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Keller-Außenwand am Altbau abdichten


Dipl. Geol. Hubert Wiesen, IGS-Institut für Gebäudeanalyse und Sanierungsplanung

Die nachträgliche Abdichtung von Kellerwänden oder Fundamenten bedingt die Notwendigkeit, diese Flächen freizulegen - also entweder mit Maschineneinsatz oder händisch zu graben. Anschließend erfolgen die Reinigung und Vorbereitung der Oberflächen und die Applikation der Abdichtung.

Bereits der erste Schritt - die Erdarbeiten - stoßen häufig auf Schwierigkeiten durch im Erdreich verlaufende Leitungen oder eine dichte Nachbarbebauung, so dass die Maßnahmen kostenintensiv werden oder völlig unterbleiben und stattdessen andere Lösungen gewählt werden.

Der nachträgliche Einbau einer Horizontalsperre stellt eine solche andere Lösung dar, die aber neben den ebenfalls nicht geringen Kosten zumindest den weiteren Nachteil hat, dass unterhalb liegende Kellerwände zwangsläufig "nass" bleiben.

Diese Probleme bei den Erd- und Abdichtungsarbeiten verspricht ein neues Verfahren zu lösen, das unter der Bezeichnung "Groundworker" firmiert. Hierbei wird nach Angaben des Herstellers mit einer Druckluftlanze das Erdreich parallel zu den Fundamenten oder Kellermauern aufgelockert und mit einem groß dimensionierten Druckluftsauger abgesaugt. Das Ergebnis ist ein standfester Erdschlitz mit einer Breite von ca. 15 bis 30 cm, der in eine Tiefe bis 5 m reichen kann.

Anschließend werden in den Erdschlitz Polystyrolplatten (mit Nut- und Feder sowie Abstandshaltern) eingestellt und der Raum zwischen Mauerwerk und Polystyrolplatten mit einem abdichtenden Polyurethan(PU)-Gel vergossen.

Das Verfahren wurde bislang durch das IGS an einem Objekt begutachtet, wobei sich herausstellte, dass die Herstellung des Erdschlitzes (in kiesigem Boden mit wenig bindigen Anteilen) tatsächlich weitgehend problemlos funktionierte.

Die eigentliche Abdichtung ist ein wenig kritischer zu beurteilen: Problempunkt sind hierbei die systembedingt nicht mögliche Kontrolle des Vergusses des Zwischenraums und damit mögliche Fehler in der Abdichtung. Zwar läßt sich anhand des verbrauchten PU-Gels eine vollflächige Abdichtung theoretisch "hochrechnen" - ein teilweises Versickern des PU-Gels nach "irgendwo" ist aber nicht auszuschließen. Insofern ist der Einsatz dieses Verfahrens bei (auch nur zeitweise) drückendem Wasser kaum zu empfehlen - bietet aber bei Bodenfeuchtigkeit als alleinige Durchfeuchtungsursache ausreichenden Schutz, da bereits die Polystyrolplatten eine brauchbare (natürlich nicht DIN-18195-gerechte) Abdichtung bieten.

Ein weiteres - nicht mehr ganz so neues, aber dafür DIN-18195-zulässiges - Abdichtungssystem stellen Kombinationsprodukte aus Ethylen-Copolymerisat-Bitumen(ECB)-Bahnen in Kombination mit acrylatgetränktem PU-Schaum oder geschlossenzelligem PE-Schaum dar. Was hier nach organischer Chemie in Höchstform klingt, ist eigentlich die - zugegebenermaßen clevere - Kombination von zwei "alten Hüten": Abdichtungsbahnen mit Schaumgummi an der Rückseite (der Hersteller möge diese Vereinfachung verzeihen, aber sonst ist das Prinzip kaum erklärbar).

Dieses Produkt wird "einfach" vor die hier allerdings aufzugrabende Wandfläche gestellt und lediglich an den Stößen verschweißt - ein Verschweißen oder Verkleben mit dem Untergrund erfolgt nicht. Wesentlicher Vorteil dieser Abdichtungstechnik ist, dass die Vorbereitung des Untergrundes (Reinigung, Ausgleichsputz) und somit die Kosten hierfür entfallen. Bei einer Schaumstoffdicke von 2 bis 5 cm gibt es obendrein eine Perimeterdämmung, die beim Wärmeschutznachweis vielleicht das liefert, was sonstwo fehlt.

Geschmackssache - und für Denkmalpfleger wohl "unappetitlich" - ist bei diesem Abdichtungssystem der obere Abschluß der Abdichtung mittels einer Profilleiste, so dass der Einsatzbereich wohl auf Gebäude mit geringeren formalen Ansprüchen beschränkt bleibt. Die Reversibilität dieses Abdichtungssystems spricht allerdings wiederum für den Einsatz auch an denkmalgeschützten Gebäuden.

Kritisch zu betrachten ist der Hinweis des Herstellers, dass bei drückendem Wasser "die Vertikalabdichtung wasserdicht an die Horizontalabdichtung im Mauerwerk anzuschließen ist" - eine Forderung, die zumindest bei Altbauten schwer zu realisieren sein dürfte, so dass auch hier die Empfehlung "Einsatz bei Lastfall Bodenfeuchtigkeit" gilt.


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