Unser Autor fühlt sich bemüßigt, Spott und Hohn über jene modernen Menschen auszugießen, die über Handy und Internet häusliche Vorgänge steuern oder kontrollieren und via SMS auch in den Ferien gemeldet bekommen: "Gerade wird bei Ihnen eingebrochen!".
Heizung aufdrehen, wenn das Haus brennt?Seit mich mein PKW- Navigator statt vor den Haupteingang der Siemens AG auf den Hof eines Freudenhauses geführt hat, habe ich gewisse Bedenken an der Zuverlässigkeit elektronischer Vorrichtungen. In diesem konkreten Fall kommt noch die Wut hinzu. Denn meine Gattin hat die Abrechnung der Kreditkartenfirma vorgefunden. Sie will bis heute nicht glauben, daß ich armer Irregeleiteter nur aus Neugierde durch die falsche Haustür getreten bin. Insbesondere macht sie mir heftige Vorwürfe, weil ich für 270 Euro eine Dame bewirtet habe.
Man kann also sagen: Bei mir hängt der Haussegen schief.
Mein Kollege Harald Zuppig, Informatiker von Beruf und in der Redaktion zuständig für alles Digitale, hat nur Spott für mich übrig. Nicht mein Navigator sei schuld, sondern meine - man höre: meine! - Schusseligkeit, denn ich hätte "mit absoluter Sicherheit" eine falsche Straße eingetippt.
Und dann fährt dieser Schuft auch noch hohnlächelnd fort: "Die ganze Story ist Schwachsinn! Du wolltest ganz einfach ins Puff!"
Das alles hat sich letzten Oktober zugetragen. Nach Weihnachten ist mein lieber Kollege mit Handy und Gattin in die Dolomiten gefahren. Und da er ja ein voll digitalisierter Mensch ist, der sein Haus vom Fenster bis zum Kühlschrank verdrahtet hat, kann er auch aus weiter Ferne die Rolladen hoch- und runterfahren, die Heizungstemperatur regulieren und das Licht an und ausstellen.
Und nun kommt es (ha-ha-ha!). Gleich am Tag nach der Ankunft in den Dolomiten zeigt sein Handy die SMS-Botschaft: "Bei Ihnen wurde ein Fenster aufgebrochen!" Und dann "Bei Ihnen duscht gerade jemand!" Und dann "Ihr Haus brennt ab!" Also setzt sich der liebe Kollege samt Handy und Gattin ins Auto und braust nach Hause.
Dort ist aber alles unversehrt. Kleine Panne in der Software, kann ja mal passieren!
Und so feiert Kollege Zuppig samt Handy und Gattin Silvester in der eiskalten Wohnung. Seine Gattin (im Mantel und unter zwei Decken) giftig: "Warum hast Du Rindvieh denn nicht wenigstens über Dein gottverdammtes Handy die Heizung hochgefahren?" Kollege Zuppig (in drei Pullovern und drei Ski-Unterhosen) nicht weniger giftig: "Du blödes Weib, was soll ich denn die Heizung hochfahren, wenn das Haus abbrennt!"
Ich möchte diesen Sachbericht nicht beenden ohne zu bemerken, daß auch bei Zuppigs der Haussegen schief hängt. Extrem schief - ha, ha, ha!
Wolfram Dübbel |