Bei der Verarbeitung von Gipsplatten (d.h. Gipskartonplatten oder Gipsfaserplatten) entstehen an den Plattenstößen zwangsläufig Fugen. Sei es beim Ausbau eines Dachgeschosses oder beim Errichten einer Trennwand. Wie ein Selbermacher die Fugen verspachteln kann, können Sie in dieser Anleitung erfahren. Doch wie sieht es aus, wenn ein Trockenbau-Handwerker die Arbeit macht? Mit welcher Qualität darf ein Bauherr rechnen? Bei der Verspachtelung gibt es keine Norm in Bezug auf die Oberflächen- und Ebenheitsqualität. Begriffe wie "malerfertig", "streichfertig" oder "oberflächenfertig" waren bisher üblich, sind allerdings rein subjektiv und somit ungeeignet, um im Vorfeld Leistungsanforderungen detailliert zu beschreiben.
Der Bundesverband der Gips- und Gipsplatten-Industrie e.V. hat daher ein Merkblatt veröffentlicht, in dem eine Vierteilung in Qualitätsstufen vorgenommen wurde. Damit können Architekten, Planer und Verarbeiter die geforderte Oberflächengüte genau definieren und per Leistungsverzeichnis vereinbaren.
Werden bei der Beurteilung oder Abnahme der gespachtelten Oberflächen spezielle Lichtverhältnisse - z.B. Streiflicht als natürliches Licht oder künstliche Beleuchtung - mit herangezogen, ist vom Auftraggeber dafür zu sorgen, dass bereits während der Ausführung der Spachtelarbeiten vergleichbare Lichtverhältnisse vorhanden sind. Da die Lichtverhältnisse in der Regel nicht konstant sind, kann eine eindeutige Beurteilung der Trockenbauarbeit nur für eine vor Ausführung der Spachtelarbeit definierte Lichtsituation vorgenommen werden. Die Lichtsituation ist dementsprechend vertraglich zu vereinbaren.
Qualitätsstufe Q 1 bei Gipsplatten
Für Oberflächen, an die keine optischen (dekorativen) Anforderungen gestellt werden, ist eine Grundverspachtelung (Q 1) ausreichend.
Qualitätsstufe 1 eignet sich für:
Das Auftragen von Fliesen.
Andere keramische Beläge.
Qualitätsstufe 1 umfasst folgende Arbeitsgänge:
Das Füllen der Stoßfuge der Gipsplatten.
Das Überziehen der sichtbaren Teile der Befestigungsmittel.
Überstehendes Spachtelmaterial ist abzustoßen. Werkzeugbedingte Markierungen, Riefen und Grate sind zulässig.
Die Verspachtelung nach Q 1 schließt das Einlegen von Bewehrungsstreifen ein, sofern das gewählte Verspachtelungssystem (Spachtelmaterial, Kantenform der Platten) dies vorsieht.
Wenn es aus konstruktiven Gründen notwendig ist, sind ebenfalls Bewehrungsstreifen einzulegen.
Bei mehrlagigen Beplankungen ist bei den unteren Plattenlagen ein Füllen der Stoßfugen ausreichend, allerdings auch notwendig. Auf das Überspachteln der Befestigungsmittel kann bei den unteren Plattenlagen verzichtet werden.
Bei Flächen, die mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten versehen werden sollen, ist das Füllen der Fugen ausreichend. Glätten ist ebenso zu vermeiden, wie das seitliche Verziehen des Spachtelmaterials über den unmittelbaren Fugenbereich hinaus.
Anstelle der für Gipsplatten üblichen Spachtelmassen können die Fugen unter Beachtung der Verarbeitungshinweise des Kleberherstellers auch mit den für keramische Bekleidungen verwendeten Klebstoffen (Dispersionsklebstoff) oder Epoxidharzklebstoff) oder geeigneten Mörteln (Gipsverträglichkeit beachten) geschlossen werden.
Qualitätsstufe Q 2 bei Gipsplatten
Die Verspachtelung nach Q 2 entspricht der früheren Standardverspachtelung. Nach der Grundverspachtelung (Q 1) müssen die Fugen, Befestigungsmittel, Innen- und Außenecken sowie Anschlüsse bis zum Erreichen eines stufenlosen Übergangs zur Plattenoberfläche angeglichen werden.
Für das Erreichen der Qualitätsstufe Q 2 ist es notwendig, dass die erforderlichen Trocknungszeiten eingehalten werden.
Qualitätsstufe 2 eignet sich für:
Mittel und grob strukturierte Wandbekleidungen, z.B. Tapeten wie Raufasertapete (Körnung RM oder RG nach DIN 6742).
Matte füllende Anstriche / Beschichtungen (z.B. Dispersionsanstriche), die manuell - mit Lammfell- oder Strukturrolle - aufgetragen werden.
Oberputze ab 1 mm Korngröße.
Qualitätsstufe 2 umfasst folgende Arbeitsgänge:
Die Grundverspachtelung (Q 1).
Das Nachspachteln (Feinspachteln, Finish) bis zum Erreichen eines stufenlosen Übergangs zur Plattenoberfläche.
Im Gegensatz zu Q 1 dürfen keine Bearbeitungsabdrücke oder Spachtelgrade sichtbar bleiben. Falls erforderlich, sind die verspachtelten Bereiche zu schleifen.
Bei Q 2 als Grundlage für Wandbekleidungen, Anstriche und Beschichtungen sind Abzeichnungen, insbesondere bei Einwirkung von Streiflicht, nicht auszuschließen.
Eine Verringerung dieser Effekte lässt sich mit Qualitätsstufe 3 erreichen.
Qualitätsstufe Q 3 bei Gipsplatten
Q 3 ist eine Sonderverspachtelung für erhöhte Anforderungen an die gespachtelte Oberfläche. Dementsprechend sind neben der Grund- und Standardverspachtelung noch weitere Arbeitsgänge notwendig.
Für das Erreichen der Qualitätsstufe Q 3 ist es notwendig, dass die erforderlichen Trocknungszeiten eingehalten werden.
Qualitätsstufe 3 eignet sich für:
Fein strukturierte Wandbekleidungen.
Matte, nicht strukturierte Anstriche und Beschichtungen.
Oberputze, deren Körnung nicht mehr als 1 mm beträgt.
Qualitätsstufe 3 umfasst folgende Arbeitsgänge:
Die Standardverspachtelung (Q 2).
Ein breiteres Ausspachteln der Fugen.
Ein scharfes Abziehen der restlichen Kartonoberfläche zum Porenverschluss mit Spachtelmaterial (dafür ist kein Finish-Material erforderlich).
Im Bedarfsfall sind die gespachtelten Flächen zu schleifen.
Auch bei der Sonderverspachtelung (Q 3) sind bei Streiflicht sichtbar werdende Abzeichnungen nicht völlig auszuschließen und nach VOB/C, DIN 18350, Nr. 3.1.2 zulässig. Grad und Umfang solcher Abzeichnungen sind jedoch gegenüber der Standardverspachtelung geringer.
Qualitätsstufe Q 4 bei Gipsplatten
Q 4 erfüllt die höchsten Ansprüche an die gespachtelte Oberfläche. Dafür muss die gesamte Oberfläche vollflächig verspachtelt oder abgestuckt werden.
Für das Erreichen der Qualitätsstufe Q 4 ist es notwendig, dass die erforderlichen Trocknungszeiten eingehalten werden.
Qualitätsstufe 4 eignet sich für:
Glatte oder strukturierte Wandbekleidungen mit Glanz, z.B. Metall- oder Vinyltapeten.
Lasuren und Anstriche / Beschichtungen bis zu mittlerem Glanz.
Stuccolustro oder andere hochwertige Glätt-Techniken.
Qualitätsstufe 4 umfasst folgende Arbeitsgänge:
Die Standardverspachtelung (Q 2).
Ein breiteres Ausspachteln der Fuge.
Ein vollflächiges Überziehen und Glätten der gesamten Oberfläche, bis etwa 3 mm Schichtdicke.
Eine Oberflächenbehandlung, die nach dieser Klassifizierung die höchsten Anforderungen erfüllt, minimiert die Möglichkeit von Abzeichnungen der Plattenoberfläche und Fugen. Soweit Lichteinwirkungen (z.B. Streiflicht) das Erscheinungsbild der fertigen Oberfläche beeinflussen können, werden unerwünschte Effekte (z.B. wechselnde Schattierungen auf der Oberfläche oder minimale örtliche Markierungen) weitgehend vermieden. Sie lassen sich nicht völlig ausschließen, da Lichteinflüsse in einem weiten Bereich variieren und nicht eindeutig erfasst und bewertet werden können. Darüber hinaus sind die Grenzen der handwerklichen Ausführungsmöglichkeiten zu beachten.
In Einzelfällen kann es erforderlich sein, dass in Verbindung mit Beschichtungs- und Klebearbeiten weitere Maßnahmen zur Vorbereitung der Oberfläche für die Schlussbeschichtung notwendig sind, z.B. für glänzende Beschichtungen, Lackierungen, Lacktapeten.
Wenn Sie mit dem Gedanken liebäugeln, ein Fertighaus oder Holzhaus zu kaufen
oder an einem Grund- stück interessiert sind, sollten Sie das
Portal www.fertighaus.de besuchen mit
über 2.000 Häusern von rund 90 Fertighaus-Anbietern.