Unser Autor beschäftigt sich mit den "summergardens" (zu Deutsch: Wintergärten) im allgemeinen und dem des amtierenden Bundeskanzlers im besonderen. Der Wintergarten vor dessen neuem Privatwohnhaus gibt der bundesdeutschen Wintergarten-Industrie und dem nachgelagerten Handwerk jedenfalls einen mächtigen Push, meint unser Autor.
Familie Schröder hinter PanzerglasNun hat es schon in allen Gazetten gestanden: Die Familie Schröder respektive Schröder-Köpf ist in ein "Reihenendhaus" im hannöverschen Zooviertel eingezogen. "Reihenendhaus" hört sich an wie Siedlungshaus für junge Familien. In Wirklichkeit ist das Anwesen in gutbürgerlicher Wohnlage schon ein Objekt mit über 300 qm Wohnfläche. Die braucht man als Kanzler (oder eines Tages Exkanzler) auch, denn Staatsgäste, die auf Privatbesuch kommen, kann man nicht in einer 20 qm großen Eßecke abfüttern. Und die Stieftochter des Herrn Schröder wird ja auch größer, Freundinnen und eines Tages sogar Freunde werden hier nächtigen wollen. Also, die Gebrauchtimmobilie ist eher zu klein, als zu groß.
Aber! Aber man hat ja noch den Wintergarten - zur Straße hin und vom Nachbarhaus gut einsehbar. Und wer eine Leiter mitbringt und über den Sicherheitszaun schielt, der wird den Schröders beim Frühstück zusehen können, wenn ihm nicht einer der Personenschützer, die auf der Straße Dauerquartier aufgeschlagen haben, die Leiter unter den Füßen wegzieht. Meinen Segen dazu hat der Sicherheitsbeamte allemal!
Schröder's Wintergarten ist mit grünlich schimmerndem Panzerglas ausgestattet worden, Kalaschnikow-resistent, wie der STERN zu berichten weiß. Die Gefahr, daß Herr Schröder von Terroristen überfallen wird, ist aber geringer als die Gefahr, daß er von einem Hitzeschlag heimgesucht wird, wenn er bei sommerlichen 30° hinter und unter dem Panzerglas sitzt oder liegt oder steht - und die eingebaute Klima- und Entlüftungsanlage streikt. Aber die wird doch wohl ein deutsches Qualitätsprodukt sein, nehme ich einmal an. Und deutsche Qualitätsprodukte streiken nicht. Höchstens die Arbeiter, die sie montieren.
Die Hersteller von Wintergärten und das nachgelagerte Handwerk freuen sich, denn Schröder's Wintergarten kurbelt die Nachfrage nach Wintergärten an. Nachdem unser Kanzler schon für feingeschneiderte Anzüge Modell gestanden hat, erscheint nicht unwahrscheinlich, daß er seine Person in die Dienste der Wintergarten-Werbung einbringt.
Dr. Josef Maria Zirkulat von der GSAW "Gütegemeinschaft Samtbeflockter Aluminium-Wintergärten" verhandelt mit dem Kanzler, gibt sich aber derzeit etwas knatschig: "Unter 3 Mio. will der nicht vor die Kamera - und das will ein Sozi sein!"
Noch knatschiger ist Dipl.-Kfm. Wolfgang Windig vom Qualitätsverband HANF, Holzwintergärten aus nachhaltiger Forstbewirtschaftung e.V. "Dieser Kanzler regiert mit den Grünen. Und was macht er? Er zieht sich in einen Alu-Wintergarten zurück, ALLLUUUUU! Bäh, kann ich da nur sagen, dreimal: Bäh!"
Wolfram Dübbel |