beanspruchen 5 qm teuren Baulandes und verschandeln das Stadtbild!"

Dübbel: "Sehr wahr, sehr wahr - aber viele Hausbesitzer bauen doch einen hölzernen Sichtschutz drumherum!"

Trennemann: "Noch schlimmer - diese eintönigen Holzverschläge! Nein, da müssen junge, fantasievolle Architekten ran, die individuelle Müllhäusl errichten. Sehen Sie hier das Modell Avantgarde, eine Stahlkonstruktion mit undurchsichtigen Scheiben und ultramarinblau beschichtetem Blechdach. Kostet 23.000 DM und gibt einem schlichten Vorgarten einen italienischen Designer-Look."

Dübbel: "Dafür ist es recht preiswert!"

Trennemann: "Und sehen Sie hier unser Künstlerhäusl mit großflächiger Bemalung von Friedensreich Hundertwasser. Ideal auch als Weihnachtsgeschenk für jene, die schon alles haben. Kosten um die 80.000 DM bei nahezu unbegrenzter Wertsteigerung! Eines Tages wird solch ein Häusl bei Sotheby's für eine Million versteigert und steht dann bei einem Millionär im Wohnzimmer!"

Dübbel: "Und das Häusl dahinten mit den Erkern und Türmchen, hatte da auch Hundertwasser seine Hand im Spiel?"

Trennemann, leicht irritiert: "Nun, dieses Modell wollen wir nicht so stark hervorheben. Es handelt sich um eine Sonderanfertigung für Karl Moik von der Volkstümlichen Hitparade. Der hat es nun gern etwas kitschig!"

Dübbel: "Soll diese zweigeschossige Konstruktion da vorne etwa Müllcontainer in zwei Etagen aufnehmen?"

Trennemann: "Sehr richtig, dafür wurde ja auch ein Lift eingebaut. Die obere Etage eignet sich aber auch als Gästezimmer mit eigener Energiegewinnung durch Solarkollektoren auf dem Dach."

Dübbel: "Ja wenn der Gast aber nachts mal muss, was dann?"

Trennemann (hinter vorgehaltener Hand): "Darüber möchte ich eigentlich nicht so gerne sprechen. Aber für Notfälle haben wir eine Klappe eingebaut und die Notdurft fällt herunter!"

Dübbel: "Fällt herunter?????"

Trennemann: "Ja, direkt in den Container für kompostierbare Abfälle!"


Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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