Die Redaktion hat sich schon gedacht, daß es ins Auge geht, wenn sich unser Autor selbst mit Heimwerkertätigkeiten
abgibt. Verfolgen Sie bitte das beklagenswerte Schicksal eines Schlappohrzwergkaninchens.
Kaninchengehege bauen
Ich solle mich bitte nicht so anstellen, erklärte mir meine eigene Tochter Marion
am Telefon. Und überhaupt, das sei doch weiter keine Mühe, einmal für eine Woche den Kaninchenkäfig meiner Enkelin
Henriette in Pension zu nehmen.
"Nun gut, den Käfig will ich wohl in Verwahrung nehmen", antwortete ich leutselig, "aber o h n e
Inhalt!"
Nun wurde mir langatmig am Telefon erklärt, daß ich erstens kein Herz für die Enkelin und zweitens keines für die
"allerliebsten süßen Schlappohrzwergkaninchen"
hätte. Das habe ich mir natürlich verbeten. Ich liebe Kaninchen, wenn sie mit einer leckeren Pilzsoße angemacht
sind.
"Du Kaninchenmörder!", klang es da durchs Telefon und der Hörer wurde aufgelegt.
Nach vier Tagen Funkstille stand Henriette samt Mama vor der Haustür - und der Käfig stand daneben. Gefüllt mit zwei
Zwergkaninchen, die mich keines Blickes würdigten.
Alles sei abgesprochen mit meiner Frau, bedeutete mir Tochter Marion. Was will man da noch sagen? Drei Frauen, die
sich verschworen haben, siegen immer!
Ich nahm also den Käfig in Empfang, knurrte die Kaninchen an und machte mich sofort daran, den Kaninchen ein
Freigehege zu bauen. Nicht aus Tierliebe, sondern aus Eigennutz. Dann bleibt der Käfig sauber, die Köttel verteilen
sich sozusagen als Düngemittel in der freien Natur.
Kaninchendraht aufgerollt, im Abstand von einem Meter dünne Bambusstangen wie eine Stopfnadel durch das Geflecht
gezogen, die Stangen in die Erde gedrückt - fertig. Den Kaninchen gefiel die Sache, das schwarze Karnickel namens
Hannibal machte Luftsprünge vor Begeisterung.
Eine Stunde später war Hannibal nicht mehr da. Meine Frau, die sich natürlich in alles
einmischen muß, hatte ein Mandarinenkistchen mit dem Boden nach oben in das Gehege gestellt, "damit die Tierchen
sich unterstellen können, wenn es regnet."
Hannibal hat aber die Kiste als Absprungbasis benutzt, nicht zum Unterstellen. So ein Kaninchen ist ja nicht
doof!
"Das Kind kriegt einen Schock für's Leben, wenn das Kaninchen weg ist!", jammerte meine Frau. "Wie kann man auch so
bescheuert sein, eine Kiste direkt an den Draht zu stellen!", herrschte ich sie an.
"Du, Du.......!" (meine Frau suchte eine schöne Beleidigung!) "Du, Du bist zu dumm, ein ausbruchsicheres Gehege zu
bauen! Jedermann kann das - nur Du nicht!"
Nach dem Austausch weiterer verbaler Zärtlichkeiten machten wir uns auf die Suche nach Hannibal. Auch die
Nachbarsgärten wurden durchkämmt. Ein Turnschuh wurde gefunden, drei alte Tennisbälle - aber kein Hannibal.
Gedrückter Stimmung saßen wir zum Abendessen auf der Terrasse. Und was sehen meine Augen? Hannibal! Er hockte keine
drei Meter entfernt im Kräuterbeet und schaute mich höhnisch an.
Hannibal sitzt wieder im Gehege. Ich habe es inzwischen auf 3 m Höhe ausgebaut.
Man kann ja nie wissen! Und wenn Sie zufälligerweise mal für eine Woche einen Löwen oder Leoparden in Pension geben
wollen, kommen Sie ruhig zu mir.
Mit mir kann man ja alles machen.
Wolfram Dübbel |