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Satire des Monats Mai 2000

Unser Autor Wolfram Dübbel beschäftigt sich heute mit den Preiseinstiegsklassen und dem Drang der deutschen Händler, sich gegenseitig bei den Preisen zu unterbieten. Das mag für den Endverbraucher verlockend sein, kann aber auch zu Enttäuschungen, Verwirrung und Mißverständnissen, ja körperlichem Unwohlsein führen. Lesen Sie bitte selbst...

Einstiegsprodukte

Was möchte die Industrie dem Handel verkaufen? Natürlich schöne teure Luxusgüter. Die Handbrause mit echter Goldauflage. Oder den reinwollenen Teppichboden aus dem Nackenhaar der edlen Kaschmirziegen. Bei Produkten dieser Art sprechen die Eingeweihten von "hochpreisigen Produkten". Die "mittleren Preislagen" werden auch noch gerne fabriziert, aber die "Preiseinstiegsprodukte" - oh je, es ist ein Graus damit.

Der deutsche Handel braucht sie aber so nötig, wie die eben erwähnte Ziege das Gras. Also wird mehr Wasser in die Wandfarbe gemischt. Die Qualität geht nach unten, die Werbesprüchen nach oben. Aber man hat ein schönes "Einstiegsprodukt", mit dem man die Kunden ins Geschäft locken kann. Und wenn nach zehnmaligem intensiven Anstarren der Farbe dieselbe von der Wand blättert?

Johann Peter Schrey, seines Zeichens Preiseinsteiger bei der Farbenfabrik N., weiß sich bei Kundenreklamationen zu helfen: "Wahrscheinlich haben Sie eine ganz billige Farbrolle benutzt, so ein Preiseinstiegsmodell! Dann k a n n das ja auch nichts werden!"

Herr Schrey ging freilich in dem Bemühen, alles und jedes zum Einstiegspreis zu erlangen, etwas zu weit. In der "Villa Venus" fiel er zunächst dadurch auf, daß er hartnäckig nach einer Flasche Sekt in der Preiseinstiegsklasse verlangte. Diese wurde ihm - wenn auch unwillig - von der Bardame dargereicht.

Das Ansinnen, die Dienstleistungen einer wohlgerundeten Blondine unbedingt auch zum Einstiegspreis in Anspruch nehmen zu wollen, fand jedoch keinerlei Gegenliebe. Sein Empörungsgeschrei rief den Hausmeister, einen Herrn Wladimir Semjonowitsch herbei, der eine goldene Uhr am Handgelenk trug, die man absolut nicht der Preiseinstiegsklasse zuordnen kann, die aber darauf hindeutet, daß sich in der "Villa Venus" doch eher Luxusgüter in der Auslage befinden.

Herr Semjonowitsch entledigte sich zunächst seiner Samtjacke und dann des Herrn Schrey, indem er diesem einen Schlag auf die Nase versetzte und in gebrochenem Deutsch hinzufügte: "Das warren mein Einstiegsmodell! Kannst auch habben einen in Luxusausfirrung!"

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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