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Obstbäume und Obststräucher richtig düngen

Wer einen kleinen Garten hat, sollte doch einen Obstbaum und zwei bis drei Beerensträucher pflanzen. Nichts ist schöner, als das Meer von Blüten bei Apfel-, Kirsch- oder Pflaumenbäumen! Wer einen großen Garten hat, kann aus ihm richtig schöne Ernteerträge erzielen. Richtig gelagert, schmeckt der Apfel aus dem eigenen Garten auch noch im Dezember schön knackig. Und selbst gemachtes und in Gläser abgefülltes Pflaumenmus macht (nicht nur) Kindern das ganze Jahr über Appetit. Doch wie und wann düngen? Lesen Sie bitte diesen Beitrag, den die Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau verfaßt hat und den wir freundlicherweise veröffentlichen dürfen.
 
Obstbäume und -sträucher sollten nur mäßig mit Stickstoff versorgt werden. Folgen von Überdüngung mit Stickstoff sind:
  • Zu starkes Triebwachstum, während die Blüten- und Fruchtbildung zurückbleibt
  • Erhöhte Anfälligkeit für tierische und pilzliche Schaderreger, da Triebe, Blätter und Früchte bei beschleunigtem Wachstum weich bleiben
  • Frostschäden an unausgereiftem Holz
  • Anreicherung von Nährstoffen im Boden mit der Folge unharmonischer Nährstoffaufnahme
Wünschenswert sind "ruhige" Bäume und Sträucher, die sich im Gleichgewicht zwischen vegetativem und generativem Wachstum befinden.
 

Düngung von neu gepflanzten Obstbäumen und Beerensträuchern


Da man den Erdaushub eines möglichst geräumigen Pflanzloches mit verrottetem Stallmist, Kompost oder Pflanzerde gut vermischt über die Wurzeln füllt, wird ein Teil des Nährstoffbedarfs aus diesen organischen Quellen geliefert. In den ersten 3 bis 4 Jahren wird die Pflanzstelle (Baumscheibe mit etwa 60 cm Durchmesser) jährlich mit 10 g Blaukorn Entec (14% N, 7% P2O5, 17% K20) oder 15 g Hornoska (8% N, 4% P2O5, 10% K2O) bestreut. Bester Zeitpunkt für diese Düngung ist Anfang April. In Blaukorn Entec wird ein Teil des Stickstoffes nur verzögert freigegeben. Die Gefahr der Nitratauswaschung ist damit, wie bei Hornoska, deutlich geringer.

Zur Unterdrückung von Unkräutern empfiehlt es sich, die Baumscheibe über den Sommer mit organischem Material zu mulchen. Da Wühlmäuse, die bevorzugt Wurzeln junger Bäume fressen, Schutz unter einer Abdeckung finden, soll der Mulch ab September weggeräumt werden.

Bringen Sie keine frischen Holzhäcksel in den Erdaushub mit ein oder auf die Baumscheibe junger Obstgehölze, da diese bei der Verrottung den Stickstoff aus dem Boden verbrauchen, der dann den Pflanzen fehlt. Dagegen können die Baumscheiben älterer Bäume, die vorher gedüngt wurden, mit holzhaltigen Mulchmaterialien bedeckt werden. Bei Verwendung von reifem Kompost zur Düngung eines Obstbaumes oder Beerenstrauches reichen in den ersten Standjahren 1 bis 1,5 Liter pro Baum bzw. Strauch im Jahr. Damit ist der Phosphor- und Kalibedarf abgedeckt; es muss nur noch Stickstoff ausgebracht werden: pro Baum bzw. Strauch gibt man entweder 10 g Hornmehl (meist knapp 13% N) oder 6 g Kalkammonsalpeter (27% N).
 

Düngung von älteren Bäumen und Sträuchern im Vollertrag


Kleinkronige Obstbäume oder -sträucher stehen oft im Rasen oder in der Wiese ohne Baumscheibe. Da die Gräser Nährstoffe und Wasser entziehen, sind jedoch gerade hier größere Baumscheiben (ca. 1 m Durchmesser) mit Mulchabdeckung im Sommer sinnvoll. Dies trifft besonders auf Buschbäume von schwachwachsenden Veredlungsunterlagen zu, wie z. B. M 9, M 27, M 26 bei Apfel, Quitte bei Birne, Weiroot- und GiSelA-Unterlagen der Süßkirsche, St. Julien A oder 655/2 bei Zwetschgen. Gleichermaßen dankbar für eine Baumscheibe sind Halb- und Hochstämme, die auf starkwüchsigen, meist Sämlingsunterlagen stehen.

Steht Kompost zur Verfügung, werden bei Beerenobst jährlich 2 Liter auf die Baumscheibe (Durchmesser ca. 1 m) verteilt, bei Kern- und Steinobst 4 Liter. Für den zu ergänzenden Stickstoff ergeben sich folgende Werte:
 
Obstart Düngung mit organischen Düngern Düngung mit mineralischen Düngern
Steinobst
(Kirsche,
Zwetschge)
100 - 140 g Hornmehl pro Baum:
Ende März bis Anfang April leicht einarbeiten
50 - 70 g Kalkammonsalpeter
pro Baum in 2 Teilgaben:
1. Gabe Anfang April und
2. Gabe Ende Mai
Kernobst
(Apfel, Birne)
70 - 100 g Hornmehl pro Baum:
Ende März bis Anfang April leicht einarbeiten
35 - 50 g Kalkammonsalpeter
pro Baum in 2 Teilgaben:
1. Gabe Anfang April und
2. Gabe Ende Mai
Beerensträucher
(Johannisbeere,
Himbeere,
Brombeere)
100 g Hornmehl pro Strauch:
Ende März bis Anfang April leicht einarbeiten
50 g Kalkammonsalpeter pro Strauch:
Ausbringung im April
 
Wird auf Kompostgaben verzichtet, so sind kalibetonte mineralische oder organischmineralische Volldünger erforderlich:
 
Obstart Düngung mit organischen Düngern Düngung mit mineralischen Düngern
Steinobst
(Kirsche,
Zwetschge)
150 - 200 g Hornoska
pro Baum in 2 Teilgaben:
1. Gabe Anfang April und
2. Gabe Ende Mai
100 - 130 g Blaukorn Entec
pro Baum in 2 Teilgaben:
1. Gabe Anfang April und
2. Gabe Ende Mai
Kernobst
(Apfel, Birne)
125 g Hornoska
pro Baum in 2 Teilgaben:
1. Gabe Ende März bis Anfang April und
2. Gabe Ende Mai
70 - 100 g Blaukorn Entec
pro Baum in 2 Teilgaben:
1. Gabe Ende März bis Anfang April und
2. Gabe Ende Mai
Beerensträucher
(Johannisbeere,
Himbeere,
Brombeere)
100 g Hornoska pro Strauch:
Ende März bis Anfang April leicht einarbeiten
80 g Blaukorn Entec pro Strauch in
2 Teilgaben:
1. Gabe Ende März, Anfang April
2. Gabe Ende Mai
 

Düngung von Streuobstbäumen


Gut gepflegte und wüchsige großkronige Streuobstbäume benötigen mehr Dünger als die bei den kleinen Baumformen oben angegebenen Werte. Dabei ist zu berücksichtigen, ob die Bäume jährlich eine gute Zuwachsleistung haben. Ist dies der Fall, so wird mindestens die fünffache der oben angegebenen Menge unter dem ganzen Baum verteilt. Bei geringem Triebzuwachs kann bis zur zehnfachen der oben angegebenen Menge gestreut werden.

Dabei nehmen auch die Pflanzen der Wiese einen Teil des Düngers in Anspruch. Wird Grasschnitt entfernt, entzieht man der Fläche Nährstoffe. Dagegen sind Laub, das bis Frühjahr verrottet, und andere organische Substanzen zusätzliche Nährstoffquellen.
 

Standardbodenuntersuchung zur Kontrolle


Alle 4 Jahre ist eine Standardbodenprobe einschließlich Magnesiumuntersuchung sinnvoll, um die Entwicklung der Nährstoffgehalte im Boden zu beurteilen. Der von den Untersuchungslabors mitgelieferte Gartenpass gibt Hinweise zur umweltgerechten Düngung.


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