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Satire des Monats Juli 2000

Unser Autor beschäftigt sich mit den dringenden Bedürfnissen im Frühsommer 2000, zu einer Jahreszeit also, in der das Ungeheuer von Loch Ness noch nicht aufzutauchen pflegt. Das kommt immer erst im Hochsommer. Doch dieses Jahr hat die journalistische Saure-Gurken-Zeit früher angefangen. Was für ein Glück, daß da auf einmal die Stehpinkler(innen) von sich reden machen.

Für Frauen auch im Stehen

Aus London kommt die erfreuliche Nachricht, daß nun in den öffentlichen Bedürfnisanstalten auch Urinale für Frauen installiert werden sollen. Das ist der Durchbruch, wenn auch die Meinung der Damen über das neue Abwasserbecken geteilt ist. "Man steht ja mit dem Rücken zur Wand", klagte Emily McPherson, Frauenrechtlerin aus Newcastle, "und sieht gar nicht, wie und wo man hinmacht! Und auch die nach vorn geneigte Haltung ist irgendwie unterwürfig!"

Ihr pflichtet die Gleichstellungsbeauftragte Hanna Strahl aus Wasserburg bei: "Die Männer können kerzengerade stehen und genau zielen - und wir? Wir sind mal wieder die Dummen!". Fernseh-Moderatorin (nicht -törin) Susanne Stahnke, als sog. Werbepräsenterin für das Damen-Urinal im Einsatz, hockt der ganzen Sache jedoch positiv gegenüber: "Man sollte das Urinal im Privatbad einbauen und erst einmal üben, bevor man nach London fliegt!"

Prinz Ernst August von Hannover, der infolge eines plötzlichen Harndrangs auf der EXPO in Hannover gegen den Holzpavillon der Türkei gepieselt haben soll (ein Vorfall, der den Journalisten so gelegen kam wie "Nessie" aus den Fluten des Loch Ness), verweigerte jeden Kommentar zu der Frage, ob er nicht aus Gründen der Wiedergutmachung 100 solcher Urinale für den Basar in Istanbul stiften wolle.

Seine Hoheit drohend zu mir armen Schreiberling: "Passen Sie bloß auf, daß ich Sie nicht nass mache!"

Solche Drohungen gefallen mir natürlich ganz und gar nicht. Ich werde bei nächster Gelegenheit seiner Hoheit an das Schloßtor brunzen. Natürlich mit Exklusivvertrag von der BILD-Zeitung. Das bringt 8.000 Mark ein. Nicht schlecht für einmal Wasserlassen.

Was ich mit dem Geld tun werde? Natürlich Urinale einbauen. Eins für mich, eins für meine Frau. Dieselbe meint, eines würde es auch tun und ich dürfe ihres mitbenutzen.

Wie soll das denn laufen? Rückwärts gegen die Wand und ohne, daß man(n) richtig zielen kann? Nicht mit mir, sage ich Ihnen, nicht mit mir!

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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