Unser Autor widmet sich ausgerechnet im Weihnachtsmonat einem Thema, das wir erstens generell für unwesentlich und speziell in dieser Jahreszeit für unpassend halten. Leider sind wir aufgrund vertraglicher Vereinbarungen genötigt, die sog. Satire über Deckelbezüge ins Netz zu stellen. Wir bitten unsere User um Nachsicht.
Dackelbezug aus Deckelbezug
In den 70-er Jahren litten die deutsche Toilettenpapierrollen bekanntermaßen unter großen Dauerkälteschmerzen. Jedenfalls wurden sie zu hunderttausenden mit einem selbstgehäkelten, rüschenbesetzten Bezug umhüllt - und auf der Ablage hinter den PKW-Rücksitzen deponiert.
So dokumentierten deutsche Auto-Touristen, daß sie erstens kein Zutrauen zu ausländischem Toilettenpapier hatten. Und zweitens bewiesen sie aller Welt, wie fürsorglich die Deutschen mit solchen Rollen umgehen und diese in liebevolle, meist rosa gehaltene wollene Mäntelchen stecken, damit sie bei 45° Hitze in Spanien nur ja keinen Kälteschock erleiden.
Die Toilettenrollenmäntelchen sind leider verschwunden, gelegentlich findet man noch welche auf Flohmärkten, wo sie als Sinnbild deutscher Spießigkeit Liebhaberpreise erzielen. Stattdessen hat sich die Fürsorge der Deutschen den Toilettensitzen zugewandt, die ebenfalls dauernd frieren. Jedenfalls werden sie mit flauschigen Deckelbezügen bekleidet, was zwar aus Gründen der Hygiene bedenklich, aber aus Gründen des Respekts vor der deutschen Gemütslage durchaus begrüßenswert ist.
Wenn schon der Dackel als Inbegriff deutscher Innerlichkeit winters einen Dackelbezug trägt - Waldi's "Eltern" sprechen auch von einem "Hundi-Mäntelchen" - warum sollte der deutsche WC-Deckel nicht auch ummantelt werden?
Er wird, Freunde, er wird! Und das nicht nur zur Sommerszeit, erst recht im Winter, wenn es in die deutschen Badezimmer hineinschneit und solch ein armer WC-Deckel aus echtem tropischen Holz von Schüttelfrösten geplagt wird.
Ich muß gestehen, daß ich ein erbitterter Gegner dieser Bezüge bin und aus dem lindgrünen Plüschbezug, den meine Gattin neulich mitgebracht hat, ein Mäntelchen für den Dackel meiner Schwägerin Henriette zurechtgeschnitten habe.
Dackel Schnurzel (so heißt der Hund), mir für 14 Tage als Pensionsgast anvertraut, erregte damit allgemeines Gelächter. Und meine Schwägerin einen Schock, als ich sie mit dem ummantelten Schnurzel am Flughafen von der Urlaubsreise abholte.
Meine Schwägerin hat sich inzwischen etwas erholt, Schnurzel ist in Behandlung beim Tierpsychologen, meine Frau redet kein Wort mehr mit mir und ich? Ich fühle mich gelöst und heiter und habe schon die Dackelhündin "Jenny" im Visier.
Die lebt drei Häuser weiter und weiß noch nicht, daß ich ihr bei nächster Gelegenheit einen Dackelbezug verpassen werden. In Rosa und schön flauschig. Aus dem Gästebad meiner Schwägerin, wo ich ihn gedackelt habe.
Wolfram Dübbel |