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Satire des Monats Februar 2000

Was dem Manne das Heimwerken, ist der Frau die Eigenproduktion von Salben, Cremes, Badeölen, Seifen und Shampoos. Lesen Sie bitte, wie sich die beiden Tätigkeiten im Hause unseres Autors segensreich verquickt haben.

Tagescreme als Fugenreiniger

Die Dinge bahnten sich ganz dezent an. Es begann mit dem Engagement meiner Gattin für den Paranußanbau auf den hinteren Molukken und die Unterstützung einer molukkischen Kooperative zur Herstellung von bioaktivem Paranußöl.

Dies Öl, sagte sie, sei ein wichtiger Rohstoff für die Produktion von Heilcremes und Kosmetika, die sie ab sofort in meiner Werkstatt zu produzieren gedenke. In meiner Werkstatt! Ich verbat mir entschieden diesen Mißbrauch. Das war am Montagabend.

Als ich am Samstag meine Werkstatt betrat, traf mich der Schlag. Im Werkzeugschrank reihten sich Porzellandosen an Porzellandosen, fein etikettiert mit "Tagescreme", "Nachtcreme", "Anti-Schuppen-Gel", "Anti-Fältchen-Balsam" und dergleichen. Und alle mit dem Zusatz versehen: "Mit original molukkischem Paranußöl!"

Ich fragte meine Gattin in der mir eigenen zurückhaltenden Weise, ob sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank habe. Worauf ich diese unziemliche Antwort erhielt: "Was schreist Du hier herum wie ein molukkischer Brüllaffe, nur weil ich mir die Kosmetika selber mache!"

I c h und schreien? Und dann noch wie ein molukkischer Brüllaffe? Das schlägt doch dem Faß den Kronleuchter ins Gesicht! Nach einer vierstündigen bioaktiven Aussprache streckte ich erst die Waffen und dann die Beine und fiel in einen Halbschlaf, in dessen Verlauf ich eine molukkische Häuptlingstochter mit "Busencreme mit Paranußöl" einrieb.

Der von meiner Gattin ersonnene Verkauf der Wundercremes in größeren Stückzahlen zwecks Finanzierung einer Reise auf die Molukken geriet zu einem Flop, weil sich die angesprochenen Damen aus dem Selbstfindungsclub auch als fanatische Salbenproduzentinnen entpuppten. Wenn auch mit unterschiedlichen Präferenzen. Die eine stand auf Jojobaöl, die andere auf Teebaumöl und die dritte auf in Mondscheinnächten kalt gepreßtem Leinsamenöl nach der Methode des Kräuterdoktors Oskar Schachtelhalm.

Was wir mit den Cremedosen gemacht haben? Ich habe sie heimlich umetikettiert und mit beachtlichem Erfolg in den Verkehr gebracht als Abbeizpaste (ehemals Anti-Pickel-Creme), als Fugenreiner (ehemals Tagescreme) oder als Möbelpolitur (ehemals Nachtcreme).

Falls Sie auch in das Geschäft einsteigen wollen - bitte sehr! In meiner Werkstatt stehen noch 26 Kanister original molukkischen Paranußöls, je 5-Liter-Gebinde 87 Dollar. Versand nur gegen Vorkasse. Umtausch oder Rückgabe ausgeschlossen.

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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