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Die Satire des Monats März 2001 in unserem Online-Baumarkt

Die Wanne wird Kult!

Da sitzt der buddhistische Mönch in der Badewanne und meditiert (Kaldewei-Werbung). Da setzt sich ein junger Urlauber - nein: nicht im Sand, sondern in die Badewanne und ein knackiges Weibsbild setzt sich zu ihm (TV-Werbung der Air Marin). Da telefoniert ein weiteres knackiges Weibsbild aus der schaumgefüllten Wanne mit ihrer Freundin (TV-Werbung von D2). Da hockt ein sportlicher junger Mann in der Wanne und liest Zeitung (PR-Foto Hansa-Armaturen).

Und da baut doch wahrhaftig Herr Endemol in den RTL-Container für die BIG-BROTHER-"SHOW" eine Badewanne ein. Wie man hört, soll ein Endemoloskop bald folgen. Sie wissen nicht, was das ist? Das ist eine Unterwasserkamera, die keine Außen-, sondern Innenansichten direkt aus der Badewanne liefert.

Man sieht also: Die Badewanne wird Kult. Sie ist nicht mehr Mittel zum Zweck der Körperreinigung, nein, sie wird der Mittelpunkt unseres Lebens. Wir telefonieren aus, wir lesen in, wir pflegen die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Wanne.- Die Wanne ist rund oder herzförmig, wird über's Eck gebaut oder als Whirlpool ausgestattet. Mit Düsen vorn und hinten.

Nur das Speisen in der Wanne, das will sich noch nicht so recht durchsetzen (obwohl im Mittelalter so Sitte). ***-Koch Rudolf Zünglein, nach dem Stand der Dinge befragt, gibt sich zurückhaltend: "Mit der Speisebadewanne kommen wir noch nicht so recht voran. Hier sind die Konstrukteure gefragt. Aber es gibt ermutigende Ansätze!"

Ich darf Ihnen unter der Hand verraten: Ein Reinfall war's! Im Wortsinn ein Reinfall. Als sich die 36 Testpaare zum ersten Wannen-Gourmettreff im Feinschmeckerlokal "Die Ente vom Bocksberg" ihrer Kleider entledigt hatten und in die Wannen gestiegen waren, wurde der feierliche Augenblick des Verspeisens einer Vorspeise aus Morchelpüree an gratinierter Walnuß durch das unziemliche Gelächter eines plötzlich hereinschneienden Handelsvertreters gestört.

Auch unter den Teilnehmern machte sich hinsichtlich des Handlings ein gewisser Unmut breit. Dr. Siegmund Sillmanns: "Meiner Gattin ist das Wachtelbrüstchen an leichter Korianderschaumsoße in das Badewasser gefallen, als ich versehentlich die Whirl-Taste betätigte!"

Und Frau Leonore Bruckhäuser, Unternehmerin aus Wien und mit ihrem Golflehrer in der Wanne: "Das Aroma meines Chateaux de Bain-Barrique, Originalabzug von 1936, wurde stark beeinträchtigt vom Geruch aus der Nachbarwanne. Schauen's: Die haben Fichtennadel-Badesalz ins Wasser getan....F-i-c-h-t-e-n-n-a-d-e-l-b-a-d-e-s-a-l-z - nein, wie ordinä-ä-ä-ä r!"

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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