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Innenwände versetzen, tragende Wände raus – wie macht man das?

Die Statik muss stimmen Immer wieder erreichen uns Anfragen von Usern, die in ihrem Haus eine Wand versetzen oder ganz rausreißen wollen. Die Standardfrage lautet dann: "Woran lässt sich erkennen, ob es sich um eine tragende Wand handelt? Was muss ich tun, wenn ich eine tragende Wand abreißen will?" Nach dem Motto "selbst ist der Mann" möchte so mancher Hausbesitzer am liebsten sofort mit dem Meißelhammer loslegen und die ersten Steine rausstemmen. Tragende Wand?, sagt er sich, das ist doch kein Problem. Einfach ein wenig hier und dort abstützen, ein Stahlträger rein und fertig. Die Gesetze der Statik sind für ihn kein Hindernis und einen Statiker hält er für einen Menschen, der eine Menge Kohle für wenig Leistung haben will. Das muss auch günstiger und nach altem Vorschlaghammer-Rezept vor sich gehen, denkt er sich. Und da denkt er grundfalsch.

Bei tragenden Wänden Statik beachten



Die Statik beschäftigt sich mit ruhenden Lasten, was aber nicht gleichzusetzen ist mit "ruhige Kugel schieben". Ganz schnell wird aus einem statischen Problem ein mechanisches Problem. Dann nämlich, wenn die Lasten in Bewegung geraten. Und ist die Wand erst einmal in Bewegung, kommen Decken oder das Dach ganz schnell hinterher, wenn es blöd läuft. Vielleicht hat der eifrige Heimwerker Glück und kommt mit einigen Rissen hier und da und mit dem Schrecken davon. Wenn er jedoch Pech hat, liegt er selbst und womöglich noch andere Mitmenschen unter einem großen Haufen Schutt und Asche.

Es ist daher nicht besonders ratsam, am falschen Ende und damit am Statiker zu sparen. Wenn das Auto Bremsprobleme hat, werden sich die meisten wohl auch davor hüten, selbst Hand anzulegen. Nicht dass wir davon abraten wollen, selbst den Meißelhammer in Vibration zu versetzen. Dieser Muskelkater sei jedem gegönnt. Nur sollte zuvor eben ein Statiker oder ein Bauingenieur gefragt werden. Nur dieser kann zweifelsfrei sagen, ob es sich um eine tragende Wand oder um eine nicht tragende Wand handelt.

Sofern es statische Unterlagen für das Haus gibt, ist das alles kein Problem. Hat man diese selbst nicht mehr, kann einem vielleicht das Bauamt helfen, das alle Baugenehmigungen samt Statik archiviert hat - natürlich nicht für Altbauten von Anno Tobak. Weil bei alten Häusern meistens keine Statik (mehr) vorhanden ist, mit deren Hilfe die Umbau-Möglichkeiten abgeschätzt werden können, muss der Statiker erst einmal eine Bestandsaufnahme machen, damit er die vorhandene Situation beurteilen kann. Gerade bei alten Konstruktionen ist es oft nicht einfach, sie rechnerisch genau zu erfassen. Ein erfahrener Statiker wird jedoch schnell überschlagen können, ob ein Umbau mit sinnvollem Gesamtaufwand machbar ist und welche Alternativen eventuell in Frage kommen.

Wandstärke gibt nicht zwangsläufig Aufschluss



Dass die Wandstärke Aufschluss über tragend oder nicht tragend gibt, ist ein weitverbreiteter Irrglaube. Selbst sogenannte Bundwände (Wandstärke von 7 cm und Holzausfachung zuzüglich Putz) sind mitunter im Altbau tragende Wände und die Wohnungstrennwände von 24 cm dann nicht tragende Wände. Auch wenn die Wand keine Last von oben zu tragen hat, ist sie möglicherweise für die Gesamtstabilität des Gebäudes erforderlich, z.B. um Windlasten aufzunehmen oder um Querwände zu stabilisieren. Hier übernehmen Wände also keine tragende, sondern eine aussteifende Aufgabe. Eine nichttragende Wand einfach so zu entfernen, kann sich daher ebenfalls als fataler Irrtum herausstellen.

Fehlen die Bauunterlagen, kann das Tragverhalten der Wände nur durch eine Ortsbesichtigung bestimmt werden. Der Statiker bzw. Bauingenieur muss sich dann zum Beispiel folgende Fragen stellen: Wurden Wände bereits geschwächt? Welche Lastabtragungen werden bereits durchgeführt? Wie sind die Lagerungen im Fundamentbereich? Sind Außermittigkeiten vorhanden? Ist ein Deckenschub abzufangen? Das erkennt nur ein Fachmann. Der kann dann auch gleich noch die Knicklängen bestimmen und eine saubere statische Berechnung vornehmen. Für die er natürlich auch gerade stehen muss und für die er haftet.

Dennoch wollen wir hier einige Hinweise geben, woran man möglicherweise eine tragende Wand erkennen kann. Die Betonung liegt auf "möglicherweise"!

Je dicker das Mauerwerk, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine tragende Wand handelt. Wie bereits erläutert, gilt allerdings nicht im Umkehrschluss, dass dünne Wände gleichbedeutend mit nichttragend sind. Wenn die Wände übereinander stehen und das so bis in den Keller so geht, ist die Wahrscheinlichkeit ebenfalls groß, dass es sich um eine tragende Wand handelt. Vor allem bei neueren Häusern ist es aber auch so, dass tragende Wände häufig nicht übereinander angeordnet sind. Man kann auch den Putz im oberen Wandbereich abschlagen und nachschauen, ob die Decke direkt auf der letzten Steinreihe aufliegt. Dann besteht ebenfalls eine gute Chance, dass es eine tragende Wand sein könnte. Befindet sich oberhalb der letzten Steinschicht noch eine Mörtelfuge, ist es ein Indiz für eine nichttragende Wand.


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