Alle Satiren lesen

Die Satire des Monats Mai 2002 in unserem Online-Baumarkt

Im Monat Mai beschäftigt sich unser Autor mit "verschulter Baumschulware". Darunter sind vor allem Jungbäume zu verstehen, die in einer Baumschule heranwachsen und spätestens alle zwei Jahre "verschult", also umgepflanzt werden müssen. Geschieht dies nicht, besteht hochgradig die Gefahr, daß der junge Baum bei seinem neuen Eigentümer nicht anwächst oder dahinkümmert.

Zusätzlicher Hinweis: Im Januar 2011 erreichte uns der Brief eines Herrn Christian May, der einmal eine Baumschule betrieben hat (schreibt er jedenfalls). Herr Christian May legt wert darauf, dass er nicht identisch ist mit jenem Herrn May, der im Mittelpunkt der Dübbel’schen Satire steht. Aus gegebenem Anlass wollen wir also Ross und Reiter nennen. Unser Herr May heißt mir Vornamen „Eusebius Nepomuk“ und nicht Christian.

Herr May ist dann doch noch gekommen

In der ersten Aprilwoche anno 2001 erwarb ich in der Baumschule des Herrn May eine Linde, einen erst neun Jahre alten Jungbaum - aber immerhin um die 4 bis 5 m hoch. Herr May lieferte den Lindenbaum an, die Wurzeln schön mit "Ballen" in Jute verpackt. Der Baum wurde gepflanzt und gewässert. Und immer wieder gewässert, wenn der Boden trocken war.

Es kam der Mai 2001 und der Jungbaum hätte "ausschlagen" müssen, wie doch schon Eduard Mörike in seinem Maiengedicht so schön geschrieben hat.

Der Jungbaum schlug auch aus, aber spärlich, sehr spärlich. Herr May, von mir herbeitelefoniert, verteilte tröstende Worte: "Der kommt noch! Nächstes Jahr, da schlagen die Triebe voll durch und es wird in Ihrem Vorgarten wunderbar nach Lindenblüten duften!"

Nun ist er gekommen, der Mai 2002. Die Linde kümmert, die Hälfte der Äste ist verdorrt. Herr May ist aber nicht gekommen, um sich den Baum anzusehen. Und schon gar nicht ist er gekommen, um sein Garantieversprechen einzulösen: "Meine Bäume - das ist alles verschulte Ware. Mit Anwachsgarantie!"

Ich habe dem Herrn May dann ein Fax geschickt:


Lieber Herr May!

Heute habe ich ein großes Plakat an den von Ihnen gepflanzten Lindenbaum gehängt. Es hat folgenden Inhalt: Dieser Baum wurde von der Baumschule May geliefert und eingepflanzt. Überzeugen auch Sie sich von dem einwandfreien Wuchs und freuen auch Sie sich über die frischen Triebe, liebe Mitbürger.

Ein dankbarer Kunde der Baumschule May


Herr May ist dann doch noch gekommen. Und zwar ziemlich schnell. Er verlangte, daß das Plakat abgenommen werden müsse. Ich verneinte unter Hinweis auf das hohe Gut der Meinungsfreiheit.

Herr May erklärte, soweit ginge die Meinungsfreiheit aber nicht, daß ich ihn lächerlich machen dürfe. Ich erklärte, niemand werde lächerlich gemacht - im Gegenteil. Ich täte doch nur allen Bürgern meiner Straße kund, wie schön sein Lindenbaum sei.

Herr May drohte mit seinem Rechtsanwalt. Ich erklärte, dann würde ich noch ein weiteres Plakat aufhängen. Herr May erklärte, das sei Nötigung. Ich erklärte, er wisse ja noch gar nicht, was auf dem zweiten Plakat stehen werde.

So ging es hin und her. Die Unterredung wurde lautstark. Die Passanten gafften auf uns und auf den kläglichen Lindenbaum.

Und dann siegte die Vernunft. Herr May: "Man soll sich im schönen Monat Mai nicht streiten. Sie bekommen im Herbst eine neue Linde, wenn ich die alte gleich mitnehmen darf!"

Herr May durfte. Er nahm die bedauernswerte Linde mit. Und das Plakat natürlich auch.

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
Alle Satiren lesen
  Suchen:
Wenn Sie mit dem Gedanken liebäugeln, ein Fertighaus oder Holzhaus zu kaufen oder an einem Grund-
stück interessiert sind, sollten Sie das Portal www.fertighaus.de besuchen mit über 2.000 Häusern von rund 90 Fertighaus-Anbietern.