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Die Satire des Monats Mai 2003 in unserem Online-Baumarkt

Unser Autor berichtet hier von Problemen seines Freundes Hermann Josef Bautensieck mit der Baubehörde seiner Heimatgemeinde Schroffenstein. Herr Bautensieck ist nach Paraguay ausgewandert, weil man dort bauen darf, wie man will - und alles ohne Baugenehmigung.

Ein Rindvieh namens Frau Bürgermeister

Mein Freund Hermann Josef (ohne Bindestrich, da legt er Wert drauf) galt bis vor kurzem in seiner Heimatgemeinde noch etwas. Da war er erfolgreicher Unternehmer, beschäftigte 230 Schroffensteiner, hatte das richtige Parteibuch und spendete an die richtige Partei. Hermann Josef wörtlich: "Ohne mich lief hier gar nichts!"

Das änderte sich, als er seinen Betrieb verkaufte und der neue Eigentümer die Firma binnen zwei Jahren herunterwirtschaftete. Hermann Josef hatte mit alledem zwar nichts zu tun, aber eine Menge Schroffensteiner waren wütend. Hatte Hermann Josef doch aus dem Verkaufserlös seiner Firma eine Villa in bester Schroffensteiner Höhenlage erworben. Samt Ausblick auf den Poldinger See. Und während sein ehemaliger Betrieb den Bach runter ging, plätscherte Hermann Josef's neue Lebensgefährtin nackt im Bach, der das Villengrundstück malerisch durchfließt. Der Fraktionsvorsitzende der führenden örtlichen Partei, der durch eine Hecke gespäht hatte, nahm persönlich Anstoß!

Als die Frau Bürgermeisterin ihren "lieben Parteifreund" in vorgerückter Stunde tadelte, dass er sich mit seinen 62 Jahren mit einer 30 Jahre jüngeren Dame die Zeit vertreibe, gab Hermann Josef sein Parteibuch zurück und legte eine dicken, dicken Strick um den Geldsack, aus dem er bisher die Partei unterstützt hatte.

Die Rache folgte alsbald. Als Hermann Josef den Antrag stellte, auf seinem Grundstück einen Pavillon aus Marmor errichten zu dürfen, wurde dieser prompt abgelehnt. Es gab heftiges hin und her und eine Klage vor dem Verwaltungsgericht. Die zog Hermann Josef aber zurück, als er erfahren hatte, daß man in Paraguay erstens sehr gesund und preiswert lebe und zweitens bauen könne, was man wolle und wie man wolle. Ohne Baugenehmigung. Sogar das Brandenburger Tor könne man dort nachbauen - ohne Bauantrag, ohne statische Nachweise, ohne Bauschein, ohne Gebühren.

Hermann Josef residiert nun in Paraguay. In einer mächtigen Villa, die ihn nur 400.000 Euro gekostet hat. In Deutschland hätte er das Zehnfache bezahlen müssen. Rundherum hat er an die 250 Stück Rindvieh, die er aus Spaß und Dollerei züchtet. Seine neue Freundin Rosita liest ihm jeden Wunsch von den Augen ab, seine alte ist in Schroffenstein verblieben und strebt dort eine Parteikarriere an.

Hermann Josef denkt oft an seine alte Heimat. Deshalb hat er eine Kuh mit rötlichem Fell "Frau Bürgermeisterin" getauft. Ein Rindvieh heißt "Herr Riemel" nach dem Namen des örtlichen Leiters der Baubehörde.

Da seine Villa ziemlich in der Pampa liegt und keinen Kanalanschluss hat, gehen die Fäkalien in eine Sickergrube. Der hat er den Namen Schroffenstein gegeben. Nun raten Sie einmal, wie sich Hermann Josef fühlt, wenn er auf Schroffenstein......

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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