Die finanzpolitische Situation hat sich Ende Dezember 2002 dramatisch verändert. Die Steuerflüchtlinge kehren heim. 120 Milliarden sollen diese im Ausland gebunkert haben. Wer das Geld zurück bringt, also vom Steuerflüchtlingssaulus zum Steuerbezahlpaulus wird, den will man mit einer Abgeltungssteuer von nur 25 % belohnen. Und straffrei soll er auch ausgehen. Das hört sich alles sehr schön an. Aber was sagt Wolfram Dübbel dazu?
Kisten und Kästen und Säcke für 120 MilliardenMein Telefon steht nicht mehr still, mein Fax läuft heiß, mein Handy vibriert um die Wette, mein eMail-Kasten quillt über. Meine Nerven liegen blank. Beim ersten Anruf war ich noch ahnungslos:
"Hallo Wolfram, Du kennst doch Gott und die Welt - wir brauchen dringend um die 20.000 stabile Kisten und Kästen, von mir aus auch Säcke..."
"Mit wem spreche ich denn da?"
"Ja mein Gott, mit Ferdi von der Baumarktgruppe Max Bahr!"
"Ach, grüß Dich Ferdi, aber was willst Du denn mit den Kisten?"
"Wolfram, wo lebst Du denn? Weil wir "Bahr" heißen, kommen die meisten zu uns! Es geht um das Bargeld, das in Liechtenstein und sonstwo liegt. Die Leute wollen es zurückbringen. Und wollen bei uns Kisten und Kästen kaufen. Soviel haben wir aber nicht auf Lager. Wir drehen hier durch! Kennst Du nicht Lieferanten, die uns schnell stabile Kisten liefern können? Du weißt ja: Schwarzgeld wiegt schwer!"
Natürlich kenne ich solche Lieferanten. In Polen, in Rußland, in Litauen, in der Ukraine. Aber die wollen alle Schwarzgeld sehen!
Ich versuche das Ferdi klarzumachen. Und nicht nur ihm. Aus allen Ecken rufen Sie bei mir an.
Ja jetzt, da könnten alle Baumärkte das dicke Geschäft machen. Um Schwarzgeld nach Deutschland zurückzubringen, damit daraus wieder blütenweißes Geld wird, braucht man Transportbehälter. In großen Stückzahlen sind die aber nur zu bekommen, wenn man dafür mit Schwarzgeld bezahlt.
Rainer Wexelbaum von der Baumarktgruppe PRIX: "Lieber Wolfram, ich könnte mir die Haare ausreißen. 70 % unserer Kunden sind Schwarzarbeiter, die mit Schwarzgeld bezahlen. Aber wir, ausgerechnet w i r haben kein Schwarzgeld. Höchstens ein wenig. Und das brauchen wir für unsere Expansion in der Türkei!"
Wolfram Dübbel |