Die Redaktion bittet ihre Leser um Entschuldigung, daß sich ihr Autor Wolfram Dübbel wieder mit Kaninchen beschäftigt (siehe Satiren Monat 9 und 10/2000). Diesmal geht es allerdings um eine höchst tragische Angelegenheit, so daß wir den Beitrag ausnahmsweise abdrucken.
Kaninchenstall mit Katzen-GuillotineErinnern Sie sich noch an meine Heimwerkerbemühungen um den köttelfreien Kaninchenstall und das ausbruchssichere Kaninchengehege für die Schlappohrzwergkaninchen meiner Enkelin Henriette, genannt "Netty"? Ja, als die Tierchen bei m i r zur Pension waren, da ging es ihnen noch gut.
Dann wurden die beiden Kaninchen von meiner Tochter Marion wieder abgeholt. Und der Stall im heimischen Garten aufgestellt. Und das Kaninchenmännchen (unter Züchtern "Bock" genannt) machte, was alle derartigen Männchen zu tun pflegen. Und zwar mit ziemlicher Ausdauer und nach Beobachtung renommierter Zoologen bis zu 36-mal hintereinander. Das Ergebnis des Tuns waren sechs Zwergkaninchenbabies.
Natürlich wurde Hannibal sofort von seinem Weibchen getrennt (sprich: In eine Zoohandlung zum Weiterverkauf gegeben). Und das Weibchen Mina sorgte sich rührend um den Nachwuchs. Marion hielt das Ereignis auf Video fest, Henriette führte den Wurf stolz ihren Schulfreundinnen vor.
Bis das Schicksal in Gestalt einer fiesen, graugestreiften Widerlingskatze zuschlug. Dieses Mistvieh verschaffte sich nämlich Zugang zum Käfig und verschleppte alle sechs Babies. Nur eines wurde noch aufgefunden - am Gartenzaun und mit durchgebissener Kehle. Schluchz! Schluchz!
Natürlich sei i c h an allem schuld, fauchte meine Tochter Marion mich durchs Telefon an. "Deine Enkelin hat schon ein ganzes Bettuch vollgeweint!" Meine Frage, was ich denn dafür könne, wenn 25 km entfernt ihre Kaninchen aufgefressen würden, wurde zischend und fauchend beantwortet mit "Du hättest den Käfig so bauen müssen, daß keine Katze eindringen kann!"
Hat man so etwas schon gehört? In von m i r gebaute Ställe kann keine Katze eindringen - es sei denn, sie käme mit einer Kettensäge daher. Und so stellte sich dann heraus, daß der Käfig unversehrt war und daß man die Kaninchenmutter Mina in den Garten gesetzt hatte, damit sie "mal etwas Auslauf hat!" Und die Käfigtür blieb natürlich offen.
Das war theoretisch sehr tierlieb, praktisch aber lebensgefährlich, wie sich zeigen sollte. Kaninchenmutter Mina hoppelte im Garten herum, als ihre Kinderchen umgebracht wurden. Mina ist nun verstört. Marion ist entsetzt. Und Henriette ist tieftraurig.
Und ich? Ich bin dem Wahnsinn nahe, denn meine eigene Tochter forderte mich auf, am Käfig eine Katzen-Guillotine anzubringen: "Sobald sich so ein Dreckskater am Käfig zu schaffen macht, muß das Fallbeil heruntersausen!"
Die Arbeiten an der Guillotine gingen munter voran. Leider habe ich sie unterbrechen müssen. Mein linker Zeigefinger ist aber wieder gut durchblutet und fühlt sich auch nicht mehr taub an. Der Chirurg lobt mich, weil ich meinen abgetrennten Finger schön in Eis verpackt hatte, "sonst hätten wir ihn nicht so sauber annähen können."
Sie sehen also, meine Guillotine funktioniert. Und der Chefarzt sieht sich täglich zweimal meinen Finger an und strahlt: "Das haben wir doch toll wieder hingekriegt!"
Enkelin Henriette pustet zur Förderung der Heilung auf meinen angenähten Finger. Und auch Tochter Marion ist recht nett zu mir. Erst gestern flötete sie mir ins Ohr:
"Du bist doch unser lieber Paps....und wenn Du aus dem Krankenhaus kommst, dann sorgst Du dafür, daß Mina schnell befruchtet wird!"
Wolfram Dübbel |