Unser Autor lebt, wie die regelmäßigen Leser seiner Satire wissen, in einem etwas angespannten Verhältnis zu seinem Schwiegersohn. Zwecks Verbesserung der Beziehungen hat er ihm etwas sehr Nützliches gebastelt. Aber lesen Sie selbst.
Die selbstgebaute Unterhosen-Anziehhilfe
Mein Schwiegersohn gehört zu den Männern, die Probleme beim Anziehen ihrer Unterhose haben. Sobald mein Schwiegersohn auf einem Fuß steht, um mit dem anderen in seine Unterhose zu steigen, ist Gefahr im Verzug! Er bleibt nämlich regelmäßig mit dem großen oder kleinen Zeh im Beinausschnitt der Unterhose hängen und hampelt dann auf einem Bein so lange herum, bis der Zeh freikommt und der Fuß durch den Beinausschnitt rutscht.
Und bei einer derartigen Übung ist er nun hingefallen. Mit einem "leichten Hüpfer", wie er sich auszudrücken beliebte, wollte er seine Zehen von der Unterhose oder die Unterhose von den Zehen befreien. Und da lag er nun wehklagend im Schlafzimmer mit einer Platzwunde am Kopf, denn Bettkanten sind hart. Und eine Bänderdehnung am kleinen Zeh des rechten Fußes hat er sich auch noch zugezogen.
Kaum hatte ich von dem Mißgeschick erfahren, habe ich eine Unterhosen-Anziehhilfe gebaut. Und zwar aus dem Reststück eines Edelstahl-Schornsteinrohrs, bestehend aus zwei 35 cm langen Rohren, sauber zurechtgesägt und entgratet.
Ich habe ihm auch eine schriftliche Anleitung mitgegeben:
- Man ziehe die Unterhose über die beiden Rohre
- Man steige mit den Beinen in die Rohre
- Man ziehe die Unterhose hoch; sie läßt sich nun problemlos
über die Oberschenkel und dann über die Hüfte ziehen, ohne dass sich die Zehen in der Hose verfangen
Aber was kann ich dafür, dass dieses Rindvieh von Schwiegersohn eine Unterhose mit solch engem Beinausschnitt trägt, dass die Hose nicht über die Rohre gleitet, sondern die Rohre gleichsam umklammert? Und was kann ich dafür, dass mein dämlicher Schwiegersohn die Unterhose samt Rohren hochzieht und dann erstaunt die Unterhose losläßt, so dass die Rohre auf seine Füße prallen?
Zwei saubere, gerade verlaufende Platzwunden hat er erlitten, der Arme. Das hat er ja gerade noch verkraftet. Aber dass meine Enkelin Marion in der Nachbarschaft und in der Schule stolz erzählt hat, "meinem Vati sind zwei Rohre aus der Unterhose gefallen...und nun sind seine Füße ganz voll Blut", das hat ihn um den Verstand gebracht.
In der ersten Woche in der psychiatrischen Privatklinik hat er sich geweigert, sich mit einer Unterhose zu bekleiden. Inzwischen ist er bereit, Badeshorts mit weit geschnittenen Beinausschnitten im Liegen anzuziehen. Er ist also auf dem Weg der Besserung und soll zu Weihnachten seine Familie besuchen dürfen. Und darüber freut sich von ganzem Herzen
Wolfram Dübbel |