Wir haben unserem Autor dringendst geraten, unsere User nicht weiter mit seinen langatmigen Erzählungen über den Bau von Kaninchengehegen und Kaninchenställen zu langweilen. Nun kommt er uns mit einer völlig bödsinnigen Story. Vertragliche Vereinbarungen zwingen uns, diesen Quatsch zu drucken.
Der Badezimmerflaschenöffner
Was ist ein Flaschenöffner? Ein Flaschenöffner ist ein Gegenstand, der immer dann nicht greifbar ist, wenn man ihn dringend braucht. Flaschenöffner sind sozusagen metallgewordene Flüchtlinge. Sie verflüchtigen sich auf geheimnisvolle Weise.
Die üblichen Restaurant-Flaschenöffner verflüchtigen sich in die Hosentaschen der Gäste. Die Haushalts-Flaschenöffner verflüchtigen sich in die Kiste mit Stoff-Pokemons, in die hintersten Winkel eines Küchenschranks, hinter eine Klassikerausgabe mit Hölderlins Gesammelten Werken oder in den Nähkorb der lieben Ehegattin. Man hat Flaschenöffner auch schon bei Trennungsdramen und Auszug eines Partners mitsamt seiner Matratze unter derselben gefunden.
Man stößt auf sie sozusagen an jeder Ecke. Nur wenn man sie braucht, dann haben sie sich verflüchtigt. Diesem Phänomen wollen die Hersteller von Bad-Accessoires abhelfen. Sie haben den Badezimmerflaschenöffner auf den Markt geworfen. Zu haben in verchromter Standardausführung oder auf Wunsch sogar hartvergoldet.
Dieser Flaschenöffner kann sich nicht verflüchtigen, denn er wird (genauso wie der Halter für die WC-Bürste oder den Zahnputzbecher) in die Wand gedübelt. Die Frage ist natürlich: Was hat der Öffner im Bad zu suchen? Oder: Würde er nicht sinnvoller an die Küchenwand geschraubt?
Meine Recherchen ergaben, daß die Zahl der Champagnerbäder abnimmt, denn für Sektflaschen braucht man in der Tat keinen Öffner - höchstens eine Zange, um den Draht schneller vom Flaschenhals wegzukriegen.
Es nimmt aber die Zahl der Badelustigen zu, die in der Wanne Bierdurst bekommen. Auch wird berichtet, daß in steigendem Maße ökologische Wannenbäder in Apfelsaft in Mode kommen, seit die Assistentin eines "Grünen"-Ministers leichtsinnigerweise von einem derartigen gemeinsamen Baderlebnis berichtet und der Zeitschrift "Cosmopolitan" entsprechende Bilddokumente überlassen hat.
Die Chefredakteurin: "Auch ich habe in Apfelsaft gebadet - ich fühle mich wie zwanzig! Ich habe auch sofort einen Badezimmerflaschenöffner über der Wanne angeschraubt!"
Einzig die Feministin Barbara Streng, mit einem Feuilletonredakteur verheiratet, gewinnt der Sache keinen "Mehrwert" (Originalton!) ab: "Mein derzeitiger Gefährte liest stundenlang auf dem Klo - an den Flaschenöffner komme ich so gut wie nie ran.
Deshalb habe ich mir einen eigenen angeschafft.....
.....aber Momenmt mal, wo ist denn das verdammte Ding, ja wer hat ihn denn da wieder verkramt, verflucht noch mal?"
Und dann schreiend: "Wölfi, kommst Du endlich mal vom Klo runter, ich muß an den F-l-a-s-c-h-e-n-ö-f-f-n-e-r!"
Wolfram Dübbel |