Die Geschichte, die unser Autor diesmal präsentiert, ist eine Realsatire. Denn sie hat sich wirklich ereignet. Und zwar anno 2006 zu Willich bei Düsseldorf im kalten und regenreichsten August seit Menschengedenken. Im Mittelpunkt steht des deutschen Mannes (nach dem Auto) zweitliebstes Kind - der Gartengrill.
Wie man mit einem Grill des Nachbarn Haus abfackelt
Hat man je einen solch schauderhaft nassen und kalten August erlebt, wie den anno 2006? Kein Wunder also, dass die drei Stunden, in denen die Sonne schien, Herrn Botterweck aus Willich zu hektischem Grillvergnügen anstachelten.
Die Würstchen und der Schweinenacken gerieten wunderbar und waren schnell verzehrt. Schnell deshalb, weil man ja nicht wissen konnte, wann der nächste Sturzbach herunterkommen würde. Man saß also noch gemütlich im Garten und wärmte sich etwas an der reichlich vorhanden Glut.
Da kam Herr Botterweck auf einen guten Gedanken. Wie wäre es, wenn man die Glut zwecks Erwärmung nutzen und Reststücke Holz aus der Hobby-Werkstatt hinzugeben würde? Da Herr Botterweck gerade eine Bierflasche in der Hand hielt, beauftragte er sein Ehefrau:
"Jutta, schmeiß doch dat alde Holz ausse Werkstatt auffe Glut. Dann wirttet noch wat warm hier und dat Holz hammer auch weg!"
Ob Jutta grundsätzlich die Anordnungen ihres Mannes befolgt, ist nicht bekannt. In diesem Fall tat sie es - und sie tat sogar des Guten zu viel. Jedenfalls brannte das Restholz lichterloh, knisterte schön und die Funken flogen weit.
Sie flogen bis unter den Anbau-Carport des Nachbarn. Was soll ich Ihre Spannung, liebe Leserinnen und Leser, hinauszögern? Ich mache es deshalb kurz. Der Carport brannte ab und das Haus des Nachbarn ebenso. Herr Botterweck und seine Frau haben sich seitdem in den Haaren, weil sie schreit "Du hast mich doch jesacht, ich soll dat Holz drop dunn (drauf tun)!" Und er zurück schreit: "Wie kamma so bekloppt sinn und dat janz Holz op eenmol drop dunn!"
Die Sache hat aber auch einen versöhnlichen Aspekt. Das Haus der Familie Botterweck wurde nicht in Mitleidenschaft gezogen. Auch der Grill funktioniert noch einwandfrei. Und in der Werkstatt liegt auch kein Holz mehr rum.
Wolfram Dübbel |