Unser Autor berichtet von einem familiären, vorweihnachtlichen Geschehen, das ihn offenbar zu verschiedenen hinterhältigen Aktionen im neuen Jahr veranlaßt hat. Die Redaktion ist rat- und sprachlos, zumal doch Weihnachten das Fest der Liebe ist. Herr Dübbel will sich aber nicht besinnen!
Der Heilige Josef auf LinoleumMich ereilte Anfang Dezember der Anruf meiner Tochter, die mit einem Rindvieh von Mann verheiratet, aber angeblich glücklich ist. "Hast Du schon ein Geschenk für Deine Enkelkinder?", fragte sie schmeichlerich.
"Bitte, mein Schatz, spare Dir Deine süßen Töne! Du willst mir jetzt am Telefon erklären, was ich gefälligst zu kaufen und Weihnachten zu verschenken habe - ist es nicht so?"
"Eben nicht, eben nicht! Eine große Krippe, das wäre doch was! Und wo Du so gerne sägst und hämmerst..."
"Liebes Töchterlein, laß das Deinen Mann machen, der kann doch alles besser und weiß alles besser!"
Hach, das Argument saß. Meine Tochter brauchte 37 Sekunden, bis sie argumantativ wieder im Geschehen war.
"Natürlich kann Friedhelm das auch selbst basteln, wenn Dir als Großvater die Arbeit zu beschwerlich wird!"
Ich möchte Sie, liebe Leser/innen, darauf hinweisen, daß ich Jung-Senior bin. Ich stehe unter dem Protektorat von Bundeskanzler Schröder, der meine Lebensarbeitszeit zur Stützung der Rentenkasse erhöhen will. Und dann muß ich mir sagen lassen, daß mir der Bau einer Krippe zu beschwerlich ist!
Ich will Sie mit dem weiteren Verlauf des Telefonats verschonen. Jedenfalls habe ich eine wunderschöne Krippe gebaut. Mit einem pflegeleichten, stimmungsvollen, tannennadelgrünen Fußboden aus dem Naturprodukt Linoleum. Der Kommentar des Schwiegersohns: "Alles ganz schön!" ("Ganz schön!" hat der Mistkerl gönnerhaft gesagt, "ganz schön!") Und dann hat er hinzugefügt:
"A-b-e-r L-i-n-o-l-e-u-m! Mir war gar nicht bekannt, daß der Heilige Josef auf Linoleum herumgestanden hat!"
Ich habe mich n i c h t provozieren lassen. Ich nicht! Ich habe diesem Ochs oder Esel in dezenter Weise erklärt:
"Friedhelm, Du kannst das Linoleum ja kaschieren, in dem Du etwas Stroh aus Deinem Kopf drüber streust. Aber klebe es nur ja nicht fest. Nach Weihnachten brauchst Du es wieder! Sonst wird aus einem Strohkopf ein Hohlkopf."
Meine Tochter machte Glubschaugen und Friedhelm begann herumzuschreien. Und das vor Weihnachten! Und dabei hatte ich doch nichts als die Wahrheit gesagt, nichts als die Wahrheit. Ich wurde sogar des Hauses verwiesen!
Meine Tochter samt Familie wohnt in einem schönen, älteren Einfamilienhaus, das ich gekauft habe. Als Hauseigentümer habe ich das Recht, einmal im Jahr die Wohnräume meiner Mieter zu inspizieren. Ich habe mich für den 2. Januar angesagt.
Und ich werde auch den alten Teppichboden im Wohnzimmer herausreißen lassen, über den sich dieses Rindvieh von Schwiegersohn dauernd beklagt.
Und wissen Sie, was stattdessen ins Wohnzimmer kommt? Richtig! Linoleum, und zwar schön tannennadelgrün!
Wolfram Dübbel |