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Die Satire des Monats März 2006 in unserem Online-Baumarkt

Unser Autor mußte das Haus seines hochbetagten Erbonkels ausräumen, nachdem dieser in ein Pflegeheim gekommen war. Dabei stellte sich heraus, dass der Onkel in seiner Heimwerker-Werkstatt wahre Schätze gehortet hatte.

Meines Onkels Nagel- und Schraubendosen

Mein Erbonkel wurde geboren, als das Kaiserreich noch Bestand hatte. Das war 1916. Und weil man damals noch kaisertreu war, erhielten männliche Babies Namen wie Karl-Wilhelm oder Friedrich-Wilhelm, in Ausnahmefällen wurden sie auch Heinrich oder Otto genannt - immerhin waren das ja auch deutsche Kaiser.

Mein Onkel Karl-Wilhelm rettete sich und seine Familie über die miesen Jahre des 2. Weltkriegs und der Nachkriegs-Hungerjahre, indem er fast alles, was man im Haushalt so an Möbeln brauchte, selbst zusammen tischlerte. Und Schlosserarbeiten hat er auch verrichtet, wie die Familie zu berichten wußte: "Der hat unsere alte, löcherige Zinkbadewanne geschweißt, so dass wir 1946 wenigstens mal baden konnten, nachdem unser Haus zerbombt worden war."

Ja, das Haus war zerbombt, aber die Werkstatt nicht. Und so zimmerte er an die Werkstatt einen Schuppen - Unterkunft für die Familie für zwei lange Jahre. Einen Kanonenofen hatte er irgendwie "organisiert" und Brennmaterial, sonst größte Mangelware im zerstörten Deutschen Reich, hatte er auch ausreichend. Er verfeuerte nach und nach den Dachstuhl seines zerstörten Hauses - und den des Nachbarhauses gleich mit, denn die Nachbarn waren in den Trümmern umgekommen.

Onkel Karl-Wilhelm konnte natürlich nichts wegwerfen. Jeder krumme Nagel wurde grade geklopft und gesammelt. Keine Schraube kam unter die Räder. Alles hob unser braver Onkel auf - in Zigaretten-Blechdosen. Kunststoff-Magazine kannte man damals eben nicht.

Was sehe ich also, als ich einen Schrank in der Werkstatt öffne? An die vier dutzend farbiger, wenn auch teilweise zerkratzter Zigaretten-Blechdosen, darunter als Rarität eine Prinz-Heinrich-Blechdose mit dem Bild des kaiserlichen Prinzen und "Erfinders" der nautischen Prinz-Heinrich-Mütze.

Um es kurz zu machen: Ich habe alle Nägel, Schrauben, Federn, Krampen und Muttern entsorgt, wie man so schön sagt. Die alten Dosen habe ich jedoch gereinigt und über ebay versteigert.

Alte Zigarettendosen sind Sammelobjekte. Erlöst habe ich 1.637 €, für die Prinzen-Dose hat ein Sammelwütiger 423 € geboten.

Man soll eben nichts wegwerfen.

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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