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Die Satire des Monats April 2001 in unserem Online-Baumarkt

Unser Autor beschäftigt sich diesmal zwar mit einem handwerklich gefertigten Schrank, was die Redaktion an sich begrüßt. Leider träufelt er wieder einmal Spott und Hohn aus - und zwar diesmal über dem Haupt seiner leidgeprüften Ehefrau. Dabei könnte der verschwenderisch veranlagte Herr Dübbel kaum einen Urlaub finanzieren, wenn seine Gattin nicht die Cents zusammenhielte. Cents sind übrigens die Pfennige der neuen EURO-Währung.

Ein Schrank für Schleifen und Kerzen

Meine Ehefrau verdient nicht schlecht. Sie verdient in Wahrheit sogar ziemlich gut. Jedenfalls könnte sie sich (ohne am Hungertuch nagen zu müssen) jeden Monat 100 Röllchen mit Dekoband kaufen und drei Kartons Kerzen.

Genau dies tut sie aber nicht. Sie ist zwar aus dem Rheinland gebürtig, muß aber schwäbische Vorfahren haben. Jedenfalls ist sie sparsam veranlagt und kann nichts wegwerfen. Schon gar keine Schleifchen und heruntergebrannte Kerzen.

Wie ich durch Umfrage im Freundeskreis weiß, ist die Schleifenaufbewahrsucht ein weitverbreitetes feminines Leiden. Was immer als Geschenk ins Haus kommt und eine Dekoschleife trägt, wird erst einmal vorsichtig der gelben, goldenen, roten, blauen, silbernen, grünen oder violetten Schleife beraubt. Und die Schleife wandert dann in ein Schubfach. Was heißt hier:   e i n   Schubfach!

Wie Krakenarme haben sich die Schubfächer vermehrt, in denen Schleifen auf mich lauern. Und sind es keine Schleifen, dann sind es heruntergebrannte Kerzen vom letzten Adventskranz. Was tun? Alle Schleifen einsammeln und verbrennen, würde zur Zerrüttung der Ehe führen, obwohl ich oft genug vor dem prasselnden Kaminfeuer gestanden und mir ausgemalt habe, wie herrlich die Schleifen lodern würden, wenn ich das Feuer auch noch ein ganz klein wenig durch Kerzenwachs unterstützen würde. Wenn, ja wenn.

Stattdessen habe ich einen Schrank für Schleifen und Kerzen gebaut. 170 cm hoch ist der Schrank (meine Frau ist körperlich eher klein, aber eine Riesin im Schleifensammeln!). Und er hat 37 Schubläden. Und jede Schublade ist andersfarbig lackiert. Damit man die roten oder goldenen Schleifen sofort findet.

Ganz unten links hatte ich mir eine kleine Schublade vorbehalten - ein Schublädchen für Schuhbänder, denn ich pflege immer etwas stark an selbigen zu ziehen. Meine Frau behauptet, ich lebe meine Aggressivität an Schuhbändern aus. Ich und aggressiv - ausgerechnet ich!

Ja und dann ist es passiert. Um 19.11 Uhr, als ich meine schwarzen Ausgehschuhe anziehen wollte, das Schuhband riß, ich aber ganz gelöst an den neuen Schrank ging, mein Schublädchen aufzog - und kein Schuhband fand, dafür aber Fliegenpilze aus Plastik vom vorvorletzten Weihnachtsgesteck sowie mehrere Meter aufgerolltes, zerknittertes Dekoband.

Der vorgesehene Opernbesuch fiel ins Wasser und der neue Schrank aus der ersten Etage auf die Straße, wo er zerbrach. Windböen trieben einige hundert Schleifen durch die Straßen - es war ein schönes Bild!

Man hat mich zur Beobachtung in eine psychosomatische Klinik eingeliefert. Ich hätte auch schon Freigang bekommen, wenn, ja wenn nicht die Ehefrau meines Zimmergenossen zu Besuch gekommen wäre. Sie brachte eine Schachtel "Mon Cherie" mit - dekoriert mit einer Schleife. Angeblich soll ich mich auf die Dame gestürzt und geschrieen haben: "Stecken Sie sich die verdammte Schleife in Ihren A ....!"

Der Oberarzt hat eine Schocktherapie vorgeschlagen. Die Stationsschwester könnte doch einmal einen Tanz vor mir aufführen - mit nichts bekleidet als mit Schleifen an den kritischen Stellen.

Die Krankenschwester ziert sich noch. Aber die junge Ärztin in Ausbildung Laura K. würde mir auch gefallen. Sie denkt intensiv darüber nach. Dann könnte sie ihre Doktorarbeit über die Therapie schreiben.

Meiner Frau ist alles recht, wenn ich dadurch vom Schleifenverfolgungswahn befreit werde. Aber so schnell gebe ich nicht auf! Da müssen schon viele hübsche Schwestern und Ärztinnen vor mir herumhüpfen, bis ich geheilt bin.

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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